SPRINGEN Jeroen Dubbeldam Weltmeister: „Jetzt kann ich mir meinen Fehler von Jerez endlich selbst verzeihen“ GROSSE BILDERGALERIE!

Jeroen Dubbeldam (NED) ist neuer Weltmeister

Weltmeister 2014 nach Pferdewechsel: Jeroen Dubbeldam. (© Pauline von Hardenberg)

Mit dem Idealergebnis von null Fehlern im Sattel aller Finalpferde ist Jeroen Dubbeldam neuer Weltmeister der Springreiter geworden. Der Olympiasieger von 2000 sagt, mit diesem Erfolg ist er nach zwölf Jahren von Selbstvorwürfen wieder mit sich selbst im Reinen. Und der Franzose Patrice Delaveau wird noch lange grübeln. Über die ärgerlichsten 43 Hundertstel Sekunden seiner Karriere.

Alle Pferde seien gut zu reiten gewesen, einige hätten von unten etwas anders ausgesehen, als sie sich von oben angefühlt hätten. „Von oben“, so der neue Weltmeister,“ waren alle besser, alle wollten fehlerfrei über die Stangen.“ Jeroen Dubbeldam war keiner der Topfavoriten, als 13. nach dem Nationenpreis musste er auf jeden Fall zwei fehlerfreie Runde liefern. Und er musste auf die Fehler anderer hoffen. Das ist nicht ganz so sportlich, aber ok.

Nachdem er als einziger ohne einen Abwurf und mit allen Pferden in der Zeit geblieben und ihn das Publikum im Stadion gefeiert hatte, erzählte er, dass von ihm heute eine Last abgefallen sei, die er seit den Weltreiterspielen in Jerez, also seit 2002, mit sich herumschleppe. Damals war er vor dem letzten Springen Fünfter mit seinem Olympiasieger De Sjem und dann habe ich durch einen Riesenreiterfehler uns die Finalteilnahme vermasselt. „All die Jahre habe ich mir das vorgeworfen, ich glaube heute ist der Tag, an dem ich mir das endlich verzeihen kann“, sagte der Niederländer.
Dubbeldam hatte mit Zenith das jüngste und unerfahrenste Pferd der Finalisten am Start. Der Zehnjährige ging aber mit ihm fehlerfrei, den Gefallen tat er sonst nur noch dem Franzosen Patrice Delaveau. Es war beeindruckend zu sehen, wie Dubbeldam sich beim Abreiten auf jedes der Pferde mit demselben Prinzip einstellte, ohne den Pferden seine Reiterei aufzuzwingen. Etwas untertourig im Trab, im Galopp dann auch noch recht verhalten. Im Zweifelsfall eine ganze Parade, dann in den Kurs.

Zum Zünglein an der Waage in diesem Finale wurde Rolf-Göran Bengtssons Holsteiner Hengst Casall. Der Caretino-Sohn wirkte müder als die Konkurrenten, die aber uni sono zum Protokoll gaben, er habe sich im Parcours frisch und gut angefühlt. Die dreifache Kombination zählte nicht zu den Casalls Lieblingshindernissen. Hier bekam schon Rolf Göran-Bengtsson einen Abwurf, während alle andere Reiter ihre eigenen Pferde fehlerfrei über den Kurs brachten. Die Zeit war etwas großzügiger bemessen, sollte aber in dem Parcours mit seinen acht Hindernissen die Entscheidung bringen. Rolf Göran Bengtsson sammelte mit Dubbeldam Zenith sechs Fehler, zwei davon für Zeitüberschreitung. Da muss dem Schweden schon  nach dem zweiten Ritt geschwant haben, dass ihm die Rolle des glücklosen Vierten heute wohl zukommen würde. Und so war es dann auch. Bengtsson kassierte auch mit Orient Express von Patrice Delaveau einen Abwurf, am letzten Oxer. Damit war er aus dem Rennen.
Casall patzte auch unter der US-Amerikanerin Beezie Madden in der Dreifachen, diesmal nicht am Aussprung, sondern am zweiten Steilsprung, 1,50 Meter hoch, nach einem Oxer mit den Maßen 1,50 mal 1,50 Meter. Auch Dubbeldams Zenith, den Madden als Dritte reiten musste, bescherte der Dritten der Weltmeisterschaften von Aachen 2006 ebenfalls einen Abwurf, diemal am Aussprung der Dreifachen, mit 1,55 Metern der höchste Sprung im Finalparcours. Die Nullfehlerrunde mit Orient Express war dann kaum mehr als Kosmetik, Bronze für die hocherfolgreiche Amazone, die sich freute, mit dem belgischen Wallach Cortes C das beste Pferd im Finale am Start gehabt zu haben. „He deserves it“, er hat es verdient, er ist ein echtes Championatspferd.

Patricve Delaveau hatte einen guten Start, nachdem auch Cortes C fehlerfrei gegangen war, musste er mit Casall auf jeden Fall ohne Abwurf bleiben. Das Publikum jauchzte, als Delaveau als erster Reiter den Holsteiner Hengst ohne Probleme durch die dreifache Kombination bekam. Doch auf der letzten Linie, von einem Steilsprung, der Jeanne d’Arc, die Heilige Johanna, als Motiv hatte, bis zum abschließenden grün-gelben Rolex Oxer, wollte der Endvierziger alles richtig machen. Kein Risiko, Kontrolle. Er ritt einen Galoppsprung mehr, Casall flog ohne Abwurf ins Ziel. Doch dann zeigte die Uhr, dass er 43 Hundertstel Sekunden zu langsam im Ziel. 43 Hundertstel! „Das wird noch länger in meinem Kopf bleiben“, so der Springreiter. Zu gerne wäre er vor buchstäblich heimischem Publikum Weltmeister geworden. „Ich wohne in der Nachbarschaft, mein erster Titel war Normandie-Meister. Ich glaube heute war kein Franzose im Stadion, den ich nicht persönlich kenne“, so der Mann, der in Caen sein erstes Springturnier geritten ist. Statt champion du monde, Weltmeister, nun argent – Silber. Richtig freuen konnte sich Delaveau da nicht, verständlich. Mit Zenith gelang ihm eine Nullrunde als vierter Reiter auf dem Pferd des neuen Weltmeisters. Der dankte dem Franzosen dafür ausdrücklich: „Mein Pferd hat in dieser Woche so viel gegeben, er hat diese tolle Nullrunde verdient, danke Patrice!“

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