Hannoveraner Verband: Facebook-Querulant ausgeschlossen, Theo Leuchten zurückgetreten

Delegiertenversammlung_Hannoveraner Verband

Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes April 2019 (© www.hannoveraner.com)

Auf der Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes wurde gestern bekannt, dass Hans Richelshagen die Mitgliedschaft in Deutschlands größtem Pferdezuchtverband entzogen wurde. Auf seiner Facebook-Seite hatte der ehemalige Redakteur mehrere Vorstandsmitglieder diffamiert. Außerdem verlässt Theo Leuchten, Vorsitzender der Abteilung Zucht bei der FN, seinen Posten im Hannoveraner Vorstand.

Der ehemalige Redakteur Hans Richelshagen ist nicht länger Mitglied des Hannoveraner Verbandes. Der Vorstand hatte den Ausschluss am Vorabend der Delegiertenversammlung vom 11. April 2019 beschlossen. Richelshagen hatte auf seiner Facebook-Seite nahezu täglich in „diffamierender Weise“ und „schädigend“ über den Hannoveraner Verband, namentlich Zuchtleiter und Geschäftsführer Dr. Werner Schade, geschrieben. Dabei hatte Richelshagen Interna aus Vorstandssitzungen publik gemacht.

Nicht alle Delegierte waren mit dem Ausschluss des gebürtig aus NRW stammenden Züchters einverstanden. Er habe „vielleicht manchmal sich in der Wortwahl vergriffen“, aber habe doch eine Diskussion angestoßen, so das Argument der Freunde des Ex-Redakteurs. Tatsächlich aber blieb eine Frage ungeklärt.

Wer ist der Maulwurf im Vorstand des Verbandes?

Und das ist die, wer das nun ausgeschlossene Mitglied mit Informationen versorgt hat. Der erste Vorsitzende des Hannoveraner Verbandes sprach von mehreren Personen, die im Verdacht stünden, Vertrauliches weitergetragen zu haben. Er solle „Namen nennen“, wurde gefordert. Das wollte und konnte von der Decken nicht, da es nicht zu beweisen sei, wer für die Indiskretionen verantwortlich sei. Auf Nachfrage erläuterte der Landwirt aus Stade, wie im Vorstand das Thema Vertraulichkeit behandelt wird. Am Beispiel eines neuen Vorstandmitglieds machte er deutlich, dass „jeder vergattert wird“, dass „was in diesem Raum besprochen wird in diesem Raum bleibt.“ Und leicht resigniert klingend fügte er hinzu, dass keine eineinhalb Stunden später auch Inhalte dieser Zusammenkunft des Vorstands auf Facebook nachzulesen waren.

Strukturreform

Nach teilweise hitziger Debatte um die Rechnungsprüfung des Geschäftsjahres 2018 war Ruhe und Sachlichkeit in die Versammlung eingekehrt. Zentraler Punkt war die schon länger angedachte Strukturreform. Sie steht unter der großen Überschrift „Verschlankung“. Der Vorstand soll kleiner und damit handlungsfähiger werden. Derzeit umfasst der Gesamtvorstand 21 Personen. Unternehmer Franz Bürmann stellte sein Modell vor, das unter der großen Überschrift „Verschlankung“ steht. Tenor: Im 21. Jahrhundert kann man einen Pferdezuchtverband nicht mehr „mit einer Satzung von 1922“ führen. Bürmann spricht von dem Hannoveraner Verband als einem mittelständigen Unternehmen. Angestrebt wird für 2019 ein Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Entsprechend, so Bürmann, müsse man auch agieren.

Hannoveraner Verband bald mit eigener Vermarktungs-GmbH?

Ein zentraler Punkt, der bereits per Votum des Vorstands beschlossen wurde, ist die Frage der Trennung von Zuchtleitung und Geschäftsführung. Sie wurde im Plenum trotz der Beschlusslage ausführlich erörtert. Zustimmung einerseits und Skepsis mit einem neuen Posten auch neue Personalkosten schultern zu müssen, standen sich gegenüber.

Noch keine Entscheidung hat der Vorstand getroffen, ob die Vermarktung in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden sollte. Im Kreis der Delegierten konnte man eine Mehrheit für diesen Ansatz spüren.

Leuchten verlässt Vorstand

Seinen Rücktritt aus dem geschäftsführenden Vorstand des Hannoveraner Verbandes gab Theo Leuchten bekannt. Er ist Vorsitzendet der Abteilung Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und war Präsident des Rheinischen Pferdestammbuchs, das mittlerweile mit dem Hannoveraner Verband fusioniert ist. „Die Aufgabe, die rheinischen Züchter in den Hannoveraner Verband zu führen, war eine spannende und aufregende Zeit. Ich glaube, dass uns das gut gelungen ist. Die Vorstandsarbeit war aber vor allem zuletzt auch mit Schwierigkeiten verbunden“, sagte Leuchten. Wegen Unregelmäßigkeiten beim Rückkauf eines Auktionspferdes in Verden war auch Leuchten auf Facebook ein Thema gewesen. Leuchten hatte ein Pferd zu einem höheren Preis zurückgesteigert als es ihm vertragsmäßig erlaubt gewesen wäre. Trotzdem hatte er die dann eigentlich anfallenden Kosten nicht begleichen müsse, so hatte es der Vorstand entschieden.

Bestätigt wurden die Mitglieder der Gesamtvorstands Jürgen Stuhtmann und Bernhard Ueffing wie auch die weiteren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes, der Vorsitzende Hans-Henning von der Decken, sein Stellvertreter Hartmut Wilking sowie Jörn Wedermann. Neuer Kassenprüfer wurde Burchard Schröder, unter anderem Geschäftsführer der Hannoverschen Privathengsthalter.

Dr. Werner Schade stellte seine Rolle bei dem Pferdeberatungsunternehmen „Schade und Partner“ ausführlich dar. Dies war aus Kreisen der Delegierten im Vorfeld beantragt worden. Schades Ehefrau Dr. Christa Finkler-Schade ist Geschäftsführerin. Unlängst hatte das Unternehmen mitgeteilt, seine Kooperation mit dem Hannoveraner Verband aufzugeben. Zuchtleiter und Geschäftsführer Dr. Werner Schade, der das Unternehmen mitgegründet hat, beantwortete Fragen und legte Absprachen mit dem geschäftsführenden Vorstand dar. Transparent erläuterte er Details bis hin zu den Honorarsätzen, die seine Frau für Auftritten auf Seminaren des Hannoveraner Verbandes in Rechnung gestellt hatte.

 

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