Fahren: Erster US-Sieg in Kombinierter Prüfung

Der Australier Boyd Exell gewann den Marathon.

(© Julia Rau)

Die Hoffnung der deutschen Fahrer durch den Marathon am Samstag den Abstand zu den Niederländern zu verkürzen, ging leider nicht in Erfüllung. Das Oranje-Team liegt vor dem abschließenden Kegelfahren am Sonntag mit 280,12 Punkten in Führung, das deutsche Team mit 307,24 Punkten lediglich auf dem dritten Platz. Dazwischen geschoben haben sich überraschend die Ungarn (297,73), die mit tollen Leistungen im Gelände ihr eher mäßiges Ergebnis aus der Dressur erheblich verbessern konnten.

Als erste Starterin ging Mareike Harm für Deutschland in die niveauvolle Hindernisstrecke, die in Teilen technisch anspruchsvoll war, in anderen Bereichen aber den Pferden auch Kraft und Zugstärke abverlangten. Der 18. Platz in der Endabrechnung war sicher kein Traumergebnis, dennoch war die 29-jährige Holsteinerin im Ziel ganz zufrieden: „Ein Ball und eine überflüssige Volte ärgern mich etwas, aber meine Pferde waren gut.“

Anders verhielt es sich bei Georg von Stein, der mit großen Erwartungen in den Marathon gestartet war. Nach fulminantem Beginn gab es an zwei Hindernissen ärgerliche, zeitraubende Fehler, die ein besseres Ergebnis verhinderten. „Donald Duck war einfach zu ehrgeizig, ich hätte ihn vielleicht doch noch mehr trainieren müssen“, versuchte der Deutsche Meister von 2011 die Fehler zu erklären.

Recht rund lief der Marathon für den dritten deutschen Mannschaftsfahrer Christoph Sandmann. Dennoch konnte und wollte er mit dem abschließenden neunten Platz nicht zufrieden sein, hat er doch in Aachen schon wesentlich bessere Ergebnisse erzielt.

Besser erging es dem deutschen Einzelfahrer Michael Brauchle. Der Bundeswehrsoldat aus Laubheim hat schon dreimal den Marathon in Aachen gewonnen, in diesem Jahr musste er sich um 1,24 Punkte dem amtierenden Weltmeister Boyd Exell aus Australien geschlagen geben. Durch den dritten Platz durch József Dobrowitz (96,87) und dem vierten Rang von Zoltán Lázár (97,53) platzierten sich die Ungarn vor den Deutschen. Das deutsche Team und seine Fans waren enttäuscht. Beim abschließenden Kegelfahren am Sonntag kann sich zwar noch einiges verändern, in diesem Fall aus deutscher Sicht auch noch verbessern wenn es denn gut läuft, erst aber bleibt mal die große Ernüchterung.

Jubel und riesengroße Freude indes bei Chester Weber. Zum ersten Mal in der 65-jährigen Geschichte gewinnt ein US-Amerikaner den Preis der Familie Talbot, die Kombinierte Prüfung für Vierspänner (134,48). Schon oft hat der Vize-Weltmeister diesen Sieg anvisiert, nun endlich hat er es geschafft. Den Grundstein legte er mit einem Sieg in der Dressur, es folgte ein sechster Platz im Kegelfahren und ein klug eingeteilter Marathon. Den beendete er zwar nur auf dem fünften Platz, sein Ergebnis (97,60) war jedoch gut genug um sich den Gesamtsieg zu sichern. Geschlagen geben musste sich der Weltmeister Boyd Exell aus Australien, der nach seinem enttäuschenden zwölften Platz im Kegelfahren selbst mit dem Sieg im Marathon nicht mehr genügend Punkte (135,63) sammeln konnte. An dritter Stelle im Preis der Familie Talbot der Niederländer Koos de Ronde, allerdings weit weg von den beiden Erstplatzierten (149,54). Als bester Deutscher platzierte sich Christoph Sandmann auf einem respektablen fünften Platz (150,73). Das ist ordentlich, aber der Plan, hier in Aachen in der Spitze ordentlich mitzumischen ist leider weder für das Team noch bei den Einzelleistungen aufgegangen. Sandmann bringt gewohnt verlässlich seine Leistung in allen drei Teilprüfungen, bei allen anderen gibt es noch zu viele Unzulänglichkeiten und Trainingsrückstände. Ganz gedämpfter Optimismus kennzeichnet die Stimmung im Fahrerlager am Abend nach dem Marathon.

Die gute Nachricht: Alle Pferde haben die Hitzeschlacht in der Soers gut überstanden. Dazu trug auch die Entscheidung der Richter, die zwischen den Hindernissen geforderte Geschwindigkeit um ein Kilometer pro Stunde herabzusetzen, bei. Eine kluge Entscheidung, gab sie doch den Fahrern die Möglichkeit, zwischen den einzelnen Hindernissen Schrittphasen einzulegen. Die Gesamtlänge des Marathons war unverändert, ebenso die Anzahl der Hindernisse. Insgesamt acht Hindernisse galt es zu durchfahren. Neu ist die Regel, dass zwischen den Hindernissen nicht mehr wie früher 300 Meter, sondern jetzt 700 Meter liegen müssen. Das ergab eine komplett neue Streckenführung, erfahrene Aachen-Besucher mussten sich erst mal neu orientieren.

Durch Fahrfehler stürzten die Kutschen von Tomas Eriksson (Schweden) und József Dobrowitz jun. Beide mussten die Fahrt unfreiwillig beenden, ernsthaft verletzt wurde niemand. Auch das Stangenpferd von Isbrand Chardon, das sich spektakulär mit einem Hinterbein in einer Durchfahrt an einem Hindernisteil aufgehängt hatte, konnte seinen Weg ohne auffällige Verletzung und lahmfrei fortsetzen.

Christine Meyer zu Hartum