Lebendhefe beim Pferd: Darmkur fürs Immunsystem

Portion of dried Yeast

Ob Trocken- oder Lebendhefe – Hefe ist im Allgemeinen gut für die Darmflora. (© Fotolia)

Medikamente, Stress oder Fellwechsel – das Immunystem muss einiges aushalten. Eine Darmkur mit Lebendhefe kann das Immunsystem des Pferdes wieder ins Gleichgewicht bringen.

Hat das Pferd Schwierigkeiten mit der Verdauung, leidet es an Blähungen, Durchfall oder Kotwasser, liegt das Problem häufig im Dickdarm. Mögliche Ursachen gibt es verschiedene: Wenn das Pferd wegen Stress, Futterumstellungen, Fellwechsel oder auf langen Transporten zu wenig Raufutter frisst, kann das Darmmilieu gestört sein. Auch die Gabe von Antibiotika, Cortison oder Wurmkuren kann die Dickdarmflora durcheinander bringen. Eventuelle Folgen: Das Pferd frisst schlecht, es ist lustlos, fühlt sich unwohl unter dem Sattel, das Fell ist matt, das Immunsystem geschwächt. Lebendhefen bei Pferden können helfen, das Gleichgewicht im Dickdarm wiederherzustellen bzw. Beschwerden vorzubeugen.

Sie haben eine hohe Resistenz gegen die Magen­säure und gelangen deshalb meist unbeschadet in den Dickdarm. Dort sorgen sie dafür, dass die Fasern des Raufutters besser verdaut werden. Außerdem unterstützen sie die Barrierefunktion der Darmschleimhaut gegen Keime und Krankheitserreger und fördern die mikrobielle Besiedlung. Die Verdauung kommt wieder auf die Füße. „Lebendhefen können einen postivien Effekt auf die Dickdarmverdauung haben“, sagt der Professor für Pferdewirtschaft und Futterexperte, Dirk Winter. Wichtige Grund­voraussetzung für die Fütterung von Lebendhefe: Das Futter­management muss grundsätzlich stimmen.

Das Raufutter muss von hoher Qualität sein.

Das heißt vor allem: Das Pferd muss jeden Tag mit ausreichend und qualitativ hochwertigem Raufutter versorgt werden. „Der Einsatz von Lebendhefe kann sinnvoll sein, wenn ein kurzfristiges Verdauungsproblem im Dickdarm behoben werden soll“, erklärt Dirk Winter. „Eine Störung des Darms wegen Krankheit oder Stress zum Beispiel. Lebend­hefen sind aber generell nicht als Dauergabe gedacht. Sie können kein grundlegendes Problem wie die Fütterung mit minderwertigem Futter oder Fehler in der Rationsgestaltung beseitigen oder die Leistung eines gesunden Pferdes mit optimaler Fütterung und Verdauung noch steigern.“

Kur mit Lebendhefe

Hersteller empfehlen meist eine Drei Wochen-Kur (z.B. nach einer Wurmkur) bzw. bei einem hartnäckigen Problem eine Drei Monats-Kur. Cornelia Fritz, die für die Fütterung der Sportpferde von Ludger Beerbaum verantworlich ist, berichtet: „Unsere Pferde bekommen nach jeder Wurmkur standardmäßig drei Wochen lang Lebendhefe, um einer Störung des Darms entgegen­zuwirken. Auch auf  langen Transporten geben wir vorbeugend Lebendhefe, weil wir nicht sicherstellen können, dass das Pferd genügend Raufutter frisst.“
Lebendhefen gibt es in Pulverform und pelletiert – bei der Pelletierung sterben allerdings schon viele Hefen ab.

Der Pferdehalter sollte darauf achten, dass das Futtermittel die vom Gesetzgeber zugelassene Lebendhefe „Saccharomyces cerevisiae“ enthält. Die Dosierung und der Preis, der je nach Hersteller zwischen ca. 3 und 40 Euro/Kilogramm liegt, hängt ab von der Konzentration der Lebendhefen. Je höher sie konzentriert ist, umso weniger muss davon gefüttert werden. Nur wenn das Probiotikum hoch genug dosiert ist, kommen genügend Mikroorganismen im Dickdarm an.

Das ist Lebendhefe

Lebendhefen – auch bekannt unter dem Begriff „Yea Sacc“ – sind speziell für die Fütterung hergestellte, lebensfähige Mikroorganismen. Wichtig: Die Organismen sind zwar lebens- aber nicht mehr vermehrungsfähig. Das verhindert eine mögliche Gärung im Darm, die Verdauungs­beschwerden auslösen würde. Lebendhefen werden als Probiotika bezeichnet (Dagegen sind Praebiotika nicht lebensfähige Mikroorganismen, zu denen bestimmte Zucker oder Bierhefe zählen).

In ganz Europa gibt es nur ein Probiotikum, dessen Wirkung ausreichend untersucht und nachgewiesen wurde und für Pferde als Verdaulichkeitsförderer und Darmstabilisator zugelassen ist: die Lebend­hefe „Saccharomyces cerevisiae“. Sie ist als nicht schädlich eingestuft für den Anwender, die Umwelt und im Falle einer Überdosierung. Zugelassen sind vier Stämme: CBS 493.94, CNCM I-1077, NCYC Sc 47 und MUCL 39885. Hergestellt werden darf die Lebendhefe in Europa nur von vier Firmen, die in Frankreich ansässig sind, eine davon ist Alltech France. Diese Unternehmen deklarieren ihre Lebendhefe-Futtermittel mit: Saccharomyces cerevisiae, dem jeweiligen Stamm und der Zahl der kolonie­bildenden Einheiten (KBE), die mit einer Potenz angegeben wird z.B. 2 × 1012 KBE. Die Mindestmenge an KBE ist gesetzlich vorgeschrieben und liegt bei 1,6 × 109 pro Kilogramm Futter.

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Deutsche Hersteller von Lebendhefe

Lebendhefe wird in reiner Form, als Mischfutter oder als Pellets angereichert mit Hefe angeboten. Je nach Produkt unterscheiden sich die Potenz der Hefe, der Preis und die Fütterungsempfehlung. Lebendhefe oder Mischprodukte mit Lebendhefe werden z.B. von diesen Herstellern angeboten: 

  • Makana
  • Ludgers
  • Natural Horse Care
  • Selectavet
  • Stiefel
  • Masterhorse
  • Natusat
  • Eggersmann
  • Pharmaka
  • KAMA

Bäckerhefe ist keine Alternative!

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Backhefe ist in der Pferdefütterung keine Alternative zur Lebendhefe. (© Fotolia)

Der Griff zum handelsüblichen Hefewürfel oder zur Trocken­hefe ist keine Alternative, denn: Die darin enthaltenden Lebendhefen können sich vermehren und bilden dabei große Mengen an Kohlenstoffdioxid und Alkohol. Die möglichen Folgen: massive Blähungen und kolikartige Symptome.

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