Heunetze: Was man wissen sollte

pferd-im-paddock-trail

Pferd frisst aus dem Heunetz (© www.slawik.com)

Ein Heunetz verlangsamt nicht nur die Fressgeschwindigkeit der Pferde, es verhindert auch das Verteilen des Heus in der Box und sorgt für eine stetige Nahrungsaufnahme. Doch Heunetz ist nicht gleich Heunetz. Welche Maschengröße ist empfehlenswert? Besteht Verletzungsgefahr? Wie ist das Heunetz anzubringen? Und wie ist es am einfachsten zu befüllen? Fragen über Fragen, die im Folgenden geklärt werden. 

2018 war in vielen Regionen ein katastrophales Jahr, was die Heuproduktion betrifft. Daher gibt es diesen Winter kaum Heu zu kaufen. Und wenn, wird es zu Preisen gehandelt, die viele Stallbesitzer zwingen, die Boxenmieten zu erhöhen. Da Heu eines der wichtigsten Nahrungsmittel für das Pferd ist, ist es umso bedeutender, sparsam mit dem teuren Gut umzugehen. Heunetze helfen dabei.

Wichtig: Kontinuierliche Nahrungsaufnahme

In unseren heutigen Sport- und Freizeitpferden steckt noch immer der Verdauungstrakt der einstigen Steppenbewohner. Aufbau und Funktion von Magen-Darmtrakt haben sich nicht verändert. Das bedeutet, dass das Pferd dauernd kleine Futtermengen zu sich nehmen muss. Länger als vier Stunden sollte der Magen nicht ohne Beschäftigung bleiben, da sonst die Gefahr besteht, dass die Magensäure die Magenwände angreift. Es droht ein Magengeschwür.

Um dies gewährleisten zu können, ist ein Heunetz ideal. Die Maschen entschleunigen die Futteraufnahme. Und zwar drastisch. Ein Beispiel: Bei einem Kilogramm Heu im Heunetz mit 4×4 Zentimeter großen Maschen verlängert sich die Fressgeschwindigkeit von 34 Minuten (bei losem Heu) auf 66 Minuten. Dies ergab eine Untersuchung der Hoogeschool Van Hall Larenstein in den Niederlanden und der Georg-August-Universität in Göttingen.

Die Position des Heunetzes

Neben diesen offensichtlichen Vorteilen, birgt das Heunetz jedoch auch Risiken und Gefahren für das Pferd. In der Regel sollte das Heunetz möglichst tief, am besten auf dem Boden angebracht werden, umso das natürliche Fressverhalten beziehungsweise die Haltung während des Grasens nachzuahmen. Leider kommt es bei tief angebrachten Heunetzen leicht zu Verletzungen.

Dabei ist das Risiko bei unbeschlagenen Pferden nicht so hoch, wie bei Pferden mit Hufeisen. Beschlagene Pferde können sich leicht mit dem Schenkel des Hufeisens im Heunetz verfangen und sind somit einer erhöhten Verletzungsgefahr ausgesetzt. Platziert man das Heunetz an einer höhergelegenen Stelle wird wiederum die natürliche Fressposition des Pferdes nicht nachgeahmt, sodass es zu Muskelverspannungen und falschem Zahnabrieb kommen kann.

Besonders heikel sind dabei freihängende Heunetze. Hier muss das Pferd sich besonders anstrengen, um ausreichend Heu aus dem Netz zu gewinnen. In vielen Fällen ist dabei eine dauerhafte Fehlhaltung gegeben. Eine bessere Alternative bieten somit viereckige Heunetze, die direkt an der Wand angebracht werden können. Hier minimieren sich die Chancen auf eine Fehlhalten des Kopfes sowie das Hängenbleiben durch Hufeisen.

Auszuschließen ist eine Verletzungsgefahr jedoch nicht. Gerade ungeduldige Pferde schlagen und scharren während des Fressprozesses mit ihren Hufen – manchmal auch in der Höhe.

Inwiefern machen engmaschige Heunetze Sinn?

Die Meinung in Bezug auf die Maschengröße von Heunetzen gehen auseinander. Generell sollte man jedoch keine allzu kleinen Maschen wählen. Zwar kann das Pferd durch größere Maschen schneller fressen, allerdings sollte es ihm auch möglich sein, ohne allzu große Anstrengung ein Heubüschel aus dem Netz zu entnehmen. Ist das nicht der Fall, kann Fressfrust das Resultat sein. Das Pferd wird ungeduldig.

Dies kann zu diversen Problemen führen: Das Pferd wird unruhig, beginnt zu scharren, beißt und zieht an dem Heunetz. Ein weiteres Problem ist, dass Pferde bei einer zu kleinen Maschengröße anfangen, mehr zu rupfen und weniger zu kauen. Gerade das Kauen ist jedoch sehr wichtig für den Verdauungsvorgang. Es regt die Speichelproduktion an und sorgt so für einen natürlichen Puffer, dem das Pferd der Magensäure entgegensetzen kann, bestätigt Julie von Bismarck, gelernte Osteopathin und Beraterin im Pferdebereich.

Schlussendlich lässt sich sagen: Zu engmaschige Netze können Fressfrust, Hunger und schnelles Kauen begünstigen. Die engeren Maschen verringern jedoch gleichzeitig die Verletzungsgefahr, verlangsamen die Fressgeschwindigkeit und verlängern die Beschäftigungsdauer des Pferdes. An dieser Stelle sollte jeder Pferdehalter im Individualfall abwägen, welche Maschengröße inklusive jeweiliger Vor- und Nachteile für das entsprechende Pferd sinnvoll ist.


Übrigens:

Sie brauchen ein neues Heunetz? Mit dem St.GEORG-Paket bekommen Sie einen Gutschein im Wert von 40€ für www.heunetz.de ohne Zuzahlung! Hier bestellen!


Die richtige Anwendung von Heunetzen – nicht immer einfach

Trotz der Risiken  gewährleisten Heunetze eine kontinuierliche und gut portionierte Nahrungsaufnahme, die beim Pferd als ehemaligem Steppenbewohner durchaus sinnvoll ist. Zudem gilt es gleichzeitig zu bedenken, dass in der Regel kein Pferd sofortigen Schaden im Hals oder an den Zähnen durch engmaschige Heunetze nimmt. Dies ist ein schleichender Prozess, der bei dauerhaft falscher Haltung des Pferdes und ungünstiger Position des Heunetzes geschieht.

Beobachtet man das Pferd und sein Verhalten, verschiebt und optimiert man das Heunetz regelmäßig, dürfte das Risiko von dauerhaften Schäden verringert werden. Denn natürlich kommen Pferde auch in freier Wildbahn nicht immer ohne weiteres an ihr Futter heran und müssen unter Umständen ungünstige Fresspositionen einnehmen. Dies darf lediglich kein Dauerzustand sein.

Heunetz für Rundballen oder Heuraufen

Gerade für Pferde in der Offenstallhaltung macht ein Rundballen, geschützt durch ein Heunetz Sinn. Möchte man sich die Heuraufe für den Offenstall sparen oder lehnt die Fütterung aus Heuraufen generell ab, so ist die Überspannung eines Rundballens mittels eines großen Heunetzes sinnvoll. Dies verringert die Fressgeschwindigkeit und gibt mehreren Pferden gleichzeitig die Möglichkeit, im richtigen Tempo Heu zu sich zu nehmen.

Und auch Pferde in Einzelboxen werden häufig nicht mit losem Heu gefüttert, sondern haben individuelle Heuraufen in denen mehrmals am Tag Heu gereicht wird. Zwar verhindern die Stäbe der Raufe unter Umständen eine beschleunigte Heuaufnahme, allerdings reicht dies bei einigen Pferden nicht aus, sodass eine Abdeckung der Heuraufe mit einem Netz empfehlenswert ist.

Tipps & Tricks

Wie viel Heu braucht mein Pferd eigentlich?

Für die Ernährung eines Pferdes ist Heu das A und O. Das Raufutter dient der Deckung des Nährstoffbedarfs und das Fressen des Heus beschäftigt das Pferd über einen längeren Zeitraum. Unabdingbar ist Heu zudem für die Verdauung von Kraftfutter. So sollte Heu mindestens je nach Arbeitsbelastung des Pferdes 55 bis 100 Prozent des Tagesbedarfs an Futter ausmachen (je mehr das Pferd arbeitet, desto mehr Kraftfutter benötigt es).

Als Erhaltungsbedarf sollte je 100 Kilogramm Gewicht mit 1,5 Kilogramm Heu gerechnet werden. Sprich, ein Pferd von 600 Kilogramm benötigt rund neun Kilogramm Heu am Tag.

Heu in verschiedenen Formen anbieten

Eine Abwechslung von losem Heu und Heu im Netz macht Sinn. So kann es bei sehr hungrigen Pferden hilfreich sein, zuerst eine kleine Menge loses Heu zu reichen und anschließend den Rest in einem Netz zu verfüttern. Der erste Hunger ist dann gestillt und das Pferd frisst das restliche Heu mit weniger Hast und Hunger, sodass es ordentlich kauen und verdauen kann.

Das Heunetz richtig befüllen

Es ist ein leidiges Thema: Wie befülle ich das Heunetz möglichst schnell und effizient, vor allem ohne dabei ein großes Chaos anzurichten? Am einfachsten ist es sich einen Heunetzbefüller zuzulegen. Bei Heunetzbefüllern gibt es verschiedene Optionen: Sie können an die Wand angebracht und in den meisten Fällen praktisch zur Seite geklappt werden. Empfehlenswert ist es, die Halterung mit festen und großen Schrauben anzubringen, sodass sie dem Druck des Befüllens standhält. Alternativ gibt es freistehende Heunetzbefüller oder welche mit einer Hakenvorrichtung, die schnell und einfach an verschiedenen Orten installiert werden können.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.