Charly – ein Bundeschampion aus der Zucht von Madeleine Winter-Schulze

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Christian Kukuk und der fünfjährige Cahrly v. Chaman, der erste Bundeschampion aus der Zucht von Madeleine Winter-Schulze. (© www.toffi-images.de)

Mit einer faustdicken Überraschung endete das Finale der fünfjährigen Springpferde. Charly, der Sohn des Chaman – Stakkato schlug die haushohen Favoriten Coros und Cashmere und bescherte seiner Züchterin und Besitzerin Madeleine Winter- Schulze den Titel „Bundeschampion 2020“.

„Wir haben das Feld jetzt nicht direkt von hinten, aber von der Mitte aus aufgerollt“, schmunzelt Charlys Reiter Christian Kukuk. „Wenn mich jemand am Donnerstag gefragt hätte, wie ich denn die Erfolgsaussichten von Charly beurteile, hätte ich gesagt, dass ich mich freuen würde ihn für das Finale zu qualifizieren und dann den zweiten Umlauf zu erreichen. Mit dem Titelgewinn habe ich überhaupt nicht gerechnet“.

Zwar mit guten Noten, aber durchaus nicht spektakulär springend war der OS-Wallach bis dahin eher unauffällig. „Im Laufe des Championats hat er sich von Prüfung zu Prüfung gesteigert. Zwar ist er vom Exterieur her den Hengsten gegenüber etwas im Nachteil,aber macht das wett mit einer tollen Einstellung. Am Sprung gibt er mir ein unglaubliches Gefühl“, beschreibt Kukuk den Wallach.

Stellvertretend für die Richtergruppe kommentierte Joachim Geilfus Charlys Vorstellung. „Er springt kraftvoll und vorsichtig, hat ein tolles Hinterbein. Sein Reiter hat ihn phantastisch vorgestellt“, würdigte er die reiterliche Leistung des Bereiters aus dem Stall Beerbaum, wo der neue Bundeschampion zu Hause ist.

Für Madeleine Winter-Schulze ist Charly auch ohne den Titel ein besonderes Pferd. Seine Mutter, die Stakkato- Tochter Sundance, hat ihr verstorbener Mann Dietrich Schulze gekauft, sie ging unter Philipp Weishaupt im Sport. Neunjährig verletzte sie sich, kam deshalb in die Zucht. Aus der ersten Bedeckung mit Ludger Beerbaums Chaman fiel Charly.

„Deshalb ist es für uns alle ein besonderer Sieg“, erzählt Ludger Beerbaum. „Der war jetzt nicht vom ersten Tag an eine Schönheit, aber seine ersten Sprünge waren schon vielversprechend. Im Frühjahr hatte Christian ihn schon mit in Andalusien, dort ist er auch immer gut gegangen, hat seinen Job prima gemacht. Ich hatte ihn heute auch nicht unter den Favoriten, freue mich aber, dass die gute Leistung von Pferd und Reiter honoriert wird“. Das machten die Richter mit der Wertnote 9,1 i, ersten und 9,3 im zweiten Umlauf der Spezialspringpferdeprüfung Kl.M* für Charly und seinen Reiter.

Waisenkind, aber kein Waisenknabe!

Cashmere unter Marco Kutscher war einer der beiden Favoriten auf den Titel. Die erste Qualifikation hatte er gewonnen, in der zweiten rangierte er an zweiter Stelle, im Finale waren „seine Vorstellungen sehr gut (9,0) gelungen, immer im Rhythmus und sehr sicher“, wie Joachim Geilfuskommentierte. Dass der Westfale im zweiten Umlauf in der dreifachen Kombination einmal eine Stange berührte, wurde ihm letztendlich angekreidet und kostete ihn den Titel. Was aber an der Qualität des Hengstes keinen Zweifel aufkommen lässt.

Für den Züchter Dr. Axel Schürrner und seine Frau ist der Hengst in jedem Fall etwas ganz Besonderes, wurde er doch als Waisenkind auf deren Gestüt Neuenhof aufgezogen. Cashmeres Mutter Novice starb bei seiner Geburt. Glück für ihn, dass La Belle, die Stute aus der Nachbarbox, ihn zusätzlich zu ihrem eigenen Fohlen adoptierte und aufzog. Sein Reiter Marco Kutscher lobt Cashmeres Einstellung und seine Reitpferdeeigenschaften, Endnote 18,00.

Geteilter Rang drei

Des einen Freud ist des anderen Leid: Der große Favorit der fünfjährigen Springpferde, Coros unter Hendrik Dowe, beendete das Bundeschampionat auf dem dritten Platz, den er sich auch noch mit Contino- Quick und Eiken Sato teilen musste. Dabei hatte es alles nach einem Start – Ziel- Sieg des Hengstes Coros von Cornet Obolensky – Arpeggio ausgesehen.

Siege in beiden Qualifikationsprüfungen, auch im ersten Umlauf die Höchstnote von 9,5 für die Vorstellung „die man kaum besser machen kann“, O-Ton Geilfuß. Ein Abwurf im zweiten Umlauf (Wertnote 8,3) verhinderte den Titelgewinn des von Werner Buschsieweke aus Gütersloh gezüchteten Westfalen , der von der Familie Ursula und Joachim Rosendahl 2015 in Münster- Handorf auf einer Fohlenauktion gekauft wurde.

Mit der Endnote 17,80 beendete auch Contino – Quick PS unter Eiken Sato das Bundeschampionat auf dem Bronzerang. 9,0 für den ersten Umlauf, in dem der braune Hengst aus der Zucht und im Besitz des Gestüts Lewitz „eine tolle Runde, super in Rhythmus und Gleichmaß, großzügig und losgelassen springend“ von den Richtern attestiert wurde. Wertnote 8,8 für den zweiten Umlauf.

Nach Meinung der Richter ist Contino – Quick PS ein Springpferd mit Zukunft. Der Japaner Eiken Sato brachte als einziger Reiter auch sein zweites Pferd, den Schimmelwallach Damaskus in dem zweiten Umlauf. Der Hannoveraner erreichte mit der Endnote 17,6, Platz fünf.

Die Westfalen stellten mit 13 Pferden das größte Kontingent bei den fünfjährigen Springpferden, gefolgt von den Holsteinern mit elf Startern. Sechs Hannoveraner bewarben sich um den Titel, sieben vom Zuchtverband OS, die ja schlussendlich den Sieger stellten.

Sechsjährige Springpferde

Große Freude bei den Holsteiner Pferdefreunden herrschte am Sonntagnachmittag. Lyjanair, der Holsteiner Sohn des Lyjanero – Coriano ist nach dem Sieg im Landeschampionat auch Bundeschampion der sechsjährigen Springpferde geworden. Unter dem Niederländer Bart van der Maat siegte der braune Wallach ohne Strafpunkte in 37,25 Sekunden in der Springprüfung Kl.M** und löste damit einen Riesenjubel bei seinem Reiter aus.

Das Bundeschampionat stand sozusagen auf seiner „Abschiedstour“, im September geht er nach vier Jahren in Deutschland zurück nach Holland, dort wird er sich selbständig machen. Dass er den braunen Wallach so schnell reiten konnte, „liegt an Lyjanairs tollem Charakter. Er hat ein großes Herz, ist unglaublich vorsichtig und hat großes Vermögen“, beschreibt van der Maat den neuen Bundeschampion, der von Wendy Davis gezüchtet wurde und im Besitz der Bengtsson & Helgstrand GmhB steht.

Erster Starter im Stechen, dass nur drei der 41 Starter erreicht hatten, war Zineday mit Christian Kukuk. Das Paar galt nach einem Sieg und einem zweiten Platz in den Qualifikationsprüfungen als Titelanwärter. Der westfälische Wallach von Zinedine – Polidor überzeugte im Umlauf ein weiteres Mal mit einem souveränen Auftritt. Auch im Stechen gelang seinem Reiter alles, nach einer strafpunktfreien Runde blieb die Uhr bei 38,15 Sekunden stehen. Da sah der von Franz-Georg Ottman gezüchtete Westfale noch aus wie der sichere Sieger.

Nach ihm kamen Everton PJ und Alexa Stais in den Parcours, dem Wallach unterlief ein Abwurf. Auch die Zeit des von der Pferdezucht Dr. Jacobs gezüchteten Hannoveraners (39,63 Sekunden) hätte nicht gereicht. Everton PJ und Alexa Stais landeten auf Rang drei.

Spannend wurde es bei dem letzten Ritt, mit dem Lyjanair und Bart van der Maat beinahe zwei Sekunden schneller waren als Zineday und Christian Kukuk. „Mir kam der Stechparcours mit seinen langen Linien sehr entgegen. Lyjanair hat viel Galopp, und weil er so vorsichtig ist, kann ich richtig was riskieren“, erklärte van der Maat seinen respektablen Vorsprung.

Außer dem drei Teilnehmern am Stechen waren im Umlauf nur zwei Paare ohne Abwurf geblieben. Mit jeweils einem Strafpunkt für Zeitüberschreitung platzierten sich Christian Kukuk mit Comme le père und Mario Maintz mit Delestre auf den Plätzen vier und fünf.

Zu schwierig?

Nur drei Paare im Stechen ließen die Frage aufkommen, ob der Parcours zu schwer war. „Es war schon etwas schwer“, meint Bart van der Maat, „aber es war sehr fair gebaut. Ob dein Pferd nun einen kleinen oder großen Galopp hat, hier kamen alle zurecht“.

Eine ausgemachte Fehlerquelle gab es in dem Springen, das anderenorts sicher auch locker als S* durchgegangen wäre, dennoch nicht, die Abwürfe waren gut verteilt. Die meisten Abwürfe gab es allerdings in der ersten Hälfte des Parcours, die Länge war also nicht das Problem.

Manche Pferde waren nach den Championatstagen vielleicht etwas müde, schlechte Bilder gab es nicht. Das spricht für die dennoch richtige Einschätzung der Qualität des Jahrgangs 2014 bei den Springpferden.

Christine Meyer zu Hartum

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