EM Göteborg: Deutsche Fahrer nach Dressur auf Medaillenkurs

FEI European Championships 2017, Fahren, Dressur, Viererzuege

Mareike Harm bei der EM in Göteborg 2017. (© von Korff)

Die Niederländer sind nicht mehr so weit weg für die deutschen Fahrer wie auf vorherigen Championaten. Und, so ähnlich wie einst bei den deutschen Buschreitern, ist es Trainerhilfe aus dem Ausland, die das Team nach vorne gebracht hat. Richtig weit sogar.

Top, die Wette gilt! Equipechef Fritz Otto-Erley, Bundestrainer Karl-Heinz Geiger und Fahrsportausschuss-Vorsitzender Rudolf Temporini hatten eine Wette abgeschlossen bei der es galt, die Dressurergebnisse der deutschen Fahrer vorauszusagen. Wettsieger wurde der Bundestrainer, der sich diebisch freute. Klar, es ging um sechzig Euro. Allerdings stand die Freude über den Wettsieg nicht an erster Stelle, größer war die Begeisterung über die guten Vorstellungen seiner Schützlinge, die alle drei mit einem Ergebnis unter 50 Minuspunkten abschlossen „Das ist ein Ergebnis mit dem wir international bestehen können. Mehr darf man heutzutage nicht mehr haben, will man zur Weltspitze gehören“.

Perfekter Auftakt

Als erste Starterin des Tages musste Mareike Harm ins Viereck, eine eher undankbare Aufgabe. Das Unbehagen darüber war schnell vergessen, die junge Frau aus Schleswig-Holstein lieferte eine fabelhafte Leistung ab. Bundestrainer Karl-Heinz Geiger fasste seinen Eindruck so zusammen: „Für mich war das heute Mareikes beste Dressur des Jahres. Sie ist frisch vorwärts gefahren, hatte die Pferde sicher an den Hilfen, was sich besonders in den klar herausgefahrenen Übergängen zeigte“. Mit 46,13 Minuspunkten bewerteten die Richter die Vorstellung, eine gute Ausgangsposition für die Mannschaft. Harm erfüllte somit die an sie gestellten Erwartungen mit einer guten Dressurnote. „Ich war sehr zufrieden, meine Pferde haben alles gegeben. Die paar minimalen Fehler sind schon verziehen“.

Harm legt gut vor fürs Teamergebnis

Als zweiter deutscher Fahrer ging Georg von Stein an den Start. „Ich war schon angespannter als vor anderen Starts“, gab er zu, wohlwissend, dass er mit zwei vom Weltmeister Boyd Exell ausgeliehenen Pferden ein nicht total vertrautes Gespann an den Leinen hatte. Zudem wurde er von der Konkurrenz argwöhnisch beobachtet. Alle waren gespannt, wie sich die intensive Betreuung durch den Australier auswirkte. Der erfüllte seine Aufgabe als Trainer sehr ernst, nahm noch bis kurz vor der Prüfung die Leinen selbst in die Hand, gab Pferden und Fahrer den letzten Schliff. Die Rechnung ging auf: Mit 48,37 Minuspunkten beendete von Stein die Prüfung, Freude und Erleichterung bei Mannschaft, Betreuern und den mitgereisten Fans. „Ich hatte selten ein so angenehmes Gefühl“, strahlte von Stein. „Es hat unheimlich Spaß gemacht. Ein paar Punkte habe ich sicher noch verschenkt, weil ich am Ende nicht so viel riskiert habe. Wenn man ein Gespann nicht so gut kennt, fährt man im Zweifelsfall lieber etwas risikoärmer, bevor man Taktfehler riskiert. Morgen im Marathon werde ich alles riskieren“.

Top Leistung vom Deutschen Meister

Erster Starter nach der Mittagspause war Christoph Sandmann, nicht nur an Jahren (50), sondern seit 1990 mit zahlreichen Teilnahmen an Championaten zugleich der erfahrenste Teamfahrer. Und aktueller Deutscher Meister. Auch bei ihm nahm Boyd Exell beim Abfahren noch selbst die Leinen in die Hand, bereitete Gespann und Sandmann intensiv auf die Aufgabe vor. Alles richtig gemacht, stellte sich während der Prüfung heraus. „Christoph ist sehr gut gefahren“, äußerte sich Bundestrainer Karl-Heinz Geiger zufrieden. „Der letzte Schritt und das Rückwärtsrichten haben ein paar Punkte gekostet, sonst wäre sein Ergebnis sicher noch besser gewesen als 47,13 Minuspunkte“. Das Sandmannsche Gespann punktet vor allem in den Verstärkungen, der Speditionskaufmann aus dem Emsland versteht es, eine Vorstellung mit deutlichen Höhepunkten zu zelebrieren. Auch heute brachte ihm das die meisten Pluspunkte.

Deutschland holt auf

In Göteborg bot sich nach Abschluss der Dressurprüfung bei den Vierspännern das gewohnte Bild: Vorn stehen die Niederländer Ijsbrand Chardon, Koos de Ronde und Theo Timmermann. Allerdings ist der Abstand nicht mehr so groß: 85,93 Minuspunkte für die Niederlande, dahinter das deutsche Team mit 93,32 Minuspunkten. Das ist immer noch deutlich, jedoch sind die Niederländer wieder in Reichweite. An dritter Stelle das belgische Team, 95,86 Minuspunkte für Edouard Simonet, Dries Degrieck und Glenn Geerts.

Belgier in Lauerstellung

Bei der Medaillenvergabe wird das belgische Team ein Wörtchen mitreden, da sind sich die Fachleute sicher. Dafür sorgt vor allen anderen der Zweitplatzierte aus Aachen, Edouard Simonet. Seine vier Arabo-Friesen können zwar in der Dressur nicht in den Verstärkungen beeindrucken, sind rassebedingt im Raumgriff etwas begrenzt, werden jedoch von dem 27-jährigen Belgier mit einer Akkuratesse und Präzision vorgestellt, die vieles wettmachen. Blitzsaubere Hufschlagfiguren, bombensicher im Takt gefahren, alle vier Pferde (die sich ohnehin zum Verwechseln ähnlich sehen) bei sicherer Anlehnung in gleicher Aufrichtung vorbildlich ans Gebiss tretend, werden eben auch mit guten Noten belohnt. Da Simonet auch ein guter Geländefahrer und darüber hinaus sehr erfolgreich im Kegelparcours unterwegs ist, gehört er ganz sicher in den engeren Favoritenkreis für eine Medaille.

Mit der besten Dressurnote schloss der Niederländer Theo Timmermann ab, (41,92 Minuspunkte), ihm folgt mit Ijsbrand Chardon ebenfalls ein Niederländer, 44,01 Minuspunkte. An dritter Stelle rangiert Edourd Simonet, 45,42 Minuspunkte. Beste Deutsche ist Mareike Harm auf Platz vier mit 46,13 Minuspunkten, ihr folgt Christoph Sandmann, 47,19 Minuspunkte auf Platz fünf, an siebter Stelle platziert sich Georg von Stein mit 48,37 Minuspunkten.

Christine Meyer zu Hartum