Ulf Helgstrand will den Vorsitz im FEI-Dressurkomitee übernehmen

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(© FEI)

Die FEI Generalversammlung in Antwerpen naht und die Amtsperiode von Frank Kemperman als Vorsitzender des Dressurkomitees neigt sich dem Ende zu. Einer, der gerne sein Nachfolger werden würde, ist Ulf Helgstrand, der Vater des Pferdehändlers Andreas Helgstrand.

Vom 14. bis 19. November findet die diesjährige FEI Generalversammlung in Antwerpen statt. Daran nehmen alle Mitgliedsverbände des Weltverbandes (fast 150) teil, entweder vor Ort oder virtuell zugeschaltet. Und sie alle stimmen mit ab, wenn es in diesen Tagen unter anderem um die Wahl des neuen Dressurkomitee-Vorsitzenden geht.

Wichtiger Punkt: Unabhängigkeit

Die FEI hat die Anforderungen an den neuen Dressurkomitee-Vorsitzenden klar definiert. Darin heißt es unter anderem:

„(…) Insbesondere verpflichten Sie sich, jeden tatsächlichen oder vermeintlichen Interessenkonflikt zu vermeiden und eine neutrale, unabhängige und faire Position gegenüber allen FEI-Mitgliedern zu wahren (also auch den Reitern, Anm. d. Red.). Finanzielle und/oder persönliche Interessen dürfen niemals die Pflichten des Vorsitzenden als Vorsitzender beeinflussen und der Vorsitzende muss alle angemessenen Anstrengungen unternehmen, um eine solche Wahrnehmung zu vermeiden.“

Dieser Passus ist der Grund, warum die Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbandes, Elisabeth Max-Theurer, nicht kandidiert. Ihre Tochter Victoria ist aktive Championatsreiterin.

Die Eckdaten bei Ulf Helgstrand sind ähnlich. Er ist Präsident der Dänischen Reiterlichen Verienigung und sein Sohn Andreas ist in mannigfaltiger Hinsicht im Dressursport involviert – unter anderem als Reiter und demnächst ja auch Championatsausrichter.

Helgstrand ist sich dieser Tatsache bewusst. Er schreibt:

„Einige von Ihnen kennen vielleicht meinen Sohn Andreas. Ich bin mir bewusst, dass einige glauben, ich hätte meine Kandidatur eingereicht, um seine Arbeit zu unterstützen, aber lassen Sie mich Ihnen versichern, dass dies absolut nicht der Fall ist. Ich engagiere mich weiterhin für unseren Sport, weil ich mir nicht vorstellen kann, es nicht zu tun.“

Helgstrands Ziele

Wie ernst es Ulf Helgstrand mit seinem Streben nach diesem Amt ist, zeigt schon die Tatsache, dass er als bislang einziger Kandidat eine Pressemitteilung mit seinem „Wahlprogramm“ rausgeschickt hat. Er sagt über sich: „Meine Leidenschaft für den Dressursport begleitet mich schon seit ich denken kann und ich bewerbe mich sehr ernsthaft um das Amt, da ich gerne an der zukünftigen Entwicklung teilhaben möchte und gleichzeitig den Respekt vor Traditionen wahren möchte. Die besten Ergebnisse, die wir bisher im Sport erzielt haben, waren, wenn sich alle Beteiligten zusammensetzten und durch ein gemeinsames Verständnis Lösungen fanden, das ist ohne Zweifel mein Wunsch und mein Ehrgeiz für die Zukunft.“

„Ich bin Professor für Gefäßchirurgie im Ruhestand an der Universität Kopenhagen, aber diejenigen, die schon länger in der Szene sind, kennen mich wahrscheinlich als stellvertretenden Vorsitzenden der Gruppe II seit 2006 und Vizepräsident des EEF (European Equestrian Federation, Anm. d. Red.) seit seiner Gründung im Jahr 2010. Ich bin auch Mitglied des FEI Solidarity Committee und mehrerer Arbeitsgruppen innerhalb der FEI sowie Vorsitzender der Dressur Working Group im EEF. Im nationalen Kontext wurde ich seit fast 20 Jahren als Präsident des dänischen Pferdesportverbandes gewählt/wiedergewählt. Kurz gesagt, ich weiß, wie man Freiwillige und Mitarbeiter führt.“

Die anderen Kandidaten

Aber Ulf Helgstrand ist nicht der einzige, der sich beworben hat. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat Martin Richenhagen vorgeschlagen, der ja selbst bis zur schweren Klasse Dressur geritten ist, als internationaler Richter im Einsatz war, Turniere veranstaltet hat, Equipechef der deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Hongkong war und als ehemaliger Geschäftsführer des US-amerikanischen Agrarunternehmens AGCO (zu dem unter anderem auch FENDT gehört) weltweite Kontakte zu Wirtschaft und Politik hat.

Nicht nur die FN unterstützt Richenhagen, sondern auch der Internationale Dressurreiter Club (IDRC) und die entsprechende Organisation der Turnierveranstalter. Generalsekretär des IDRC ist Klaus Roeser, zugleich aktueller Equipechef der deutschen Dressurmannschaften. Er sagt: „Wir unterstützen Martin Richenhagen, weil er aus unserer Sicht das nötige Maß an Unabhängigkeit mitbringt und aus dem Sport kommt. Interessant ist vor allem auch sein wirtschaftliches und politisches Netzwerk. Damit kann er den Sport wirklich voranbringen.“

Auf die Frage, was Richenhagen seinen Konkurrenten um die Position voraushabe, antwortete Roeser: „Das Thema Unabhängigkeit spielt eine entscheidende Rolle.“ Zudem sei Richenhagen sehr gut in der Kommunikation mit den Beteiligten.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es allerdings, Richenhagens Chancen stünden nicht gut, weil es mit Stephan Ellenbruch bereits einen Deutschen gibt, der einem Komitee vorsteht, nämlich dem FEI Jumping Committee. Roeser sieht darin kein Problem: „Das ist kein Ausschlusskriterium. Es sitzen ja auch zwei Amerikaner mit im Board.“

Die Entscheidung liegt in wenigen Tagen bei den Vertretern der FNs. Die ja auch noch eine dritte Kandidatin haben.

Maribel Alonso

Kandidatin Nummer drei ist die Fünf-Sterne-Richterin Maribel Alonso aus Mexiko. Sie ist Equipechefin und Vorsitzende des Dressurkomitees in ihrer Heimat. Außerdem hat auch sie Erfahrung als Turnierorganisatorin, saß bei diversen Championaten am Richtertisch, war 2016 in Rio Chefrichterin und gehörte in Tokio zum Judging Supervisory Panel (JSP).

In ihrem Wahlprogramm auf der FEI-Seite sagt sie unter anderem markige Sätze wie: „Das Wohlergehen der Pferde muss immer das leitende Prinzip der Dressur sein.“ Wichtig sei ihr auch die „Gewährleistung der Ausgewogenheit und gleicher Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmer und Interessengruppen“. Weitere Themen seien für sie auch Transparenz und der Erhalt der Dressur als olympische Disziplin.

Alonso gilt als Favoritin der FEI – was ihren Kritikern wiederum nicht gefällt, weil sie fürchten, das Dressurkomitee würde damit zu einer willfährigen Marionette des Verbandes.