Boekelo: Briten in Front nach Gelände, Deutschland auf Rang sechs, Auffarth Sechste

Laura Collet – Dacapo

Laura Collett (GBR) und Dacapo führen die Einzelwertung nach Dressur und Gelände in Boekelo 2022 an. (© military-boekelo.nl)

Die Geländestrecke in Boekelo forderte Reitern und Pferden heute einiges ab. Es kam zu mehreren Stürzen, letztendlich wurde Schlusshindernis 26 aus dem Kurs genommen. Die deutsche Equipe befindet sich vor dem Springen nun an sechster Stelle in der Rangierung, Großbritannien führt weiter.

Einiges wurde heute durcheinandergewirbelt hinsichtlich der Rangierung beim CCIO4*-L in Boekelo. Gleichbleibend gut waren aber beispielsweise die Dressursieger unterwegs, Laura Collett (GBR) und ihr Holsteiner Dacapo. Sie ließen sich in dem herausfordernden Gelände nichts zuschulden kommen und kamen fehlerfrei und innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel. Mit 21,9 Punkten gehen sie als Führende in das abschließende Springen am Sonntag.

Etwas weniger als einen Springfehler trennt Collett von dem nun Zweitplatzierten, Tim Price (NZL) mit Happy Boy v. Indoctro. Auch er beließ es bei seinem Dressurergebnis von 25,6 Punkten. Weil er der Idealzeit der Geländeprüfung näher war, verweist Tim Price damit den Briten Tom McEwen auf Rang drei. Der wurde in der Dressur mit JL Dublin ebenfalls mit 25,6 bewertet und absolvierte ein Gelände ohne Fehl und Tadel, war jedoch eine Sekunde schneller unterwegs als Price.

Sandra Auffarth macht Boden gut

Die beste deutsche Teilnehmerin von Boekelo bleibt weiterhin Sandra Auffarth. Mit dem neunjährigen Wallach Rosveel gelang ihr eine tolle Runde im Gelände. Das Paar beendete diese Teilprüfung ohne Strafpunkte. Mit weiter 28,9 Punkten hat sich Auffarth nun von Rang zehn auf Rang sechs vorgearbeitet.

In der Team-Wertung haben sich die Briten durch den Geländetag etwas Luft verschafft zu den anderen Nationen. Mit den Plätzen eins (Collett), vier (Sarah Bullimore), neun (Rosalind Canter) und 52 (Kirsty Chabert) und der derzeitigen Punktzahl von 79,7 haben sie zum derzeitigen Stand zwei Springfehler Vorsprung zu den Zweitplatzierten. Das sind derzeit die Neuseeländer mit 90,8 Punkten, gefolgt von den Franzosen mit 97,3 Punkten.

Für das junge deutsche Team lief es, abgesehen von der Runde von Sandra Auffarth, nicht ganz ideal im Gelände. Emma Brüssau und Dark Desire GS zeigten eine sichere Runde ohne Springfehler. Allerdings kamen sie etwas für die Zeit und sammelten so acht Punkte für Zeitüberschreitung ein. Mit nun 37,2 Punkten rangieren sie derzeit an 23. Stelle. Schneller unterwegs war Libussa Lübbeke mit Caramia. Auch hier gab es lediglich Zeitfehler, nämlich 6,4, womit das Paar nur drei Plätze verlor von Rang 19 auf Rang 22. Ordentlich nach vorne arbeiten konnte sich Arne Bergendahl mit Luthien und auch seinem zweiten Pferd Checkovich, mit dem er als Einzelreiter am Start ist. Mit Luthien ist er nach einem strafpunktfreien Ritt im Gelände nun 33. statt 68. (41,1 Punkte), mit Checkovich rückte er mit zwei Zeitstrafpunkten von Rang 43 auf Rang 24 vor. Mit derzeit 107,2 Punkten befindet sich Deutschland somit auf Platz sieben vor dem Springen.

Entwarnung für Roxana Graman nach Sturz

Für viele Paare waren die Aufgaben des Geländekurses unlösbar. Sechs Paare gaben auf, neun Paare schieden aus. Von diesen neun Paaren führte in sieben Fällen der Sturz von Pferd oder Reiter zum Ausschluss. Als fehlerträchtigstes Hindernis stellte sich in dem Starterfeld nach und nach das Schlusshindernis 26 heraus. Dort stürzten zweimal nur die Reiter, zweimal aber auch die Pferde.

Eines der Paare, das es an Sprung 26 erwischte, war die Niederländerin Roxana Graman und der zwölfjährige Apache-Sohn Forever. Die 36-Jährige landete dabei unter ihrem Pferd, das wohl mit dem Schrecken davonkam. Das ist wohl auch bei Graman der Fall. Nach der Verbringung der Reiterin in ein Krankenhaus für weitere Untersuchungen gab das Team von Boekelo Eventing in den sozialen Medien aber bereits Entwarnung. Die Reiterin habe die Notaufnahme noch am Nachmittag wieder verlassen können, es seien keine großen Verletzungen festgestellt worden.

Nach 53 Startern entschied man sich schließlich dazu, das Hindernis gänzlich aus dem Geländeparcours zu streichen.

Alle Ergebnisse aus Boekelo finden Sie hier.

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  1. Ellen

    Ein Sport, bei dem Stürze von Pferden, schwere Verletzungen derer (von denen wir oftmals nichts erfahren, da erst fernab der Zuschauer/Presse diagnostiziert) und Tod zum Prüfungs- und Trainingsalltag gehören, hat in meinen Augen keine Berechtigung. Unfälle passieren, ja, aber im VS-Sport geht mir das deutlich zu weit. Hatte in jungen Jahren selbst VS geritten (A/L Niveau) aber schnell erkannt, dass hier zu viele Pferde auf der Strecke bleiben. Mein damaliger Trainer (war selbst Deutscher Meister in der VS) hat mehrere Pferde verloren. Mein Weg war und ist das nicht!

  2. Monika

    Happy horses?
    Offensichtlich werden jetzt wieder mehr Leserbeiträge berücksichtigt. Deshalb probiere ich es noch einmal mit interessanten Tipps zum Lesen in der österreichischen Pferderevue. Dort geht es um den Widerstand gegen die angestrebte Aufhebung der Kandaren- und Sporenpflicht in den höchsten Dressurklassen. Besonders erhellend sind dabei die Umfragen zum Ansehen des Pferdesports in England.
    Wichtig auch zum Anschauen in der Reiter Revue oder zum Lesen in der Pferderevue die Beiträge über Schmerzsymptome (v.a. beim Sportpferd). Der Film sollte Pflicht für alle werden, die turniermäßig mit Pferden zu tun haben.
    Die junge Reiterin, deren Fall ausführlich geschildert wird, hätte das Zeug zum Vorbild.
    Denn der Fraktion „Pferd nicht kaputt, also was soll die Aufregung“ oder gar „Pferd kaputt, macht nichts, weiter zum nächsten Start“ sollte doch scharfer Wind entgegengehen.

  3. Christiane

    Boekelo war leider wahrlich kein Aushängeschild für den Vielseitigkeitssport und ich vermisse hier eine entsprechend kritische Berichterstattung auch durch den St.Georg zu so verstörenden Szenen, die an den Eklat im Fünfkampf erinnerten. Das Pferd einer britischen Reiterin, was sich bereits am Start vollständig verweigerte und keinen Schritt Richtung Geländekurs zu bewegen war trotz massiven Sporeneinsatzes der Reiterin , unendlich lang wie es schien und kein Richter, kein Stewart schritt ein.
    Diese Missachtung des Pferdes zeigt leider auch ein dänischer Reiter, der wie so viele andere mit seinem Pferd am letzten Hindernis stürzte und sich ganz seinem Frust hingab ohne sein hinter ihm her humpelnden Pferd auch nur einen Blick zu schenken geschweige denn es auf Verletzungen zu kontrollieren oder gar zu trösten. Ohne Frage gab es auch andere Beispiele von guten Ritten, empathischen Reitern und konditionell gut trainierten Pferden, das soll hier nicht verschwiegen werden.


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