Deutscher Tierschutzbund erstattet Anzeige gegen Fünfkämpferin Annika Schleu und ihre Trainerin

Modern Pentathlon – Olympics: Day 14

Fünfkämpferin Annika Schleu mit Leihpferd Saint Boy bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021. (© Dan Mullan/Getty Images)

Wie mehrere Medien unter Berufung auf eine Agenturmeldung berichten, hat der Deutsche Tierschutzbund Anzeige gegen Fünfkämpferin Annika Schleu wegen Tierquälerei und gegen ihre Trainerin Kim Raisner wegen Beihilfe zur Tierquälerei gestellt.

Annika Schleu hatte bei den Olympischen Spielen in Tokio am Modernen Fünfkampf teilgenommen, zu dem auch Parcoursspringen auf einem zugelosten Pferd gehört. Schleus Pferd Saint Boy verweigerte, was die Reiterin mit der Gerte quittierte, von ihrer Trainerin Kim Raisner mit den Worten „Hau drauf!“ angefeuert. Raisner nahm auch die eigene Faust, als Saint Boy in Reichweite war.

Die Trainerin war danach vom internationalen Fünfkampfverband vom weiteren Wettbewerb ausgeschlossen worden. Die deutschen Männer mussten am nächsten Tag ohne sie ran. Nun könnte die Angelegenheit auch noch juristische Folgen für Fünfkämpferin Schleu und Trainerin Raisner nach sich ziehen.

Auf der Website des Deutschen Tierschutzbundes heißt es: „Natürlich steht eine auf Olympiagold fixierte Sportlerin in dem Moment unter enormem Stress. Aber das ist keine Entschuldigung für Tierquälerei. Und es belegt, dass Tiere dem auf keinen Fall ausgeliefert sein sollten – wie ein Sportgerät, das zu funktionieren hat. In einem leistungsorientierten Wettkampf zwischen Menschen haben Tiere nichts zu suchen!“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Unsere Anzeige dient auch der grundsätzlichen Klärung dieses Problems. Warnungen in den Jahren zuvor gab es immer.“

Schröder bezieht sich hier auf den Modernen Fünfkampf. Rahmen und Regelwerk dieses Sports beförderten „automatisch solche Situationen, in denen empathisches Achtgeben auf die Bedürfnisse des Pferdes der Erreichung des Medaillenziels entgegenstehen“.

Die Anzeige ist mit der Forderung verbunden, Reiten als Disziplin zu streichen und das Reglement zu ändern. So lange dürfe der Deutsche Olympische Sportbund den Fünfkampf nicht mehr berücksichtigen. Und da Klaus Schormann, der deutsche Vorsitzende des Weltverbandes (UIPM), ausschließlich der Reiterin die Schuld an der Situation gegeben hat, solle der zurücktreten.

Dazu, Annika Schleu anzuzeigen habe auch die mangelnde Einsicht beigetragen, die sie in anschließenden Interviews erkennen lassen habe. Im Gespräch mit der Zeit hatte Schleu unter anderem gesagt: „Ich habe das Pferd nicht extrem hart behandelt. Ich hatte eine Gerte dabei, die vorher kontrolliert wurde. Genauso wie die Sporen. Ich bin mir wirklich keiner Tierquälerei bewusst.“

Sie räumte aber ein, dass sie eventuell früher hätte sagen können, „okay, es hat einfach keinen Wert“.

Inzwischen gibt es eine Petition, die die Abschaffung der Disziplin Reiten im Fünfkampf fordert.