WM Zweispänner: Deutsche Fahrer punkten in der Dressur, US-Equipechef nach Prügelei im Krankenhaus

Motiv Zweispänner – Ausschnitt

(© www.toffi-images.de)

Bei der Weltmeisterschaft der Zweispänner-Fahrer im brandenburgischen Drebkau gelang den deutschen Fahrern ein guter Auftakt. Die US-Fahrer müssen den Rest des Turniers nun ohne ihren Equipechef hinter sich bringen.

In der ersten von drei Disziplinen, die die Gespanne absolvieren müssen, platzierte sich Lars Schwitte aus Stadtlohn mit 42,85 Punkten auf dem dritten Platz. Sandro Koalick, der nicht nur als Aktiver am Start war, sondern gleichzeitig auch als Mitveranstalter der Heim-WM fungierte, liegt nach der Dressur auf dem vierten Rang (43,25 P.). Beide starteten für das deutsche Team, für das als dritter Mannschaftsfahrer Arndt Lörcher nominiert war. Der selbstständige Speditionskaufmann lieferte mit 58,30 Punkten das schwächste Ergebnis. Gewertet werden aber nur die zwei besten Ergebnisse, sodass für die Mannschaft 86,10 Punkte im Protokoll standen, Platz zwei hinter den Ungarn.

Es war keine Überraschung, dass Martin Hölle aus Ungarn die Tagesbestnote mit 32,39 Punkten erreichte und damit das übrige Feld weit hinter sich ließ. Die Vorstellung des Titelverteidigers war eine Klasse für sich. Seine KWPN-Pferde Dior und Eppie zeigten herausragende Höhepunkte in Versammlung und Verstärkungen und als es verlangt wurde auch raumgreifenden, taktmäßigen Schritt im erwünschten Fleiß bei großer Losgelassenheit. Die Leistung des erst 22-Jährigen trug denn auch maßgeblich dazu bei, das ungarische Team an die Spitze zu setzen (80,90 P.). Auch Jòzsef Dobrowitz jun. lieferte auf dem zehnten Platz (48,51 P.) eine gute Leistung.

Überraschungsmoment und zufriedener Trainer

Überraschend auch für Insider die Platzierung und Punktzahl des Zweitplatzierten Tor van den Berge, er wurde Zweiter (37,46 P.). Von Hause aus ist der Australier Grand-Prix-Reiter, arbeitet im Stall von Vierspänner-Weltmeisters Boyd Exell und schult dort die Fahrpferde im Dressursattel. Mit einem Gespann aus dem Stall Exell gelang ihm eine schwungvolle, überaus korrekt gefahrene Vorstellung, die von den zahlreichen Zuschauern mit dem verdienten Applaus honoriert wurde.

Bundestrainer Karl-Heinz Geiger war sehr zufrieden mit der Dressurleistung seiner Fahrer. Am besten schnitt Lars Schwitte ab, dessen Pferde mit viel Schwung beeindruckten, zur Erleichterung seines Fahrers dennoch zum Schreiten kamen.

„Besonders bei der zweiten Schrittphase war ich mächtig angespannt“, gibt er hinterher zu. „Die Pferde sind doch guckig, wenn sie auf die wehenden Fahnen zuschreiten müssen“. Alles gut gegangen, große Freude auch bei den mitgereisten Fans.

Der amtierende Deutsche Meister Sandro Koalick gewann bei der WM vor zwei Jahren in Slowenien die Silbermedaille. An diese Leistung möchte er auf der heimatlichen Anlage in Drebkau anknüpfen.

Auf dem Dressurviereck gelangen ihm mit Fasco und Hertog Jan viele Höhepunkte. Bei der Schrittstrecke auf die große Videoleinwand zu waren die zwei Schwarzbraunen leicht irritiert, verloren den Takt. Trotz der Abzüge, die es hierfür gab, waren Fahrer und Bundestrainer sehr zufrieden, wobei Koalick zugab: „Auf dem eigenen Platz ist der Druck doch noch ein anderer als auf anderen Turnierplätzen. Und ganz kann ich die Mehrbelastung auch nicht ausblenden.“

„Eine tolle Leistung“ bestätigte Karl-Heinz Geiger der besten Einzelfahrerin Anna Sandmann, die mit 44,78 Punkten auf Rang fünf liegt. „Anna hat wieder mit ganz korrekten Hufschlagfiguren gepunktet. Ihre Pferde waren gut in den Verstärkungen, haben sich in den letzten Wochen in der Anlehnung und im Schritt noch einmal verbessert“ lobt er.

Bo Liberator und Fredie U fährt Anna Sandmann nicht nur erfolgreich im Zweispänner, sie gingen auch als Vorderpferde in ihrem Vierspänner, als sie vor vier Wochen bei der Europameisterschaft in Donaueschingen mit dem Team die Goldmedaille gewann.

Der achte Platz von Sebastian Warneck machte das Quartett deutscher Fahrer unter den Top-acht voll, sehr zur Freude nicht nur des Bundestrainers.

Prügelei im US-Team

James Miller ist Mitglied des US-amerikanischen Teams, das aktuell auf Platz drei liegt. Am Mittwochabend war es im Festzelt zwischen Miller und dem Equipechef, Vierspänner-Mannschaftsweltmeister Chester Weber, zu einer Auseinandersetzung um die Startfolge innerhalb des Teams gekommen. Miller beanspruchte den Platz als letzter Starter, Weber hatte ihn in die Mitte gesetzt. Der zunächst verbale Streit artete aus in Tätlichkeiten. Es hieß, beide Männer seien angetrunken gewesen.

Schon im Festzelt war Weber der Unterlegene, der Streit schien aber beigelegt. Warum er dann im Fahrerlager wieder aufflammte, wusste niemand so genau, er endete damit, dass Equipechef Weber ins Krankenhaus gefahren werden musste. Die Polizei hatte sich inzwischen der Sache angenommen.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, wo glücklicherweise nur eine blutende Wunde an der Lippe behandelt werden musste, kehrte Chester Weber nicht zurück auf das Turnier, sondern reiste nach Rücksprache mit seinem Vorsitzenden der FN in den USA ab.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.