München: Souveräner Sieg für Isabell Werth und Don Johnson

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Isabell Werth und Don Johnson, Pferd International München 2017 Foto: Maximilian Schreiner (© Maximilian Schreiner)

Mit knapp 78 Prozent hat Isabell Werth den 5*-Grand Prix in München gewonnen. Spannend wurde es auf den Plätzen dahinter, gerade vor dem Hintergrund der Ausfälle von Desperados und Showtime für die Europameisterschaft 2017.

Don Johnson und Isabell Werth starten in die grüne Saison in bester Verfassung. Das haben sie im Grand Prix beim großen Turnier Pferd International in München unter Beweis gestellt. Der Hannoveraner Wallach bestach in der Aufgabe vor allem durch seine Gleichmäßigkeit, auch in Piaffen und Passagen. Da zeigte er sich konstant in der Anlehnung und fußte rhythmisch und gleich hoch. „Daran haben wir in den vergangenen Wochen gearbeitet“, sagte die Weltranglistenerste nach ihrem Ritt. In den Trabverstärkungen hat man den Don Frederico-Sohn schon mit noch mehr Rahmenerweiterung gesehen. Das sei Absicht gewesen, sagte Werth nach dem Ritt. Sie habe bewusst nicht volles Risiko geritten, sondern sich vor allem darauf konzentriert, dass „Johnny“ gleichmäßig ans Gebiss heranziehe.

Helikopterservice in der Prüfung

Während der Galopptour donnerte ein Hubschrauber über das großzügige Gelände in München-Riem, das neben dem Geschehen in der Dressurarena auch noch eine große Open Air Messe, ein CSI3* und auch Working Equitation-Prüfungen sowie ein Schauprogramm bietet. Während der Galopppirouette rechts guckte Werth halb irritiert, halb belustigt in den Himmel, „ich dachte, der landet hier gleich im Viereck“.

Bewertungen zwischen 76,5 Prozent (Isobell Wessels, GBR, Richterin bei E) und glatten 80 Prozent (Christof Umbach, Luxemburg, Richter bei M) summierten sich auf 77,96 Prozent. Das war der klare Sieg mit einem Abstand von mehr als zwei Prozent auf Dorothee Schneider (75,72), die nach dem Ausfall von Showtime für die diesjährige Europameisterschaft die Chance in München nutzte, darauf zu verweisen, dass sie mit Sammy Davis jr. v. San Remo nicht nur eine wunderschöne, sondern auch eine richtig gute Alternative zu dem Mannschaftsolympiasieger im Stall hat. Dem hochbeinigen bayerischen Rappen, dessen Karriere einst in München begonnen unter seiner Entdeckerin Dr. Cornelia Herbert hatte, unterlief zu Beginn ein kleiner Wackler, als er am Ende des ersten starken Trabs kurz in den Galopp fiel, dann aber spielte er seine Stärken aus: Das Paar punktete in den Passagen und Piaffen und zeigte sich in der Schrittarbeit, vor allem im versammelten Tempo, im Vergleich zum Mannheimer Maimarktturnier noch einmal verbessert. Richterin Isobell Wessels sah die beiden in ihrer Rangierung an der Spitze des Feldes. Mal sehen, was „Doro“ und Sammy Davis jr. in Balve bei den Deutschen Meisterschaften in zwei Wochen bewerkstelligen.

Imperio und Heuberger: Wenn der Vater mit dem Sohne

Für die beiden folgenden Pferde in der Platzierung, dürften die Meisterschaften im Sauerland auch wichtig sein in Hinblick auf einen möglichen Championatseinsatz in der schwedischen Hafenstadt Göteborg Ende August: Der Trakehner Hengst Imperio und sein ebenfalls gekörter Sohn Heuberger dürften beide Chancen für eine mögliche Teamnominierung haben.

Maximilian Schreiner

Hubertus Schmidt und Imperio, München Pferd International 2017

Der direkte Vergleich im Grand Prix ging an den Vater, an Imperio v. Connery unter Reitmeister Hubertus Schmidt. Zwar sind die Piaffen immer noch nicht so, wie man sie sich international wünschen würde, dafür ließ Schmidt aber sonst keinen Punkt liegen. Vor allem die engagiert ausgerittenen starken Tempi zählten zu den Highlights, mehrfach mit Neunen bewertet. 20 Punkte trennten am Ende Vater Imperio (74,88) von Sohn Heuberger (74,1) – neben den vier Jahren Altersunterschied. Der von Anabel Balkenhol gerittene Heuberger begann mit ausdruckstarken Trabtraversalen, ging einen guten starken Schritt und hat in Piaffen und Passagen – wo er seinem Vater deutlich überlegen ist – an Souveränität gewonnen, auch wenn eine kleine Störung die Bewertung der zweiten Piaffe etwas drückte. Auch in der Galopptour gab es viele Achten, und zwar überall, in den Serienwechseln genauso wie den Zickzack-Traversalen oder dem starken Galopp. Das zeigt: Bei dem Zehnjährigen ist noch Luft nach oben.

Fünfte wurde Bernadette Brune, deren Oldenburger Spirit of the Age einen frischen Eindruck machte und der auch noch über die 1800-Punkte-Grenze kam, also mehr als 72 Prozent erzielte, genau 72,02. Sechster wurde Jan-Dirk Gießelmann mit dem hünenhaften Hannoveraner Real Dancer v. Rubin Royal und 71,46 Prozent.

Drei-Sterne-Grand Prix für Jenny Lang-Nobbe

Mit dem 17-jährigen Holsteiner Loverboy, der in der Siegerehrung zeigte, dass er unter jeder Kategorie, aber sicher nicht zu der „altes Eisen“ eingeordnet werden möchte, gewann Jenny Lang-Nobbe den Grand Prix der Drei-Sterne-Tour. Mit 72,863 Prozent setze sich die Baden-Württembergerin vor Victoria Max-Theurer aus Österreich, deren Stute Blind Date v. Breitling die längere Turnierpause gut getan hat (72,588). Dritter wurde Hendrik Lochthowe mit Boston (72,51).

Neuseeland top im Parcours

Im Parcours machte der in Bayern lebende Neuseeländer Bruce Goodin den Sack zu in der Qualifikation für den großen Preis am Sonntag. Mit Chagrannus v. Chacco Blue setzte er sich als bester von fünf Nullfehlerritten an die Spitze des Feldes. 1,5 Sekunden trennten ihn von Niklas Krieg und Carella v. Clearway auf Platz zwei. Der wiederum war gerade einmal 0,02 Sekunden schneller als der Tscheche Ondrej Zvara mit Cento Lano. Vierter wurde Walter Gabathuler aus der Schweiz mit Fine Fleur des Marais.

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