Entgiften, mehr Training, kontrollierter Füttern – ein dickes Pferd richtig auf Diät setzen

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Süß, aber eindeutig zu dick: vor allem kleine Ponys neigen zu Übergewicht, da sie oft "nur" als Beistellpferd fungieren und viel auf der Weide stehen und keine feste Aufgabe haben. (© www.slawik.com)

Wie beim Menschen, so beim Pferd. Nicht immer, aber in diesem Fall schon, denn ein dickes Pferd gehört auf Diät gesetzt, sonst leidet nicht nur der Organismus, auch das Training macht nur halb so viel Spaß. Hier lesen, wie der Winterspeck schmilzt.

Heilfasten, grüne Smoothies und Entschlackungskuren – der Mensch hat mittlerweile einige Mittel und Wege gefunden, um besser bzw. gezielter Körpergewicht verlieren zu können. Auch den Pferdekörper können solche Methoden unterstützen. Aber um ein dickes Pferd richtig auf Diät zu setzen, braucht es mehr als ein paar grüne Smoothies.

1. Entgiften ja, aber…

Beim Menschen ist es schon nichts Neues mehr, wenn man vor einer Diät erstmal ein paar Tage fastet. Ziel des Ganzen ist die Entgiftung des Körpers im Allgemeinen und der Leber und Niere im Speziellen. Aber auch das Immunsystem kann durch eine Entgiftungskur wieder auf Vordermann gebracht werden. Doch anders als beim Menschen sollte ein Tierarzt vor einer möglichen Entgiftungskur ein Blutbild machen. Sind die Nieren- und Leberwerte schlecht, kann eine chronische Vergiftung vorliegen. Um das weiter eingrenzen zu können, kann ein niedriger Zinkwert noch auf eine Entgiftung hindeuten, denn der Nährstoff sorgt unter anderem dafür, dass die giftigen Stoffe nicht zurück in die Leber wandern, sondern über den Darm ausgeschieden werden. Körperliche Anzeichen können sein: müde, leerkauen oder anderes untypisches Verhalten.

Mit Kräutern ausleiten

Eine chronische Vergiftung wird auf zwei Wegen behandelt:

  1. Der Organismus wird angeregt, um Giftstoffe und Toxine auszuscheiden.
  2. Leber, Niere und Immunsystem werden systematisch wieder aufgebaut

Im Folgenden werden Kräuter aufgelistet, die empfohlen werden für eine Ausleitung, aber eine genaue Dosierung muss unbedingt mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

  • Kapuzinerkresse: baut chronische Entzündungen ab
  • Mariendistel und Brennnessel: unterstützen die Leberfunktion
  • Goldrute und Brennnessel: leiten Giftstoffe und Toxine aus
  • Pilze/Shiitake und Reishi: leiten aus, bauen aber zusätzlich noch das Immunsystem auf
  • Homöopathische Mittel/Sulfur und Lycopodium: unterstützen die Leber, dass die Giftstoffe schneller ausgeleitet werden können
St.GEORG

Kapuzinerkresse kann einer Entgiftung zum Einsatz kommen. (© St.GEORG)

2. Ein dickes Pferd richtig füttern

„Man muss dem Dauerfresswunsch der Pferde nachkommen, aber darf ihnen dennoch nicht zu große Mengen und nicht zu energiereiches Futter anbieten“, erklärt Prof. Winter von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen. Denn in freier Wildbahn fressen Pferde bis zu zwölf Stunden täglich und machen dabei rund 60.000 Kauanschläge. Diese sorgen dafür, dass das Pferd zufrieden ist und nicht verhaltensauffällig wird.

Gut

Energiearmes Raufutter kontinuierlich über den Tag hinweg in kleineren Mengen füttern. Am besten eignet sich Heu vom zweiten oder dritten Schnitt, das man mit Futterstroh mischt, um den Energiehaushalt zu reduzieren. „Für ein 600 Kilogramm schweres Pferd, das neun Kilogramm Raufutter bekommen sollte, würde ich eine Mischung aus fünf Kilogramm Heu und vier Kilogramm Futterstroh ansetzen“, so Prof. Winters Rat. Zu viel Stroh darf es aber auch nicht sein, meint der Experte, denn das schwer verdauliche Stroh kann sich negativ auf die Verdauung auswirken. Evtl. kann man auch die Mischung in ein Heunetz füllen, dann sind die Pferde länger beschäftigt. Bei jeder Diät sollte man auf die ausreichende Vitamin- und Nährstoffversorgung achten.

Schlecht

Weidegras ohne Maß, denn Gras ist Energielieferant Nummer eins. Entweder die Weidezeit begrenzen oder eine abgegraste Weide wählen. Energiereiches Futter wie Hafer, Müsli und Öl entweder aus dem Futterplan streichen oder reduzieren. Auch Stroheinstreu sollte überdacht werden, denn hungrige Pferde könnten entsprechend viel davon fressen und dann eine Kolik bekommen.

3. Das richtige Training fürs Moppelchen

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Bei zu dicken Pferden sollte das Training intensiviert werden. (© www.slawik.com)

Ist das Pferd nicht bewegungseingeschränkt und sollte es normal gearbeitet werden. Damit das Pferd an Körpergewicht verliert, bzw. Fett abbaut, muss entweder das Training ausgebaut werden oder aber die Futterration deutlich gesenkt werden. Kommt darauf an, wie viel Kilogramm zu viel auf den Rippen sind. Übergewicht entsteht heute oft nicht mal aus dem Grund, dass die Pferde zu wenig arbeiten, aber sie bewegen sich zu wenig. Bedeutet, in manchen Ställen kommen die Vierbeiner für eine Stunde intensives Training aus der Box und danach wieder zurück in die vier Wände gestellt. Schon längere Paddock-Aufenthalte sorgen automatisch für mehr Bewegung oder die Führanlage. Optimalerweise besteht die Trainingswoche aus mehreren unterschiedlichen Einheiten. Tage, an denen intensiv trainiert wird und der Puls auch mal in die Höhe schnellt und dann wieder Tage, sogenannte Erholungstage, an denen nur leichtes Training angesagt ist. Ein gesundes Pferd braucht täglichen Auslauf und tägliche Bewegung, die mal intensiver und mal weniger intensiv sein darf.

Zuschläge an umsetzbarer Energie

Auch, wenn Sie gerade dabei sind, die Kraftfutterrationen zu kürzen, können bestimmte äußere Bedingungen dazu führen, dass der Bedarf wieder steigt. Das ist der Fall, wenn:

  • Bei Hitze oder extremer Kälte – bis zu 10 Prozent mehr Futter braucht der Vierbeiner
  • Fehlende Anpassung des Organismus‘ an die Umwelt – bis zu 20 Prozent mehr Futter nötig
  • Offenstall, Gruppenhaltung, stundenweiser Weidegang, kleine Weiden, einzeln oder in Gruppen – bis zu 10 Prozent mehr Energie
  • Weidehaltung in der Herde auf großen Flächen, Hangkoppeln – der Bedarf kann um 50 Prozent steigen
v.Korff

Kalte Temperaturen, Hangkoppeln und Weidehaltung – die Herde hat ordentlich Energiebedarf.

4. Krankhafte Folgen bei dauerhaftem Übergewicht

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Leidet das Pferd an Hufrehe, kann es nur unter Schmerzen stehen und gehen. (© www.slawik.com)

Pferde, die dauerhaft zu viele Kilos auf den Rippen haben, können krank werden. Nicht nur, dass die Gelenke vorzeitig verschleißen können, auch Sehnen und Bänder können durch das Gewicht belastet werden. In besonders schwer wiegenden Fällen kann der Stoffwechsel zum Erliegen kommen, bzw. seine Arbeit einschränken.

Equines Metabolisches Syndrom, EMS

Zu wenig Bewegung und zu viel Futter sind die Ursachen für di Erkrankung des Energie- und Zuckerstoffwechsels. Es sind deutliche Fettpolster zu sehen, der Blutzuckerspiegel steigt an und es kann sich eine Insulinresistenz bilden.

Hufrehe

Taucht oft im Frühjahr auf, wenn die Weiden noch saftig und frisch sind. Dann sind die Gräser wahrhaftige Eiweiß- und Energiebomben. Damit kein Überschuss entsteht, sollten Pferde nicht hungrig auf die Weide gehen. Dann ist die Gier nicht zu groß. Besteht der Verdacht von Hufrehe, muss sofort ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, denn im schlimmsten Fall können die Tiere ausschuhen. Das ist heute vor allem sehr schmerzhaft, bedeutete aber auch bis vor ein paar Jahren noch das Todesurteil. Heute hat die Medizin mehr Möglichkeiten.

Leber- und Nierenerkrankungen

Schon wie in Punkt eins beschrieben, sind Leber und Nieren dafür zuständig, dass alles Gift ausgeschieden wird. Erst im Überschuss zu Gift wird Protein, also Eiweiß. Denn nur ein Teil des aufgenommenen Eiweißes ist auch dünndarmverdaulich. Wird zu viel Eiweiß aufgenommen, kann die Leber es nicht mehr verstoffwechseln, es kann zu Schäden kommen.

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