EOTRH: Wenn die Zähne des Pferdes schmerzen

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Auch wenn noch nicht klar ist wie EOTRH entsteht: Eine regelmäßige Zahnpflege ist wichtig. (© www.slawik.com)

EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis) ist eine schmerzhafte und unheilbare Erkrankung der Pferdezähne. Einen Verdachtsfall sollte man schnell tierärztlich abklären, um dem Pferd unnötige Schmerzen zu ersparen und Zähne zu retten.

EOTRH ist immer eine erschreckende Diagnose. Sie bedeutet für das Pferd oft eine starke Entzündung im Kiefer, extreme Schmerzen und Zahnverlust. Häufig entwickelt sich diese Erkrankung unbemerkt, unterhalb des Zahnfleisches und wird erst in einem späten Stadium bemerkt. Für den Besitzer heißt es, die richtige Entscheidung im Sinne seines Pferdes treffen zu müssen. Eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe.

Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis

Bei immer mehr Pferden wird die Diagnose „Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis“, kurz EOTRH, gestellt. Zum einen, weil man diese Krankheit vor zehn Jahren noch nicht kannte, zum anderen weil es immer mehr ältere Pferde gibt – Pferde ab einem Alter von 15 Jahren sind am häufigsten betroffen. Seltener tritt es bei jüngeren Tieren auf.

Wie es zu dieser Krankheit kommt, ist bis heute noch nicht geklärt. In der Diskussion stehen aber mögliche Auslöser wie eine höhere mechanische Belastung der Schneidezähne bei älteren Pferden, absterbendes Gewebe durch mangelhafte Durchblutung, genetische Gründe, Kalziummangel, langfristiger Mineralienmangel oder auch Vitaminüberschuss.

Prof. Dr. Staszyk von der Justus-Liebig-Universität Giessen hat herausgefunden was bei der EOTRH-Erkrankung passiert: „Bei EORTH sind vor allem die Schneidezähne betroffen. Dort findet zunächst ein Abbau der Zahnsubstanz durch körpereigene Zellen statt, den Odontoklasten. Der Körper will diesen Abbau reparieren und bildet Material, das dem Zahnzement ähnlich ist. Es bilden sich knollenartige Formationen in den Zahnfächern, die sich rings um den Zahn ausbreiten und das ist sehr schmerzhaft.“ Diese exzessive Zahnzementablagerung wird auch Hyperzementose genannt.

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Um die mechanische Druckbelastung zu verringern, werden die langen Schneidezähne eingekürzt. (© www.slawik.com)

Schmerzhafte Zahnkrankheit

Die betroffenen Zähne sind jetzt besonders druck- und schmerzempfindlich, das Zahnfleisch des Pferdes entzündet sich und bildet sich zurück. Der Großteil dieses entzündlichen Prozesses findet unter dem Zahnfleisch statt, weshalb die Erkrankung nicht sofort zu erkennen ist. Ein Alarmsignal sind jedoch oft kleine rote Pünktchen im Zahnfleisch oder manchmal auch kleine Eiterbläschen. Das Zahnfleisch wirkt zudem durch diese knollenartigen Zubildungen an der Zahnwurzel deformiert und wulstig.

Als Folge des Zahnfleischrückgangs und des Entzündungsprozesses entstehen häufig Fisteln und Abszesse und die Zähne lockern sich. Hinzu kommt ein starker Mundgeruch. Festsitzende Futterreste in den Zahnzwischenräumen verstärken aufgrund der vermehrten Bakterienbildung Entzündung und Mundgeruch. Der Kiefer und gesamte Zahnhalteapparat sind von dieser Erkrankung betroffen.

Durch die starken Schmerzen beim Fressen, nimmt das Pferd weniger Futter auf und magert zusehends ab. Auch Berührungen am Maul oder gar ein Trensengebiss erzeugen aufgrund der Schmerzen Abwehrreaktionen.

EOTRH ist eine unheilbare Zahnerkrankung

Rückgängig machen lässt sich dieser Prozess nicht mehr, deswegen gilt die Krankheit als unheilbar. Die Therapieansätze, um EOTRH zu stoppen und dem Pferd die Schmerzen zu nehmen, sind unterschiedlich. Entzündungshemmende und desinfizierende Mittel kommen zum Einsatz, gute Erfahrungen soll
 es auch mit speziellen Heilpilzen geben. Ob bzw. wann erkrankte Zähne gezogen werden müssen, darin sind sich Tierärzte uneinig. Einige empfehlen, nur im Notfall ein bis zwei Zähne zu ziehen, um dem Pferd die Qualen zu ersparen und die Krankheit zum Abheilen zu bringen.

Andere Tierärzte hingegen extrahieren die Zähne bereits früher, um Entzündungen rechtzeitig zu stoppen. Sie sind der Ansicht, dass Pferde auch ohne Schneidezähne gut zurecht kommen.

„Ziel bei dieser Krankheit muss es sein, den Prozess sehr früh 
zu erkennen. Ich bin überzeugt, wenn die Zähne regelmäßig angeschaut werden, dass frühzeitige Maßnahmen möglich sind, um die entzündlichen Prozesse zu verlangsamen oder zu stoppen“, so Prof. Staszyk.

Problematik: Ein Pferd ohne Schneidezähne?

Nicht nur bei EOTRH kann es nötig werden, einen Schneidezahn oder mehrere Zähne zu ziehen: Auch bei einer Fraktur, bei einer fortgeschrittenen Infektion im Zahn, bei fortgeschrittener Parodontose oder etwa bei Wolfszähnen. Der Tierarzt warnt davor Zähne bei anderen Erkrankungen zu früh zu ziehen: „Zähne werden relativ häufig gezogen, aber man muss sicher sein, dass die Extraktion nötig ist und es keine alternative Therapie gibt.“ Aufgrund des fehlenden Zahns verändert sich auch die Anatomie des Pferdegebisses.

Die übrig gebliebenen Zähne wollen zusammenrücken, es können sich dadurch enge Lücken bilden, in denen sich Futterreste ansammeln – Achtung: Parodontose-Gefahr! Außerdem fehlt einem Zahn dann ein Gegenspieler, so dass sich dieser zu wenig abreibt und sich unverhältnismäßig weit herausschiebt. Er muss regelmäßig gekürzt werden. In manchen Fällen gibt es als Alternative zur Extraktion die Möglichkeit, dass der Zahn gezogen, die Nerven entfernt, der Zahn verfüllt und wieder eingesetzt wird.

Dennoch kommen Pferde oft auch ohne Schneidezähne zurecht. Man sollte aber ein besonderes Augenmerk darauf haben, dass das Pferd genügend Heu zu sich nehmen kann und gegebenenfalls das Pferdefutter mit Heucobs unterstützen. Die Fütterung sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden.

Röntgenbilder geben Aufschluss

Um einen Verdachtsfall abzuklären und eine sichere Diagnose stellen zu können, kann man Röntgenbilder der Maulhöhle und des Kiefers erstellen. Anhand der Röntgenaufnahmen kann man auch erkennen in welchem Stadium sich die EOTRH-Erkrankung befindet. Dazu wird die Röntgenplatte zwischen die Schneidezähne in die Maulhöhle geschoben. Das Pferd muss man dafür in der Regel sedieren.

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Solange ein Pferd so genüßlich, kraftvoll in eine Möhre beißt, spielt EOTRH keine Rolle. (© www.slawik.com)

Hilfe durch Mykotherapie: Vitalpilze fürs Pferd

Rund ein Dutzend der bekannten Pilzarten gelten aufgrund ihres Gehalts an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sowie des positiven Einflusses auf das Immunsystem als Vitalpilze. Die Wirkung der Heilkräfte von Vitalpilzen, die man manchmal auch einfach als Heilpilze bezeichnet, konnte man beim Menschen inzwischen wissenschaftlich nachweisen.

Beim Pferd gibt es bereits gute Erfolge in der Behandlung von Hautproblemen und Ansätze die EOTRH-Erkrankung mit Vitalpilzen zu behandeln. In Einzelfällen, sollen hier ebenfalls Behandlungserfolge erzielt worden sein, der endgültige wissenschaftliche Durchbruch ist aber bisher noch nicht gelungen.

Dr. Ina Gösmeier, Expertin für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), legt Wert darauf, dass immer der ganze Pilz zum Einsatz kommt, also sowohl das Myzel aus der Wurzel, als auch der Fruchtkörper – in pulverisierter Form natürlich. Und sie sagt: „Ich wende immer nur einen Pilz an, nicht alle auf einmal. Heutzutage werden Mischungen mit allen möglichen Zusatzstoffen und Vitaminen angeboten. Davon halte ich nichts. Der Pilz allein ist schon vollständiger als jede Vitamintablette und optimal, so wie er ist.“

Wie die Vitalpilze heilen helfen

Dr. Ina Gösmeier, die mit diesen Vitalpilzen beim Pferd bereits viele Erfahrungen gesammelt hat, erklärt: „Vitalpilze verfügen über so genannte Adaptogene, die dem Körper helfen, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Sie stabilisieren das Immunsystem, entgiften den Körper und manche wirken sogar antibiotisch. Pilze zählen zu den ältesten Lebewesen der Erde. Um sich an die immer wieder veränderten Lebensbedingungen anzupassen, haben sie eigene Wirkstoffe entwickelt, mit denen sie sich sozusagen selbst heilen können und von denen wir profitieren.“

Allerdings dauert es etwas, bis sich erste sichtbare Erfolge zeigen. Dr. Ina Gösmeier kalkuliert bei einer Therapie mit Vitalpilzen rund zehn Wochen Behandlungszeit ein. Eine erste Reaktion, beispielsweise auf der Haut, kann man aber bereits nach 14 Tagen feststellen.

Zu den wirksamen Inhaltstoffen der Vitalpilze zählen entzündungshemmende, antiviral und antitumoral wirkende Vielfachzucker (Polysaccharide), schwefelartige Aminosäuren (Ergothioneine), die als Radikalfänger wirken, äußerst wirksame Antioxidantien wie Gerbsäuren (Polyphenole), antioxidative, blutdruck- und cholesterinsenkende sowie schmerzstillende Kohlenstoffverbindungen (Triterpene) und noch einiges anderes Gesundes.

Angewandte Vitalpilze

Als Beispiel solcher bekannten Heilpilze fürs Pferd, kann man sicherlich den Reishi (Glänzender Lackporling) nennen, dem wahre Wunderkräfte zugeschrieben werden. In China ist er auch als „Pilz der tausend Leben“ bekannt ist. Er soll sowohl positiv auf Immunsystem und Stoffwechsel wirken, als auch ausgleichend auf die Psyche. Außerdem ist er der Pilz der Wahl bei Haut- und Lungenproblemen, die in der chinesischen Medizin immer zusammenhängen und soll auch bei Allergien und Herzproblemen helfen.

Der bei uns als Speisepilz beliebte Shiitake (in China der „Königspilz“) bekämpft Entzündungen und kann gegen Hufrehe und Arthrose eingesetzt werden.

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Zu den Vitalpilzen zählen auch Varianten des Wiesenchampignons – aber Vorsicht! Es gibt auch giftige Vertreter. (© M.Dörr & M.Frommherz - Fotolia)

Parodontose: Zahnfleischentzündung beim Pferd

Während bei uns Menschen Erkrankungen des Zahnfleisches eher an der Vorderseite der Zähne auftreten, findet Parodontose beim Pferd in den Zahnzwischenräumen statt. diese Räume bilden sich, wenn die Zähne falsch stehen. „Treten solche Entzündungen auf, dann wurde das Gebiss von der Anatomie her nicht gut angelegt oder es handelt sich um Zahnzwischenräume, die sich im Laufe der Jahre gebildet haben“, so Zahnspezialist Dr. Lewin. „Es wird auch diskutiert, dass ungenügendes oder unausgewogenes Raspeln der Kauflächen diese Situation verstärken kann.“

Bei Parodontose wird beim Kauen Futter in die Zwischenräume gedrückt, wo es fest sitzt. Pferde haben nicht die Möglichkeit, solche Futterreste mit der Zunge aus den Zwischenräumen zu holen. „Wie ein Keil sitzt das Futter im Spalt und drückt auf die Schleimhaut, die sich entzündet. Die Entzündung kann dann bis zum Knochen reichen und das ist sehr schmerzhaft“, erklärt der Tierarzt.

Regelmäßige Zahnbehandlungen tragen dazu bei, dass es nicht so weit kommt. Ist das Problem jedoch schon vorhanden, hängt es vom Einzelfall ab, welche Therapie sinnvoll ist.

„Bei manchen Pferden reicht es aus, das Kauflächenrelief durch Raspeln zu verbessern. Teilweise muss man die Spalträume oberflächennah öffnen, so dass das Futter von selbst wieder aus dem Zahnzwischenraum rutschen kann“, erklärt Dr. Lewin. Hilft das nicht, kann es nötig sein, dass ein Tierarzt nach dem Freifräsen des Zwischenraums diesen mit einem bestimmten Zahnersatzmaterial auffüllt. „Ziel ist es, die Entzündung darunter zum Abheilen zu bringen, damit sich auch der Zahnhalteapparat regenerieren kann.“

Zahnprobleme: Auch Pferde haben Karies

Auch bei kariesähnlichen Erkrankungen ist noch nicht genau geklärt, was alles zu diesem Problem führt. „Es sind nicht nur Zucker, Obst oder ähnliches dafür verantwortlich“, erklärt Dr. Walter Lewin. Fakt jedoch ist, dass auch Pferde an Karies leiden: sowohl auf der Kaufläche (insbesondere bestimmte Oberkieferbackenzähne) als auch am seitlichen Außenbereich. In den Löchern kann sich Futter festsetzen und faulen. Außerdem besteht das Risiko, dass durch Karies die Wurzeln angegriffen werden.

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