Aachen: Der unglaubliche Scott Brash schreibt Geschichte

Scott Brash und sein belgischer Wallach Hello Sanctos sind ein Phänomen. Wenn es darauf ankommt, heißt, wenn es etwas zu verdienen gibt, sind sie immer vorne mit dabei. Wobei „etwas verdienen“ in diesem Fall stark untertrieben ist.

Der Ritt hat sich gelohnt: 830.000 Euro hat der Brite Scott Brash auf dem zwölfjährigen Hello Sanctos für den Sieg im Großen Preis von Aachen verdient. 330.000 Euro gab’s sofort für den Sieg. Weitere 500.000 Euro erhält er für den zweiten Sieg in Folge – nach dem im Dezember in Genf – bei der laufenden Rolex Grand Slam-Serie. Die werden allerdings erst ausgezahlt, wenn er auch am dritten Grand Slam-Turnier im September in Calgary teilnimmt. Wie er dort abschneidet, spielt keine Rolle, 500.000 Euro Bonus sind ihm sicher, er muss nur über die Startlinie reiten. Notfalls mit einer Kuh. In Calgary hat Brash allerdings auch die Chance, seinen Verdienst um weitere 500.000 auf eine Million Euro aufzustocken. „Ich kann das Geld gut gebrauchen“, sagte er. „Ich habe mir gerade eine Reitanlage gekauft und jetzt gibt es halt ein paar Boxen mehr.“

Wie im vergangenen Jahr für den Aachen-Sieger Christian Ahlmann beim Thema WM stellt sich nun für Scott Brash die Frage, ob er sein bestes Pferd bei der Europameisterschaft in Aachen im August oder nur zwei Wochen später in Calgary einsetzen will. „Die EM ist für Großbritannien sehr wichtig, darüber muss ich mit den Besitzern und der Mannschaftsführung sprechen, damit wir einen Plan machen“, sagte Brash und hielt sich damit alle Optionen offen. „Ich habe nur dieses eine Top-Pferd“. Er könnte notfalls auch ein anderes Pferd reiten.

Im Stechen nach zwei Umläufen, zu dem sieben Reiter antraten, blieb Brash als letzter Starter in 48,04 Sekunden unter der Zeit von Daniel Deußer auf Cornet d’Amour (0/48,37). Auch der war hochzufrieden mit seinem zwölfjährigen Schimmel v. Cornet Obolensky, hatte sich aber von Anfang an keine Illusionen gemacht: „Wenn Scott null bleibt, wird es schwer, ihn zu schlagen.“

Dritter wurde der Franzose Simon Delestre auf dem neunjährigen Ryan des Hayettes (0/49,27) vor dem dreimaligen Sieger im Großen Preis von Aachen, Ludger Beerbaum auf Chiara, auch er ohne Abwurf in 50,23 Sekunden. Er ging auf Nummer sicher, wählte nicht den kürzesten Weg und kann sich jetzt über drei fehlerlose Runden der 13-jährigen Holsteiner Stute v. Contender freuen – eine gelungene Generalprobe für die EM im August.

Nur diese vier Reiter blieben ohne Abwurf im Stechen, der bekannt schnelle Kent Farrington (USA) auf Voyeur patzte einmal, ebenso wie Weltmeister Jeroen Dubbeldam auf Zenith und der dreifache Springderbysieger André Thiema auf Contanga, der am letzten Hindernis, dem Rolex-Oxer, scheiterte. Die Zeit hätte bei keinem der drei Reiter gereicht.

Andere hatten schon vorher die Segel streichen müssen. Hans-Dreher auf Embassy lieferte zunächst eine Nullrunde, im zweiten Umlauf rumpelte es dreimal. Marcus Ehning auf dem 17-jährigen Plot Blue und Meredith Michael-Beerbaum auf dem neunjährigen Fibonacci, der eine am Ende, der andere am Anfang einer internationalen Karriere, kassierten außer einem Abwurf auch noch einen Zeitfehler in der ersten Runde. Sieben Reiter gaben nach Fehler und Verweigerungen auf, darunter der Weltcupsieger Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets, Beerbaum-Bereiter Henrik von Eckermann mit Gotha und Rolf-Göran Bengtsson mit dem Holsteiner Hengst Clarimo.

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