DRESSUR – alte Bekannte sind gut für Überraschungen

Muttis Beste: Victoria Max-Theurer (AUT) und der selbstgezogen Augustin

(© Pauline von Hardenberg)

Die Tagesform entscheidet, das gilt umso mehr für das Saisonhighlight 2014, die Weltreiterspiele. Im Dressurviereck haben da einige Paare sich zurückgemeldet. Und andere konnten die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Deutschland und dann? Das Teamgold war für viele schon im Vorfeld beschlossene Sache, ob mit oder ohne Totilas. Doch nach diversen Ausfällen im Vorfeld war es dann doch spannend, wer es aufs Treppchen schafft. Und da einige Reiterinnen ihre Pferde genau auf den Punkt in Topform präsentieren konnten, blieb die Spannung bis zum Nachmittag bestehen.
Victoria Max-Theurer und der von ihrer Mutter gezogene Augustin v. August der Starke waren eine der überraschenden Kombinationen. Der Hengst wird nach zwei Kolikoperationen dosiert eingesetzt, deswegen wusste man nicht so recht, wie sich der mächtige Braune zeigen würde. Zumal Wolfram Wittig nicht mehr als Trainer fungiert. Vici und ihr Krokodil, wie der Hengst genannt wird, überzeugten durch Ruhe. Die Österreicherin saß ruhig und strahlte diese Ruhe ab, ihr Pferd dankte es ihr mit einer äußerst konstanten Anlehnung in der gesamten Prüfung. Der Lohn: 77,14 Prozent, Platz sechs.
Die Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfven, die viele Turniere in den letzten zwölf Monaten gewonnen hat, versuchte ihren Hannoveraner Don Auriello etwas aktiver im Hinterbein zu bekommen. Der Versuch ging leider schief. Der imposante Braune machte Taktfehler, versprang die Zweierwechsel, letzteres aber nicht zum ersten Mal, 76,186 Prozent, Platz sieben, beste schwedische Reiterin.
Während die Richter gestern weitestgehend unabhängig von großen Namen richteten, gab es heute den ein oder anderen Big-Name-Bonus. Davon profitierte zum Beispiel der US-Amerikaner Steffen Peters, dessen Westfale Legolas sicherlich in Passagen und Piaffen Weltklasse ist, aber im Schritt und Galopp bei weitem nicht die Klasse hat wie sie Peters Weltcupsieger Ravel hatte. Trotz eines teuren Fehlers in den Einerwechseln kam er auf generöse 75,843 Prozent, Platz acht und damit noch vor seine Teamkollegin Laura Graves, deren KWPN Wallach Verdades zwar einmal im versammelten Schritt staunend anhielt, aber ansonsten eine tolle, losgelassen Prüfung ging mit tollen Serienwechseln, guter Passage-Piaffe-Tour und insgesamt von der Sorte, die man sich gerne ein zweites Mal anschaut, um festzustellen, warum Dressur ein so schöner Sport ist. Graves wurde Zehnte (74,871).
In Aachen noch Wackelkandidat beim Vet-Check, in Caen dann auf den Punkt fit: Painted Black, 17 Jahre alter Gribaldi-Sohn, den Anky van Grunsven im Weltcup erfolgreich geritten und dann an die spanische Diamantenhändlertochter Morgan Barnbançon verkauft hat, ging vielleicht die Runde seines Lebens. Der Rappe war locker, ging mit der Nase immer an der Senkrechten oder sogart leicht davor und konnte so auf seine älteren Tage strahlen wie noch nie. In der Piaffe fand er selbst die notwendige Balance, die Serienwechsel waren mit viel Ausdruck gesprungen, Platz neun als beste Reiterin des stark auftretenden spanischen Teams – Platz fünf – 75,143 Prozent. José Martin Dockx und Grandioso wurden mit kleinen Fehlern 13. (74,243).
Nicht so glücklich können die Dänen sein. Ihre ersten beiden Teamreiter hatten gestern die 70-Prozent-Marke geknackt, das war so ungefähr im Erwartungshorizont. Aber mit den beiden championatserfahrenen Damen, die heute ritten, wollte man mehr. Eine Bronzemedaille hätte die Olympiaqualifikation bedeutet. Die ersten drei Team sind automatisch für Rio gesetzt. Das war nichts, muss man festhalten. Der extra wieder reaktivierte Digby von Prinzessin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein, die im vierten Monat schwanger ist, machte einen ordentlichen Job, 72,771 Prozent – Platz 21.
Und Dänemarks Nummer eins, Schuhfabrikantentochter Anna Kasprzak und Donnperignon war zwar im direkten Vergleichs der beiden Donnerhall-Söhne besser, aber die Passagen, normalerweise eine Garantie für hohe Noten, waren bei Donnperignon nicht so gut wie sie schon waren. Der Fuchs wirkte etwas matt, zu viel Training? Coach Andreas Helgstrand hatte zumindest beim Training in der Arena vorgestern seine Schülerin ordentlich arbeiten lassen. Das Paar wurde Elfte, 74,457 Prozent.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.