Landgestüt NRW: Anklage gegen die ehemalige Führungsriege erhoben

Die altehrwürdigen Gemäuer des Landgestüts Warendorf.

Die altehrwürdigen Gemäuer des Landgestüts Warendorf. (© Toffi)

Wie die Staatsanwaltschaft Münster heute offiziell bekannt gab, wurde nun Anklage erhoben gegen die frühere Leitung des Landgestüts Warendorf.

Die ehemalige Leiterin des Landgestüts Warendorf, ihr Stellvertreter sowie der erste Hauptberittmeister müssen sich möglicherweise demnächst vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Münster hat Anklage gegen sie beim Amtsgericht in Warendorf erhoben. Hier muss nun noch über die Zulassung der Anklageschrift entschieden werden.

Die Vorwürfe gegen die ehemalige Führungsriege des Landgestüts NRW sind schwerwiegend. Es geht um verschiedene Fälle der Vorteilsnahme. Konkret sollen die ehemalige Gestütsleiterin, ihr Stellvertreter und der erste Hauptberittmeister in den Jahren 2013 und 2014 Einladungen des Turnierveranstalters von Katar, dem Pferdesportzentrum Al Shaqab angenommen haben. Business-Class-Flüge und Übernachtungskosten für die drei Beschuldigten sowie ihre Ehegatten (angeblich auf Anfrage des ersten Hauptberittmeisters 2013) sollen vom Veranstalter übernommen worden sein. Zudem habe der erste Hauptberittmeister eine Wildcard erhalten, mit der am Turnier teilnehmen konnte, einem Turnier, auf dem auch der Letztplatzierte noch ein Preisgeld erhält. Es handele sich hier um geldwerte Vorteile in Höhe von 49.041 Euro. Der erste Hauptberittmeister habe zudem das Preisgeld für sich behalten.

Von all dem soll das für das Landgestüt zuständige Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz nichts gewusst haben. In der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Münster heißt es wörtlich: „Nach Bewertung der Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass diese Reisen ausschließlich dienstlich veranlasst waren, einer positiven Gestaltung der Geschäftsbeziehung dienten und der Umfang der Kostenübernahme (Mitnahme der Ehepartner, Business-Class-Flüge und Unterbringung in hochpreisigen Hotels) nicht sozial üblich war.“

Nicht genehmigte Unternehmungen

Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf den Verdacht, dass die drei Beschuldigten eine Gesellschaft gegründet haben, durch die sie aus den geschäftlichen Beziehungen mit Al Shaqab privat finanziell profitieren konnten. Die Gesellschaft soll Pferde sowie Ausrüstung nach Al Shaqab vermittelt haben. Diese Unterstützung habe man sich bezahlen lassen. Man habe dem zuständigen Ministerium die Gründung dieser Gesellschaft in dem Wissen verschwiegen, dass eine „derartige Nebentätigkeit wegen der Gefahr einer Interessenkollision“ nicht genehmigt worden wäre. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollen die Angeschuldigten jeweils 23.000 Euro durch diese Nebentätigkeit in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Ferner ist die Staatsanwaltschaft Unregelmäßigkeiten bei einem Pferdehandel auf der Spur. Demnach habe eine Bekannte des ersten Hauptberittmeisters, eine Pferdehändlerin, auf Anraten von ihm und der Gestütsleiterin ein Jungpferd bei einem Züchter erworben. Der Hengst sollte nach seiner Körung dem Landgestüt NRW als Pachthengst zur Verfügung gestellt werden. Im Anschluss an die Körung soll die ehemalige Landgestütsleiterin eine um 8000 Euro höhere Zusatzbezahlung erhalten haben als vertraglich vereinbart gewesen war. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft habe die Käuferin des Pferdes sich so erkenntlich zeigen wollen. Das Geld hätten die beiden Beschuldigten ungenehmigt für sich behalten.

Der erste Hauptsattelmeister habe sich außerdem einen Betrug zuschulden kommen lassen, als er die Pferde, die zur Ausfuhr nach Katar bestimmt waren, amtstierärztlich untersuchen ließ. Er habe verschwiegen, dass es sich hierbei um ein Privatgeschäft handelt. Darum habe die Amtstierärztin keine Gebühren für die Untersuchung berechnet.

Um Untreue geht es bei dem Vorwurf an den ehemaligen Stellvertreter und den ersten Hauptberittmeister, dass eine Vereinbarung existiere, nach der der Bereiter die auf Turnieren gewonnen Preisgelder behalten durfte, obwohl sie eigentlich dem Land zugestanden hätten. Aufgrund dieser Vereinbarung soll der Berittmeister 9509 Euro verdient haben. Letzterem wird nun Beiheilfe zum Untreuevorwurf gegen den ehemaligen Stellvertreter vorgeworfen. Letzterem wird außerdem vorgeworfen, dass er einen Sattel aus seinem Privatbesitz auf Kosten des Landes habe reparieren lassen.

Quelle: Pressemitteilung

Die Hintergründe

Anfang 2016 wurde bekannt, dass die Führungsspitze des Landgestüts NRW ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten war. Kurz darauf wurden die Beschuldigten freigestellt und Hans Leser als kommissarischer Leiter nach Warendorf geschickt. Nachdem die Ermittlungen auch ein Jahr später noch nicht abgeschlossen waren, kam Unruhe auf. Abgeordnete anderer Fraktionen stellten gar die These in den Raum, „niemand verfolge ein nachdrückliches Interesse daran, den Fall aufzuklären“.

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