Infektiöse Anämie: Mehraufwand durch neue Verordnung für Turniere und Zuchtschauen

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Stell Dir vor es ist Turnier, oder Fohlenschau, oder Lehrgang und es gibt(noch) mehr Bürokratie. Genau so wird es zukünftig sein. Denn es gibt eine neue „Einhufer-Blutarmut-Verordnung“. Die Bundesländer haben beschlossen, dass bei jeder überregionalen Veranstaltung mit Pferden oder Ponys aus verschiedenen Beständen ein Register mit Pferdedaten geführt werden muss. Dagegen hat sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ausgesprochen.

Die Equine Infektiöse Anämie (EIA), also die ansteckende Blutarmut der Einhufer, ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Immer wieder bricht sie aus, auch in Deutschland. Zuletzt waren es vor allem Poloponys, die betroffen waren. Es kam zwischen Januar 2017 und April 2018 zu vielen Stallsperrungen. 15 Pferde trugen das Virus in sich. Sie wurden eingeschläfert. So sieht es die Seuchenbekämpfung im Fall von Infektiöser Anämie vor.

Nun wurde von staatlicher Seite die „Einhufer-Blutarmut-Verordnung“ verändert. Darin heißt es nun: „Wer eine überregionale Veranstaltung durchführt, bei der Einhufer verschiedener Bestände zusammenkommen, hat ein Register der zu der Veranstaltung verbrachten Einhufer zu führen.“ Ziel der Neuerung: Nachforschungen von Seiten der Veterinärbehörden sollen einfacher werden. In dem nun geforderten Register muss erfasst werden …

  • Name des Pferdes/Ponys
  • Transpondercode (bei Pferden, die vor 2009 geboren sind und deshalb noch keinen Transponder haben, die Lebensnummer; siehe Equidenpass)
  • Name und Anschrift des Halters
  • Standort der Haltung oder des Betriebes

All diese Informationen müssen Organisatoren von z.B. Turnieren, Zuchtveranstaltungen oder breitensportlichen Veranstaltungen manuell oder digital erfassen. Verlangen es die Behörden, muss das Register vorgewiesen werden können. Außerdem muss es drei Kalenderjahre aufbewahrt werden.

„Wir sind ganz und gar nicht glücklich über die Änderung der Verordnung, denn sie bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die Veranstalter im Pferdebereich. Viele davon sind zum Beispiel bei der Organisation von Turnieren oder Lehrgängen auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die jetzt schon immer schwerer zu motivieren sind. Mit zunehmenden behördlichen Auflagen ist davon auszugehen, dass noch weniger Menschen bereit sind, sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich zu engagieren“, so Generalsekretär Soenke Lauterbach in einer Pressemitteilung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Demnach habe die FN sowie die ihr angeschlossenen Landes- und Zuchtverbände sich bereits frühzeitig beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und bei den zuständigen Behörden der Länder gegen die Änderung der Verordnung stark gemacht. Schließlich gibt es bereits technische Lösungen und Datenbanken. Ein Beispiel: das zentrale „Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere“ (HI-Tier). Auf die hier gespeicherten Daten können auch Veterinärbehörden zugreifen. Auskunft wer wann auf welchem Turnier geritten ist, liefert auch das digitale Turniernennungssystem der FN, NeOn.

Neben dem Sport sind auch Zuchtveranstaltungen betroffen. Hier sind es die Kataloge bzw. die Ergebnislisten der Stuten- oder Fohlenschauen von den veranstaltenden Zuchtverbänden, die Auskunft über die PFerde oder Ponys vor Ort geben. Sollte eine Infektiöse Anämie auftreten, wäre auch hier die Rückverfolgung zu bewerkstelligen.

Offensichtlich war die FN nicht darüber im Bilde, dass der nun diskutierte Passus veröffentlicht wurde. In der Pressemitteilung der Fn steht dazu: „Zunächst wurde die geplante Änderung aus dem Entwurf der Verordnung wieder herausgenommen, letztlich aber – ohne dass die FN darüber informiert wurde – kurzfristig wieder aufgenommen und beschlossen. „Wir appellieren deshalb an alle Veranstalter, das entsprechende Register zu führen, um keinen Ärger mit den Behörden zu bekommen. Wir arbeiten aber mit unseren Landes- und Zuchtverbänden weiter daran, eine technische Lösung zu finden, um die Arbeit auf den Veranstaltungen zu erleichtern“, kündigte Soenke Lauterbach an.“

Hier finden Sie das geplante neue Pferde-Register als Download.