Halbzeit erste WM-Wertung: Simone Blum super, Laura Klaphake mit Schrecksekunde

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Ein Reithelm wie dieser könnte samt Weltmeisterinnen-Autogramm bald Ihrer sein! (© Pauline von Hardenberg)

In der ersten Wertung zur Weltmeisterschaft der Springreiter in Tryon sind die ersten beiden Mannschaftsreiterinnen des deutschen Teams durch den Parcours. Simone Blum erwischte einen Traumstart, Laura Klaphake hatte eine Verweigerung.

60 von 124 Pferden haben das Zeitspringen hinter sich. Simone Blum, die mit DSP Alice, die hier übrigens aufgrund ihres Vornamens als „Danish Sport Horse“ im Stadion angekündigt wird, liegt als erste Starterin des Teams Germany auf Platz acht. Es war eine wunderschön anzusehende Runde in 82,28 Sekunden. Die Stute mit gespitzten Ohren immer auf der Suche nach dem nächsten Sprung. Große Sätze, aber keine kräftezehrenden Gewaltsprünge. „Sie ist die Beste!“, lautete dann auch die knappe aber treffende Einschätzung der Reiterin nach dem Ritt.

Bundestrainer Otto Becker war „super happy“, lobte Heimtrainer und Lebenspartner Hans-Günther Goskowitz fürs Training. „Sie ist souverän geritten“. Und um die Aussage noch zu unterstreichen, legte er noch ein fröhliches „Hut ab!“ nach. Das war dann aber noch im Bereich der Metaphorik angesiedelt, denn zu diesem Zeitpunkt trug Becker zum roten Team-Polohemd noch „oben ohne“. Zur zweiten Reiterin erschien er dann wohlbehütet. Die Sopnne brennt vom Himmel. Wind gibt es kaum. Es ist heiß in Tryon. Beckers neu erworbene Kopfbedeckung reicht zwar nicht an den Hut von Marcus Ehning heran, der ist hier breitkrempig unterwegs wie ein Texas Ranger, aber Sonnenschutz hat halt viele Gesichter.

Tolle Hindernisse in der ersten WM-Wertung

Im Parcours ­– 14 Hindernisse, 16 Sprünge bis 1,55 Meter hoch – stehen einige schöne Motivhindernisse. Eine „Indianerhäuptling-Kombination“ (3a, Oxer, b, Steilsprung), Ein Jukebox-Oxer zum Abschluss, dazwischen noch andere Hingucker. Darunter auch Sprung 10, eine Bogenmauer aus einer Linkswendung zu springen über die Diagonale. Auf sie folgte die letzte der drei zweifachen Kombinationen, die sich der irische Parcourschef Allan Wade hat einfallen lassen. Besagte Brückenmauer ließ die Herzen für eine Sekunde in die Hosen der deutschen Schlachtenbummler rutschen. Laura Klaphake und Catch me if you can waren dahin flott unterwegs, als die Distanz aus der Linkswendung heraus einfach nicht passen wollte. Die 24-Jährige unterstützte noch mit der Gerte, aber „Catch me“ sprang nicht ab. Im Zeitspringen gibt es dafür keine Strafpunkte. Das Malheur bestraft sich durch die zusätzlich benötigte Zeit von allein.

Pauline von Hardenberg

Laura Klaphake und Catch me if you can, WM Tryon 2018 (© Pauline von Hardenberg)

Danach gab es noch einen etwas unrunden Moment an dem drittletzten Oxer mit einer Wasserplane, doch dann war das Paar im Ziel. Bei 88,83 Sekunden blieb die Uhr stehen, Zwischenrangierung Platz 33. Das war sicherlich nicht der erwünschte Auftakt für Laura Klaphake, deren Stute im Besitz von Paul Schockemöhle steht und für die es schon Millionenangebote gegeben haben soll. Bis Ende des Jahres reitet Laura Klaphake die Stute auf jeden Fall. Dann, so eine alte Abmachung, setzt sich Familie Klaphake mit Schockemöhle an einen Tisch, um über die Zukunft der Catoki-Tochter zu sprechen.

Laura Klaphake strahlte zwar nicht übers ganze Gesicht, wohl aber dennoch Selbstvertrauen aus: „Das geht voll auf meine Kappe, ich bin da zu sehr auf der Innenbahn gewesen, hatte sie nicht ganz vor mir. Ich war einfach zu weit weg.“ Der aufmunternde Gertenklaps war ein letzter Versuch, aber es konnte nicht gehen. Catch me if you can habe an der luftigen Bogenmauer „ein bisschen geguckt, da hätte sie sie mehr unterstützen müssen“, analysierte Otto Becker nach dem Ritt.

Kolumbianer Lizarazo, Überflieger vom Weltcupfinale, führt zur Halbzeit

Wer ganz vorne mitreiten möchte, der muss unter 80, idealerweise unter 78 Sekunden bleiben. An der Spitze des Feldes liegt derzeit Carlos Enrique Lopez Lizarazo aus Kolumbien mit dem Wallach Admara. Die Kombination war beim Weltcupfinale in Paris durch extrem vorsichtiges Springen in der dortigen ersten Wertung aufgefallen. In Tryon war er bislang der mit Weile schnellste Reiter bislang (77,96 Sekunden). Marc Houtzager aus den Niederlanden (79,48) liegt an zweiter Stelle vor der Japanerin Karen Polle und With Wings. Die in Tokio geborene Tochter eines US-Amerikaners und einer japanischen Mutter (79,88) reitet den braunen Wallach schon länger. Einst haben die beiden ihre ersten 1,20 Meter-Springen gemeinsam bestritten, dann den ersten 5*-Großen Preis. Und nun ein toller Auftakt bei der WM. Trainiert hat die Absolventin der Elite Universität Yale in letzter Zeit mit Paul Schockemöhle, der sich um das japanische Team kümmert und bei den Asian Games erfolgreich war.

Maurice Tebbel und Marcus Ehning werden in Kürze in den Parcours gehen.

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