WM Herning: Frankreich auch im Voltigier-Nationenpreis ungeschlagen

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Das französische Voltigier-Team hatte im Nationenpreis allen Grund zum Strahlen. (© FEI/Juilliart)

Die Voltigierer aus Frankreich waren bei der WM in Herning bis zum Schluss das Maß der Dinge. Die Deutschen hatten sich im abschließenden Nationenpreis berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille gemacht, wurden aber enttäuscht.

Nach dem Gewinn von zwei Gold- und zwei Silbermedaillen sowie einer Bronzemedaille waren die deutschen Voltigierer voller Zuversicht in den Wettkampf um den Nationenpreis gegangen. Am Ende landete das deutsche Team auf dem vierten Platz (Wertnote 8,28). Andere Nationen wären vielleicht hoch erfreut gewesen, für  die deutschen Voltigierer bedeutete er eine herbe Niederlage.
Stattdessen jubelten die Franzosen (9,146) über die Goldmedaille, sie hatten schon vorher mit ihren außergewöhnlichen Leistungen bei der WM gepunktet. Den Löwenanteil zum Gesamtsieg trug Weltmeister Lambert Leclezio bei, der mit seiner Traumkür die Richter zu Noten in bisher nie dagewesener Höhe veranlasste, und bei seinem letzten Championat noch einmal ganz neue  Dimensionen im Einzelvoltigieren eröffnete. Ebenso gelang es Manon Moutinho ihre weltmeisterliche Kür zu wiederholen, „auf und mit dem Pferd zu tanzen“, wie sie es beschrieb. Danach konnte die Gruppe recht unbekümmert einlaufen, außer Leclezio und Moutinho auch Vizeweltmeister Quentin Jabet im Team. Die Vorstellung bestach wiederum mit ihrem hohen Schwierigkeitsgrad, ihrer Artistik und ausgefeilten Technik.

Dänen überraschen

Gänsehaut bei den Zuschauern verursachte allerdings eine andere Mannschaft: Überraschend turnten die dänischen Athleten zur Silbermedaille (8,669). Gut, dass die Konstrukteure der Jyske Bank Boxen-Halle die Veranstaltung von Popkonzerten eingeplant hatten, deshalb hielt das Hallendach auch dem ohrenbetäubenden Jubel der Gastgeber stand. Die meisten Punkte für die Mannschaft sammelte Sheena Bendixen, die schon Silber in der Damenkonkurrenz gewonnen hatte. Ihre Note beim Kampf um den Preis der Nationen übertraf sogar die der französischen Weltmeisterin, das sorgte schon für Jubelstürme. Von der Euphorie wurde auch das Team getragen, das seine Leistung aus der ersten Kür deutlich steigerte. Als zweite Einzelathletin trug Iben Diunes Pedersen zum dänischen Erfolg bei.

Grenzenlose Freude auch bei dem Team aus Österreich (8,383). Besonders weil Don Rudi, ihr Pferd beim Gruppenvoltigieren, in der vorangegangenen Kür so gar kein Interesse an einer reibungslosen Zusammenarbeit hatte, seine Athleten mit ein paar kernigen Bocksprüngen zu Boden beförderte und durch Longenführerin Martina Seyerling zu weiterer Zusammenarbeit überredet werden musste. Das war heute ganz anders. Don Rudi zog brav seine Runden und ließ die Akteure auf seinem Rücken glänzen. Für das österreichische Team voltigierten Dominik Eder und Isabel Fiala als Einzelvoltigiererinnen.

Calidor, der braune Wallach des Teams NORKA Köln-Dünnwald, wurde als das vielleicht beste Voltigierpferd der Weltmeisterschaft gehandelt. Den guten Ruf hat er bei seinem Auftritt im Nationenpreis ruiniert, hat er doch dem Team eine Wiederholung ihrer Traumkür von Montag gründlich vermasselt. Wie beim letzten Mal war der Holsteiner auch dieses Mal zunächst nur etwas nervös, das ist bei ihm nicht ungewöhnlich und normalerweise von Longenführer Patrick Looser gut zu händeln. Heute war dem nicht so. Von Anfang an nicht spannungsfrei äußerte Calidor, Spitzname Calli, seinen Unmut durch Kopfschütteln, ließ aber die Übungen der Athleten auf seinem Rücken zunächst zu. Etwa auf der Hälfte der Kür reichte ihm das Kopfschütteln zum Spannungsabbau offensichtlich nicht mehr, kurzerhand schüttelte er die beiden Athleten auf seinem Rücken ab wie lästige Insekten. Blankes Entsetzen im deutschen Fan- und Aktivenlager. Allen war klar, dass hier nicht nur die Sportler, sondern auch die Medaille in den Sand gefallen war. Zwar voltigierte die Gruppe die Kür danach noch tapfer zu Ende, versuchte zu retten was nicht mehr zu retten war, die Enttäuschung aber war fühlbar. Vielleicht trug das Malheur der Gruppe Julian Wilfing etwas über seinen missglückten Auftritt als erster Athlet für die deutsche Mannschaft hinweg. Der Viertplatzierte bei den Herren hatte sich berechtigte Hoffnungen gemacht, seine Leistung aus der Kür noch einmal abzurufen und damit einen Beitrag zum Sieg im Nationenpreis zu leisten. Das klappte heute gar nicht, Wilfing unterliefen gleich mehrere Fehler. „Aragorn hat es mir heute nicht leicht gemacht“, versuchte der Sportsoldat eine Erklärung. Einzig Bronzemedaillengewinner Jannik Heiland konnte seine Leistung nicht nur abrufen, sondern sogar mit der zweithöchsten Note in der gesamten Prüfung sogar noch verbessern.

Erklärungsversuche

Eine tapfer lächelnde Bundestrainerin Ulla Ramge fand spontan nur diese Erklärung für den ungeliebten vierten Platz: „Voltigieren ist Pferdesport. Oft können wir eben nicht ergründen, was gerade in unsere Partner gefahren ist, wenn sie doch in unseren Augen gar keinen Grund haben Quatsch zu machen. Aber das macht es ja schlussendlich auch so spannend.“ Allen Beteiligten stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Eine kleine Feier gibt es trotzdem, immerhin ist die Medaillenausbeute auch ohne den Sieg im Nationenpreis ganz gut. Und dann soll auch die scheidende Bundestrainerin im Mittelpunkt stehen, die in Herning ein letztes Mal das deutsche Team betreut hat.

Rätselhaft bleibt es dennoch, warum gerade in der Jyske Bank Boxen-Halle so viele bewährte und in der Regel zuverlässige Voltigierpferde nervös und aufgeregt waren. Sind sie doch unter anderem auch deshalb in dieser Disziplin unterwegs, weil sie neben einigen körperlichen Voraussetzungen und Qualitäten eine gute Portion an Gelassenheit und Toleranz mitbringen müssen. Und Championatspferde sind ja keine Anfänger, sondern haben sich in der Regel hochgedient, wie in anderen Disziplinen auch. Eine plausible Antwort auf die Frage nach den Irritationen, die manche Pferde verspürten, ließ sich jedenfalls in Herning nicht finden.

 

Alle Ergebnisse der WM finden Sie hier.

  1. Annie

    „Gut, dass die Konstrukteure der Jyske Bank Boxen-Halle die Veranstaltung von Popkonzerten eingeplant hatten.“
    Es ist ein Schuss ins Blaue, aber koennte es sein, dass es in der Halle ueberdurchschnittliche elektrische Felder gab, die die Pferde irritieren? Klar kann jedes Pferd mal einen schlechten Tag haben, wer kennt das nicht? Auch das beste Volti-Pferd kann sich mal erschrecken, aber Voltis runter bocken, abschuetteln, kopfschlagen bei verschiedenen Pferden ist doch schon sehr ungewoehnlich, besonders auf diesem Niveau…


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