Mindestnote bei Hengstleistungsprüfungen bleibt erhalten

Fohlen auf der Weide

Pferdezucht - Archivfoto (© www.toffi-images.de)

Auch weiterhin wird es eine Mindestnote bei Hengstleistungsprüfungen geben. Das hat der Beirat Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) bei der FN-Jahrestagung heute in Hamburg beschlossen. Diskutiert wurde engagiert.

7,5 muss ein Hengst in der gewichteten Endnote bei Veranlagungstest oder Sporttest erzielen, sonst fällt er durch. Diese bisherige Regelung, in der auch eine Mindestnote in einer Spezialdisziplin (Springen/Dressur) über 8,0 zum Bestehen der Prüfung ausreicht, wenn der Hengst insgesamt keinen Notendurchschnitt von 7,5 erzielt, stand zur Diskussion. Dies wird auch weiterhin so bleiben. Am Ende gab es eine knappe Mehrheit für den Beibehalt der Mindestnoten. Auf der Jahrestagung stand der Antrag auf der Agenda, diese Notengrenze wegfallen zu lassen. Das Argument der Anhänger dieses Antrags: Die Züchter orientieren sich an der Wertnote. Hengste, die nur knapp bestehen oder duchfallen, wären für den Züchter nicht von Interesse. Deswegen müsse man sie nicht in „bestanden“ oder „durchgefallen“ unterscheiden.

Diskussion um Mindestnote

Heinz Ahlers, der Vorsitzende der deutschen Hengsthalter hatte in der Diskussion die Position seines Verbandes klar gemacht. Schon vor der FN-Jahrestagung hatten die Hengsthalter sich für den Verbleib der Mindestnote ausgesprochen. „Eigentlich müssten wir es begrüßen, das gibt natürlich den Hengsthaltern sehr viel Spielraum im Einsatz ihrer Hengste im Deckgeschäft.“ Doch Ahlers nutzte die Versammlung der Vertreter der deutschen Pferde- und Ponyzuchtverbände, um generelle Denkanstöße loszuwerden: „Das ganze Kör- und Prüfungssystem funktioniert schon seit Jahren nicht mehr“. Er mahnte an, dass mit dem Wegfall dieses Selektionskriteriums die Position der deutschen Pferdezucht im weltweiten Wettbewerb geschwächt werden könnte. „Welche Signale senden wir aus, auch in Richtung Ausland?“ Man müsse Qualität behalten.

In ein anderes Horn hatte Holsteins Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen gestoßen. Er arbeitet schon lange in dem Arbeitskreis, der sich über Jahre mit Reformierungen des Hengstleistungsprüfungssystems beschäftigt. „Es ist eine andere Züchterschaft, sie sind mündig und entscheiden selbst. Wir sollten Ergebnisse dem Züchter zur Verfügung stellen. Der kann dann entscheiden.“ Dr. Nissen rief in Erinnerung, dass die Zuchtverbände Möglichkeiten hätten, individuell über ein Prämiensystem die Ergebnisse der Hengstleistungsprüfungen in die Zuchtplanung einzubeziehen. Auch Nissen weiß: „Es findet gar keine Selektion mehr statt“. Sein Appell: „Lassen Sie uns doch ehrlich sein und wir lassen die Mindestnote weg, die Züchter entscheiden selbst.“

Gisela Hinnemann aus dem FN-Präsidium ist im richtigen Leben Lehrerin. Sie gab mit Blick auf die derzeit praktizierten Formen der Veranlagungs- und Sporttests zu bedenken: „Was hier geplant ist, ist eine Präsentation des Hengstes, eine teure“. Als Lehrerin aber sagte sie: „Wenn man ’ne Prüfung macht, muss man auch durchfallen können.“

Während in den 50-Tage-Prüfungen die Durchfallquoten bei 23 Prozent lagen, fielen in den Sporttests deutlich weniger Hengste durch. Außerdem können Hengsthalter ihre Pferde aus dem dreitägigen Sporttest abziehen, was auch häufig geschieht. Vor der Abstimmung hatte Antje Kerber, Geschäftsführerin des Landgestüts Redefin, mit Nachdruck auf Meinungsbild aus der Abstimmung des Hengsthalterverbandes verwiesen: „21 abstimmungsberechtigte Hengsthalter waren vor Ort. 19 haben gegen die Abschaffung gestimmt und es gab zwei Enthaltungen“. Aus ihrer Sicht stellte die Abschaffung der Mindestnote einen „Rückfall in die Lächerlichkeit“ dar. Das anschließende Abstimmungsergebnis für den Verbleib der Mindestnote bei Hengstleistungsprüfungen gab ihr Recht.

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