Schlechtes Heu erkennen

riechen

Riecht Heu muffig oder schimmelig, sollte es nicht verfüttert werden. (© Lengwenat)

Die Eckdaten kennen die meisten. Wohliger Duft, sattgrüne Farbe. Doch um die Qualität von Heu richtig einschätzen zu können, gibt es noch mehr Aspekte zu beachten. Welche das sind und wann eine Laboranalyse notwendig sein kann, erklären Experten im dritten Teil des großen St.GEORG-Specials „Heu, Staub, Husten“ der Ausgabe 1/2022.

Gutes Heu hat einen typischen, angenehmen Heugeruch – das ist vielen bekannt. Aber was ist, wenn es eben nicht nach Heu duftet? Ist es dann gleich schlecht?

Die Sinnenprüfung verrät‘s!

„Überlagertes, verregnetes Heu riecht zum Beispiel fad“, erklärt Futterexperte Otfried Lengwenat. „Wenn es trocken ist, kann es aber durchaus verfüttert werden. Riecht es dagegen dumpf, muffig oder sogar verschimmelt, so darf man es nicht verfüttern!“

Als Nächstes sollte man das Heu auf Verunreinigungen prüfen. „Am besten schüttelt man es kräftig über einem großen weißen Blatt Papier aus“, rät der Experte. „Grüne Teilchen sind abgefallene Blatt-, Blüten- oder Halmpartikel. Braune oder schwarze Teilchen sind Verunreinigungen wie Erde, Kot, abgestorbene Pflanzenreste. Dies deutet auf eine schlechte Weidepflege bzw. nicht sachgerechte Ernte hin. Wenn der Schmutzanteil über fünf Prozent liegt, ist er zu hoch. Vermutlich ist stark verschmutztes Futter auch mit Hefen und Pilzen belastet. Hier sollte der Hygienestatus überprüft werden.“ Wenn das Heu staubt, handelt es sich meist um Schimmel, es darf dann nicht verfüttert werden.

Gutes Heu ist grün – allerdings in verschiedensten Nuancen. Früh geschnittenes Heu sieht Gras von der Farbe her sehr ähnlich, spät geschnittenes Heu hingegen enthält viele Stängel, die erheblich heller sind. Tendiert die Heufarbe zu grau, ist es wahrscheinlich verregnet. Wurde das Heu nach dem Regen getrocknet, eingefahren und staubt nicht, kann es verfüttert werden. „Bei brauner Färbung ist das Heu zu feucht eingefahren worden. Es hat sich erwärmt und durch die teils hohen Temperaturen gibt es eine Eiweißdenaturierung: Die Farbe wird braun und der Geruch teilweise karamellartig – der Futterwert ist dadurch geringer“, erklärt Lengwenat. Dieses Heu sollte generell mikro-biologisch untersucht werden.

Lengwenat

Wie grün Heu aussieht, hängt auch vom Schnittzeitpunkt ab: links sehr früh geschnittenes Heu, rechts spät geschnittenes. (© Lengwenat)

„Heu, das gelb aussieht, ist meist stärker ausgewaschen oder wurde zu lange gelagert. Die Verluste können durch den höheren Einsatz eines vitaminierten Mineralfutters ausgeglichen werden.“ Zeigt das Heu Schimmelnester, so ist es verdorben.

Beim Anfassen des Heus spürt man, ob es klamm oder feucht ist. Gerade beim Einkauf von Heu ist darauf zu achten, dass der Feuchtegehalt maximal 14 Prozent beträgt, rät Lengwenat. Er empfiehlt, die Feuchtigkeit mit einem Messgerät oder im Backofen zu ermitteln: Ein Kilogramm Heu abwiegen, vier Stunden im Backofen bei 105°C trocknen und erneut wiegen. Feuchtes Heu riecht anfangs gut, erwärmt sich in den ersten Wochen aber stark und ist optimaler Nährboden für Bakterien und Schimmelpilze. Nach der Schwitzphase kühlt das Heu ab, später lässt es sich nur schwer aufschütteln. Häufig enthält es weißliche Stellen, ist staubig und riecht dann auch muffig.

Lengwenat

Bei diesem Heu liegt nur eine geringgradige Verunreinigung vor. (© Lengwenat)

Lengwenat

Bei diesem Heu liegt eine starke Verunreinigung vor.

Die Laboranalyse

„Wenn Heu schon schlecht aussieht, staubig ist und muffig riecht, dann ist es schlecht und man benötigt eigentlich keine mikrobiologische Untersuchung mehr“, erklärt Mara Lungershausen von der LUFA Nord-West. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn Heu bei der Sinnenprüfung gut abschneidet. Das ist noch lange keine Garantie dafür, dass es tatsächlich auch gut ist. „Wir bekommen oft Heu eingeschickt, das optisch sehr gut aussieht und dennoch hoch belastet ist. So sind z.B. Schimmelpilze, die oft zu Atemwegsproblemen führen, nicht immer wahrnehmbar. Auch für die Pferde nicht, die das damit belastete Heu ganz normal fressen.“ Wer sicher sein möchte, sollte sein Heu also einmal untersuchen lassen. Hier kann man zwischen verschiedensten Anbietern und Untersuchungsarten wählen. Welche Untersuchung am besten für einen geeignet ist, zeigt beispielsweise die LUFA Nord-West auf.

St.GEORG/LUFA

Informieren Sie sich vorher bei der von Ihnen gewählten Untersuchungsanstalt, wie die Heuprobe auszusehen hat – nur so ist das Ergebnis auch aussagekräftig. Die LUFA Nord-West etwa benötigt für eine Heuuntersuchung eine Probe aus mehreren Ballen sowie mehreren Ballenschichten. Es sollten hierzu bis zu 20 Einzelproben entnommen werden, die am Ende 300 Gramm ergeben. Bevor das Heu verpackt wird, sollten die Einzelproben in einem Eimer oder auf einer sauberen Plane vorsichtig durchmischt werden – dabei darauf achten, dass man keine Bröckelverluste hat. Als Verpackung empfiehlt die LUFA für Heu eine Papiertüte, wie man sie z. B. für die Biomüllentsorgung nutzt. In Plastik könnte sich Schwitzwasser bilden, welches zu Fäulnisprozessen führen und so das Ergebnis verfälschen kann. „Wenn man allerdings eine Untersuchung auf Milben wünscht, sollte man diese Probe in Plastik verpacken, weil sich Milben im Karton vermehren und ausbreiten können“, erklärt Mara Lungershausen. Verschicken Sie Heuproben nicht am Ende der Woche, damit sie nicht übers Wochenende in einer Poststation verschlossen liegen und so die tatsächliche Qualität verfälscht wird.

Nach zwei Wochen erhält man das Ergebnis der Heuanalyse. „Um herauszufinden, wo die Ursache für eine Keimbelastung liegen könnte, teilen wir Bakterien und Pilze in Gruppen ein: in produkttypische und Verderber-Anzeiger.“ Die produkttypischen sind bereits auf dem Ausgangsmaterial, also dem Gras vorhanden. Treten hier hohe Werte auf, müsste man sich das Management der Fläche genauer ansehen. Verderb-Anzeiger— zeigen sich bei falscher Ernte und Lagerung. Die LUFA Nord-West teilt zudem die gemessene Keimzahl in vier Stufen ein: Stufe 1 heißt Keimzahl ist normal, bei Stufe 2 ist sie leicht erhöht, Stufe 3 bedeutet deutlich erhöht und bei Stufe 4 ist sie stark überhöht. „Bei Letzterem raten wir von einer Fütterung ab. Bei Stufe 3 ist die Qualität eingeschränkt: Pferde mit Vorbelastung oder kranke und alte Pferde sollten damit nicht gefüttert werden. Falls man es gesunden Pferden füttern möchte, sollte man sich über die eingeschränkte Qualität bewusst sein und die Pferde beobachten. Bei Stufe 1 und 2 gibt es keine Qualitätseinschränkung“, erklärt Mara Lungershausen.

Teil 1 und Teil 2 des großen Heu-Specials sind schon online und nachfolgend zu finden. Teil 4 zum Thema, wie man gutes Heu eigentlich produziert, von der Saat bis zum Ballen, lesen Sie demnächst hier auf st-georg.de.

Auch interessant

Janne Baumann, Laura Becker, Jan Tönjes, Kerstin Wackermann, Dominique Wehrmann

  1. Margitta T.

    Hallo, wenn ich Heu für unsere Kaninchen bestelle, ist es schon vorgekommen, dass es gestaubt hat. Meistens wird es in großen Kartons geliefert. wenn es staubt, kann ich ja nicht jedes mal das ganze Heu wegwerfen. Das würde mich ein Vermögen kosten. Auch wird immer angepriesen, dass das Heu nicht staubt, es grün ist und gut riecht. Was aber fast immer nicht der Fall ist. VG


Schreibe einen neuen Kommentar