Hagen: Dresden Mann gewinnt Louisdor Preis, Tränen bei Isabell Werth

Ingrid Klimke und Dresden Mann

Ingrid Klimke und Dresden Mann (© Julia Rau)

Mit 76,512 Prozent sicherte Ingrid Klimke sich auf ihrem neunjährigen Dresden Mann aka „Alfi“ überlegen die erste Etappe des Louisdor Preises, der Grand Prix-Prüfung für Nachwuchspferde, in Hagen.

Ich bin ganz ganz glücklich, meinte die zweifache Mannschaftsolympiasiegerin der Vielseitigkeit nach der Siegerehrung. Kein Wunder. Ihr einst als Hengst doch recht frecher Dresemann-Florestan-Sohn Dresden Mann hat sich inzwischen zum Musterknaben entwickelt. Seit Münster (wo er ebenfalls zweimal gewonnen hat, Anm. d. Red.) hat er mehr Kraft bekommen und ist gelassener geworden. Er war in beiden Prüfungen konstant konzentriert und aufmerksam. Der Schwarze war heute nicht ganz so stabil in der Anlehnung wie noch in der ersten Aufgabe, ging aber sehr präzise. Das war ein Ritt, in dem alles funktioniert hat, kommentierte FN-Ausbildungsbotschafter Christoph Hess, der für jeden der Ritte gewohnt warme Worte fand. Highlights der Prüfung waren zum Beispiel die geschmeidigen Trabtraversalen, die gleichmäßigen Passagen und der gelassene und großzügige starke Schritt. Nach diesem Sieg mit 76,512 Prozent hat Ingrid Klimke das Kapitel Louisdor Preis für diese Saison abgeschlossen zumindest bis zum Finale in Frankfurt. Stattdessen soll Alfi jetzt internationale Luft schnuppern beim Wiesbadener Pfingstturnier, wo er die Kür unter Flutlicht geht.

Für Isabell Werth war dies ein bewegender Tag, der mit dem zweiten Platz (74,977 Prozent) auf der neunjährigen und wie Dresden Mann in Westfalen gezogenen Belissimo M-Tochter Bella Rose endete. „Ich bin über-, überglücklich, so ein Pferd noch einmal zu haben. Ich könnte heulen vor Glück“, gestand sie im Interview direkt nach dem Ritt und tat das dann auch gleich. Später fügte sie noch hinzu: „Dieses Pferd ist ein Geschenk!“ Tatsächlich ist die Stute nach Werths Geschmack eher übereifrig und mit einem Temperament ausgestattet, dass es nun „in die richtigen Bahnen zu lenken gilt“, sagt ihre Reiterin. In der Trabtour gelingt das schon ganz hervorragend. Die Kadenz, der Takt und die federnde Leichtigkeit, die Bella Rose in Piaffen, Passagen und auch den Übergängen zeigt, wird eines Tages sicher auch mal die eine oder andere 10 wert sein. Heute gab es zumindest schon dreimal die 9 neben vielen Achten. Auch überzeugend (wie bei eigentlich allen von Isabell Werths Pferden): die Traversalen. Auch hier gab es ein sehr gut. Im Galopp steht die Stute sich noch selbst im Weg mit ihrem Übereifer. Da kommt Werth noch nicht genug zum Reiten. Aber das ist wohl eine Frage der Zeit. Von der die fünffache Olympiasiegerin viel hat. Sie profitiert von den Fehlern, die ich bei anderen Pferden gemacht habe, sagte sie im anschließenden Interview. Aber bis 2016 sollte sie soweit sein, zumindest, wenn es nach Christoph Hess geht. Der bezeichnete sie nämlich schon als Kandidatin für Rio: „Sie bringt alles mit, was ein Olympiapferd braucht.“

Dritte wurde Brigitte Wittig auf dem nach dem Wittigschen Erfolgsrezept Breitling W mal Diego xx selbst gezogenen Balmoral W mit 70,233 Prozent. Die beiden lieferten eine solide Runde mit vermeidbaren Fehlern in den Einerwechseln, dafür aber schönen Wechseln zu zwei Sprüngen, einer ziemlich guten ersten Piaffe, der eine matte Zweite solche folgte, an die sich eine gute dritte anschloss. Die Pirouetten hätten noch besser gesprungen sein können. Aber insgesamt ein grundsolider Ritt, wie Christoph Hess resümierte. Balmoral ist sehr konstant mit drei guten Grundgangarten und viel Leistungsbereitschaft, fasste sie die Eigenschaften ihres Braunen deutlich nüchterner zusammen als ihre Vorrednerin. Wie Dresden Mann soll auch Balmoral nun bis zum Finale der Serie erstmal ein wenig internationale Luft schnuppern.

Vierter wurde mit 69,674 Prozent der Zweitplatzierte der Einlaufprüfung, Rudolf Zeilingers Baden-Württemberger Infinio v. Indigo-Corofino. Der zehnjährige Braune und der dnische Nationaltrainer haben hier in Hagen ihr erstes gemeinsames Turnier bestritten, dies war demzufolge die zweite Prüfung. Das Pferd verfügt über eine ganz große Elastizität im Trab mit ganz viel Mechanik und ist dabei sehr locker und geschmeidig. Den ausdrucksstarken und gleichmäßigen Passagen stehen allerdings schwache Piaffen gegenüber, die heute Punkte kosteten. Da stütz der Wallach vorne und verliert seinen Takt. Zeilinger: Er will noch zu viel, er muss lernen, mit seinem Körper zurecht zu kommen. Dann werden die Piaffen genauso ausdrucksvoll wie die Passagen. Wir werden sehen.

Zeilinger hatte noch ein zweites Eisen im Feuer, ein Pferd, das man mit der Abstammung Casall-Lord eher auf dem Springplatz vermuten würde: den Holsteiner Crescendo, der heute Sechster wurde mit 68,651 Prozent.

Dazwischen schob sich mit 68,791 Prozent Nadine Capellmann auf ihrem im vergangenen Jahr erworbenen Darc Dynamic, einem Don Vino-Hohenstein-Sohn, den sie einfach haben musste, nachdem sie ihn ausprobiert hatte und der besonders in der Trabtour überzeugt.

Ebenfalls platziert waren Isabell Werths Bereiter Matthias Bouten auf dem Ehrentusch-Rohdiamant-Sohn Ehrengold MJ, einem Ebenbild seines Vaters, als Siebter (68,558) und Jessica Werndl, die sich in Kürze mit einem Vielseitigkeitsreiter das Ja-Wort geben wird, auf dem Hannoveraner Waterkant v. Wolkenstein II-Matcho AA (66,372).

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