Vier tote Pferde bei Distanzrennen in Dubai: Untersuchung der FEI gefordert

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(© www.toffi-images.de)

Der Verband der Distanzreiter in Großbritannien „Endurance GB“, hat nach den Vorfällen Ende Dezember 2019 bei zwei Distanzrennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine möglichst vollständige Untersuchung und Aufklärung seitens des Weltreiterverbands (FEI) gefordert.

Trotz der nationalen Ausschreibung (CEN) der beiden Distanzritte Gamilati Cup und Al Maktoum Cup liefen drei der vier verunglückten Pferde unter anderen Flaggen. Die Reiter der Pferde stammen aus Indien, Argentinien und den Niederlanden. Insgesamt seien mehr als 20 verschiedene Nationen bei denDistanzritten in dem Wüstenstaat am Start gewesen. Turnierveranstalter ist der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum, vor dem seine Ehefrau und Ex-FEI-Präsidentin Haya von Jordanien im vergangenen Jahr mutmaßlich ins Exil nach London geflohen war. Auf Turnieren des Scheichs hatte es bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche unschöne Vorfälle gegeben.

Britischer Distanzreiter-Verband bezieht Stellung

In einer Pressemitteilung erklärt Endurance GB, dass die Klassifizierung der Wettbewerbe und die tatsächliche Durchführung nicht mit dem Artikel 101 der FEI übereinstimmen. Dieser Artikel beschreibt die Regeln für CNs, also nationale Wettbewerbe wie folgt: Sind mehr als 15 Reiter aus anderen Nationen in einem als national klassifizierten Reitsportwettbewerb am Start, so sei der Wettbewerb unzulässig.

Verstöße gegen den Artikel könne die FEI mit Sanktionen belegen.

Direktorin des Wohlergehens für Pferde bei Endurance GB, Antonia Milner-Matthews, erklärt: „Wir haben ernste Bedenken, dass diese Ritte nicht über das Mindestmaß an Überprüfung, Sicherheitsstandards zum Wohlergehen oder Strafen verfügen, wie man sie bei Wettbewerben auf internationalem Level (CEIs) der FEI vorfindet. Wir fordern die FEI auf, das zu überprüfen.“

Endurance GB fordert Rückhalt nationaler Verbände für die FEI

Zwar seien die Regeländerungen der FEI dazu in der Lage, internationale Wettbewerbe zukünftig zugunsten des Wohlergehens der Pferde zu gestalten, allerdings müsse die FEI nach Meinung von Milner-Matthews auf allen Ebenen von den nationalen Verbänden und Sportverbänden unterstützt werden, um sowohl die Regeln als auch die Sanktionen, die sie bei Nichteinhaltung verhängt, durchzusetzen und kontinuierlich zu überprüfen: „Distanzritte international sauber und korrekt durchzuführen, muss für unseren Sport weltweit Priorität haben im Jahr 2020 – koste es was es wolle“, so Milner-Matthews.

„Es ist immer möglich, etwas zu verbessern“

In Großbritannien stelle der Distanzreiter-Verband jederzeit sicher, dass das Wohlergehen der Pferde bei Distanzrennen gewährleistet ist. Aus diesem Grund werden die dazu notwendigen Richtlinien und Verfahren ständig überprüft und gegebenenfalls angepasst, denn „es ist immer möglich, etwas zu verbessern“, erklärt Milner-Matthews.

So sei die Prozedur für britische Distanzreiter angepasst worden, die an Distanzritten teilnehmen wollen. Von ihrem eigenen, nationalen Verband oder von dem nationalen Verband des betreffenden Organisationskomitees müssen Reiter eine schriftliche Genehmigung (NOC: „No Objection Certificate“), um bei nationalen Wettbewerben (CNs) an den Start gehen zu dürfen. Das sehe der Artikel 119.6 des Allgemeinen Reglements der FEI vor.

Der Zweck dieser Bescheinigungen sei es, dem Reiter zu ermöglichen, nachzuweisen, dass er für das erforderliche Niveau gemäß den nationalen Regeln des jeweiligen Verbandes qualifiziert ist und dass es keine aktuellen oder ausstehenden Disziplinarmaßnahmen gibt, die den Reiter von einer Teilnahme ausschließen könnten.

Esther Young, Betriebsdirektorin und stellvertretende Vorsitzende des Verbands, spricht in diesem Zusammenhang eine deutliche Empfehlung an britische Distanzreiter aus: „Reiter sollten nicht in den Gegenden der Welt an Wettbewerben teilnehmen, in denen ernste und gut begründete Bedenken vorliegen, dass das Wohlergehen der Pferde bei dort stattfindenden Distanzritten nicht gewährleistet ist.“

Eigenverantwortlich handeln

Die Ausstellung eines NOC, also einer solchen Unbedenklichkeitsbescheinigung, sei laut Young dennoch kein Freifahrtschein für die bedenkenlose Teilnahme britischer Distanzreiter an einem Distanzritt im Ausland: „Reiter treffen die Entscheidung, im Ausland zu reiten, auf eigenes Risiko und dürfen weder den Sport des Distanzreitens noch die Endurance GB in Verruf bringen. Britische Reiter, die im Ausland reiten, müssen daran denken, dass sie weiterhin den Regeln und Empfehlungen von Endurance GB unterliegen und dass die Disziplinarpolitik von Endurance GB für sie gilt, egal wo auf der Welt sie reiten. Von unseren Mitgliedern wird erwartet, dass sie die höchsten Standards des Wohlergehens der Pferde und des Sportsgeistes aufrechterhalten, und Mitglieder, die im Ausland reiten, können und werden an unseren Disziplinarausschuss verwiesen, wenn sie gegen unsere Regeln verstoßen.“

Reiter, die bei der FEI registriert sind, sind darüber hinaus seit dem 1. Januar 2020 im Hinblick auf die neuen Reglements der FEI dazu aufgefordert, dem Weltreiterverband jeden Vorfall von Missbrauch von Pferden zu melden – unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Wettbewerb der FEI handele. „Endurance GB unterstützt diese Anforderung voll und ganz und wird jedem Reiter, der einen Missbrauch melden möchte, helfen und ihn beraten.“

FN hält an ihrem Beschluss fest

Zum Ausgang des vergangenen Jahres hatte auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) nochmal getagt, um über den Beschluss von Ende 2018 neu zu beraten. Dieser sah ein Verbot für deutsche Distanzreiter vor, an Distanzritten in den Vereinigten Arabischen Emiraten teilzunehmen.

Der Vorstand des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) wird bis auf Weiteres an dem Beschluss festhalten, obwohl die FEI ihr Reglement für den internationalen Distanzsport angepasst hat: „Das neue Regelwerk enthält wichtige Maßnahmen zum Schutz der Pferde. Wir wollen aber erst einmal abwarten, ob sich das Regelwerk auch bewährt. Im Sommer werden wir dann neu entscheiden, ob wir das Startverbot weiter aufrechterhalten“, sagte DOKR-Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler.

Quellen: Endurance GB, FN

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