WM junge Dressurpferde: Viele „lovely horses“ bei den Sechsjährigen, aber nur eine Fiontini

In einer eigenen Liga bei den Sechsjährigen: Fiontini unter Severo Jurado Lopez.

In einer eigenen Liga bei den Sechsjährigen 2016 und nun auf dem Weg zum Hattrick: Fiontini unter Severo Jurado Lopez. (© von Korff)

Sie hat es wieder getan – Dänemarks Fiontini wiederholt ihren Erfolg vom Vorjahr und holt sich nach dem Weltmeistertitel der fünfjährigen Dressurpferde auch den der sechsjährigen.

Bei vielen Pferden im Finale der WM der sechsjährigen Dressurpferde begannen die Richter ihre Kommentierung mit den Worten „What a lovely horse!“ – zu Recht! Aber als der Spanier Severo Jurado Lopez mit der dänischen Stute Fiontini zum letzten Mal auf die Mittellinie abbog, nahmen die Zuschauer im beinahe ausverkauften Stadion in Ermelo den Richtern die lovely horse-Feststellung auf ihre Weise vorweg. Sie begannen schon im Takt der Trabtritte zu klatschen, noch ehe die Stute bei X zum Halten gekommen war. Sie war das letzte Pferd der Prüfung. Und eigentlich war klar, dass die Fassbinder-Blue Hors Romanov-Tochter aus Zucht und Besitz von Hanne Lund und Henrik Hansen heute den Titel holen würde. Man vermisste heute etwas den Fluss in der Bewegung und die Selbstverständlichkeit im Trab, die die Stute sonst ausgezeichnet hatten. Die Richter gaben dem Reiter mit auf den Weg, er müsse aufpassen, dass die Stute nicht zu passageartig trabt. Andererseits tut sie das mit so viel Takt und Elastizität, dass man tatsächlich versucht ist, im Rhythmus mitzuklatschen. Aber eben aufgrund des leicht verzögerten Ablaufes gab es heute „nur“ eine 9,5 im Trab. Fünfjährig war der noch mit einer 10,0 belohnt worden. Insgesamt ging Servero Lopez, der im Stall des dänischen Dressurreiters und Pferdehändlers Andreas Helgstrand als Bereiter arbeitet, heute kein unnötiges Risiko ein. Er wusste wohl: Wenn er keine ganz groben Fehler macht, würde er den Titel in der Tasche haben. Und so war es dann ja auch. Obwohl die Stute es heute in den Seitengängen ein wenig an Geschmeidigkeit vermissen ließ, was die Richter in der Durchlässigkeitsnote ahndeten. Dort floss auch der eine fliegende Wechsel ein, der nicht ganz auf die Hilfe gesprungen war (8,9). Ansonsten gibt es an der alten und neuen Weltmeisterin einfach viel zu loben: den Raumgriff in den Bewegungen, die erkennbare Bergauftendenz und die unglaubliche Elastizität. Im Galopp erhielt sie eine 9,8, im Schritt die 9,7 und für die Perspektive als Dressurpferd gab es schließlich die Idealnote 10,0. Machte in Summe 95,80 Prozent.

Für den Reiter, der hier in Ermelo Pferde für drei Verbände vorstellte, geht es direkt im Anschluss an die WM weiter nach Rio zu den Olympischen Spielen, seinen ersten: „Es ist gut, dass ich hier so viel zu tun hatte“, kommentierte er. „Da hatte ich keine Zeit, zu viel nachzudenken.“ Über eines hat er sich allerdings schon Gedanken gemacht, während er versonnen den edlen Zeitnehmer betrachtete, der von Generalsponsor Longines für die Sieger zur Verfügung gestellt wurde: „Das ist auf jeden Fall keine Uhr, die ich mit nach Brasilien nehmen sollte …“

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