Weltcup-Qualifikation Amsterdam: Jessica v. Bredow-Werndl Dritte, Dujardin siegt

Charlotte Dujardin und Valegro

(© Pauline von Hardenberg)

Mit einer guten, aber nicht fehlerfreien Runde wurde Jessica
v. Bredow-Werndl mit Unee Dritte im Grand Prix von Amsterdam, der Qualifikation für die morgige Kür. Der Sieg ging
nach Großbritannien. Die Richter bewiesen einmal mehr unterschiedliche Ideen
von Dressurreiten. Das bekam auch Isabell Werth zu spüren.

Für Valegro und Charlotte Dujardin (GBR) ist jetzt, nach dem Ausscheiden von Damon Hill aus dem Spitzensport, eine Phase eingetreten, die man in der Formel Eins wohl das Vettel-Schumacher-Syndrom nennen würde. Sie reitet einsam und unerreicht in einer anderen Liga. Ein frisch und gut aufgelegter Valegro schnurte sein Programm ab, bekam Zehnen unter anderem für Piaffen und Zweierwechsel und kam auf 86,14 Prozent. Es hätten noch mehr sein können, wäre nicht die letzte Piaffe verunglückt. Da stockte der Wallach als wolle er äppeln und die Weltranglistenerste musste ein bisschen beherzter einwirken, um nach abschließender Passage zum Halten zu kommen.

Einen neuen Liebling haben die Dressurrichter in der Niederländerin Danielle Heijkoop. Die Schülerin von Anky van Grunsven kam mit dem wie eine aufgezogene Spieldose rhythmisch perfekt piaffierendem Gribaldi-Sohn Siro auf 78,32 Prozent. Nur beim Rückwärtsrichten mussten dann Abstriche gemacht werden, hier gab es zweimal die Note fünf. Die Sechste des Weltcupfinals von 2014 setzte sich damit deutlich vor Jessica v. Bredow-Werndl, deren Unee stark anfing mit vielen Achten und wenigen Siebenen. Doch beim ersten Angaloppieren gab es ein Missverständnis. Nicht das einzige, wie sich herausstellen sollte. In den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung reagierte der Gribaldi-Hengst zweimal nicht im Hinterbein auf die Hilfe. So etwas kostet! Die abschließende Piaffe war dann wieder gut. Das Paar, das derzeit in der Westeuropaliga führt (gemeinsam mit Fabienne Lütkemeier/D’Agostino) wurde mit 1872 Punkten, 74,88 Prozent, Dritte und schlug einen weiteren Lokalmatadoren, Diderik van Silfhout und den zehnjährigen Arlando v. Paddox um einen halben Punkt, 1871,5 Zähler, oder 74,86 Prozent. Nach wie vor ist der Braune ein sich tänzerisch leicht bewegendes Pferd, aber die Probleme, die sich schon bei den Weltreiterspielen andeuteten als van Silfhout kurzfristig nachnominiert wurde, sind immer noch da. Das Pferd macht wenig Boden gut, wirkt fest in der Oberlinie in fliegenden Wechseln und tritt beim starken Trab nicht einmal in die Spuren der Vorderhufe.

Hans Peter Minderhoud wurde mit dem Schweizer Wallach Flirt v. Florestan Fünfter (74,32). Ein teurer Fehler in den Zickzack-Traversalen im Galopp, die im Grand Prix mit dem Faktor zwei in die Note einfließen, unterlief Isabell Werth, die für Amsterdam den Rheinländer El Santo v. Ehrentusch gesattelt hatte. Sie wurde mit 73,47 Prozent Sechste. Prozentzahlen und Platzziffern zeigten aber einmal mehr, wie schwierig es sein muss, einen Grand Prix von unterschiedlichen Richterpositionen aus zu beurteilen. Von 71,6 Prozent also kaum mehr als teilgenommen (Isabelle Judet, FRA, Richterin bei E, Platzziffer neun) über Platz zwei (Peter Engel, GER, bei M, 74,9 Prozent) bis zum Chefrichter bei C, Stephen Clarke, GBR, der 77,9 Prozent (= Weltklasse/Platz drei) zückte, wurde die Notenskala voll ausgeschöpft.

Mit einem guten Ritt wurde die Finnin Terhi Stegars auf dem Trakehner Hengst Axis Siebte (73,1) vor Sönke Rothenberger, der unter anderem mit beeindruckenden Zweierwechseln im Sattel des Rheinländers Favourit v. Fidermark punkten konnte. Rothenberger, der den erfahrenen Fuchs, der seiner Schwester Sanneke mehrfach Probleme bereitet hatte, erst vor einem guten halben Jahr erst übernommen hat, hat derzeit 46 Punkte in der Westeuropaliga. Kann er auf den kommenden Turnieren noch punkten, könnte es zum Finale in Las Vegas vom 15. bis 19. April reichen. Er trainiert übrigens seit zwei Wochen bei Anky van Grunsven, wo er auch zwei seiner Pferde stehen hat, da er im Rahmen seines Wirtschaftsstudiums ein Jahr im Ausland absolvieren muss und an der Universität von Nijmegen eingeschrieben ist, wie er dem niederländischen Magazin Hoefslag sagte. Sönkes Mutter ist gebürtige Niederländerin, auch sein Vater Sven ist zwischenszeitlich für Holland geritten.

Fabienne Lütkemeier, die ihren Mannschaftsweltmeister DAgostino zuhause gelassen hatte, er soll erst wieder in Neumünster gehen, kam im Sattel von Diamonds Forever nicht über Platz 19 (65,9) hinaus. Morgen Mittag steht Jumping Amsterdam im Zeichen der Kür. FEI-TV überträgt live.