Spat – Pferde mit Sprunggelenksarthrose

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Bei der Diagnose Spat muss Haltung, Bewegung und Fütterung des Pferdes angepasst werden. (© slawik)

Arthrose am Sprunggelenk, kurz Spat, macht ein Pferd nicht zwangsläufig unreitbar, muss aber sorgfältig gemanagt werden.

Früher oder später lahmen die meisten Pferde mal, eine Erfahrung, die jeder Pferdebesitzer einmal machen muss. Das kann vom leichten „Ticken“ bis zur Bewegungsunfähigkeit reichen. Ursachen gibt es viele und fast genauso viele Sonderfälle. Sicher ist aber eines: Lahmheiten sind in den allermeisten Fällen ein Zeichen für Schmerzen im Bewegungsapparat. Manche Lahmheitsursachen betreffen sogar beide Vorder- oder beide Hintergliedmaßen. Letzteres kann beispielsweise bei der Sprunggelenksarthrose der Fall sein. Das Pferd läuft dann meist klamm statt einseitig lahm, weil es ja auf beiden Seiten weh tut. Deshalb wird Spat oft zu spät erkannt.

Die Arthrose des Sprunggelenkes beim Pferd erkennen

Spat beginnt schleichend: „Anfangs kommen die Pferde steif aus der Box, zeigen zu Beginn der Arbeit eine leichte Lahmheit, die verschwindet, wenn das Pferd warm geworden ist“, berichtet Pferdefachtierarzt Dr. Genn. Im Stand äußert sich Spat durch Schonen der erkrankten Gliedmaßen. Am deutlichsten tritt die Erkrankung beim Übergang von der Ruhe zur Bewegung auf. Mit zunehmender Bewegung kann die Bewegungsstörung verschwinden.

Im weiteren Verlauf wird die Lahmheit stärker. Das erkrankte Pferd tritt kürzer und kann beginnen mit der Hinterhand zu schlurfen, da das Beugen des Beines schmerzhaft ist. Gleichzeitig fußt das Pferd verstärkt auf den Zehen ab, welche deshalb stärker abnutzten.

Schon im Stand zu erkennen ist Spat während eines akuten Entzündungsschubes, da das Sprunggelenk dabei oft geschwollen und wärmer ist.

Aber Spat ist nicht gleich Spat. Um die richtige Behandlung zu finden, muss erst abgeklärt werden, um welche Form von Spat es sich handelt.

Formen der Erkrankung – Akuter oder Chronischer Spat

Die Gelenkerkrankung Arthrose kann in drei unterschiedlichen Hauptformen auftreten. „Hufrolle“ (umgangssprachlich), Hufrollenentzündung oder Podotrochlose ist die Entzündung der Hufrolle, die sich zusammensetzt aus Strahlbein, Hufrollenschleimbeutel und der tiefen Beugesehne. Bei Arthrose des Zehen- und Krongelenkes des Pferdes spricht man von Schale oder Krongelenkschale beim Pferd. Sitz die Arthrose jedoch im Sprunggelenk, spricht man von Spat.

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Wo hakt’s – Das Vortragen auf hartem Pflaster fördert die meisten Lahmheit zutage, so auch Spat. (© www.slawik.com)

Das Sprunggelenk des Pferdes besteht aus einem größeren und drei kleineren Gelenken, zwischen denen Knorpel liegt, und die nur minimal beweglich sind. Aus diesem Grund gibt es auch unterschiedliche Formen von Spat. Im akuten Zustand sind die kleinen Gelenke, die Knochenhaut und der Knochen entzündet, oft auch die sogenannte Spatsehne (läuft an der Innenseite des Sprunggelenks) und ihr Schleimbeutel. Wird die Entzündung chronisch, greift sie den Gelenkknorpel an und zerstört Gelenkoberfläche.

Zum Ausgleich lagert der Körper neue Substanz an. Diese sichtbaren Knochenwucherungen, treten bei Spat vorwiegend an der Innenseite des Sprunggelenks auf. Die Knochenwucherungen sind beim Spat ähnlich wie bei der Schale beim Pferd. Eine Behandlung der Knochenwucherungen kann nur durch Ruhigstellung oder einem operativen Eingriff erfolgen.

Die Knochenwucherung hat jedoch einen Vorteil: Durch das zusätzliche Gewebe, welches die Gelenkspalten verknöchert und die kleinen Gelenke versteift, kann sich das Pferd wieder lahmfrei bewegen, wenn die Entzündung nicht das umliegende Gewebe befällt. In diesem Fall bereitet zum einen das entzündete Gewebe als solches dem Pferd Schmerzen. Zum anderen kann die Entzündung erneut auf den Knochen übergehen. „Das ist die prognostisch ungünstigste Form, der osteolytische Spat“, so Dr. Genn. Dabei löst sich der Knochen auf.

Ursachen für Spat bei Pferden

Die häufigste Ursache für Spat ist meist eine Überlastung der Gelenke des Pferdes. Dauerhafte, zu lange und intensive Trainingsstunden können das Sprunggelenk langfristig schädigen, wenn das Pferd nicht sorgfältig auf diese Intensität vorbereitet wurde. Jedoch kann schon eine einmalige starke Überbelastung – etwa durch einen Sturz oder ein starkes Verdrehen des Beines – ausreichen, damit das Pferd an Spat erkrankt.

Wie zu viel Bewegung kann auch zu wenig Bewegung schädlich sein für das Pferd. Ein Bewegungsmangel während des Aufwachsens oder lange Stehphasen nach einer Verletzung können dazu führen, dass die Knochensubstanz langsam abgebaut werden kann. In so einem Fall ist langsames Antrainieren besonders wichtig.

Darüber hinaus kann ein Mineralstoffmangel in der Aufzucht, die falsche Fütterung, eine genetische Vorbelastung oder Fehlstellungen (Säbelbeinigkeit oder sehr schwach ausgeprägte Gelenke) Auslöser einer Spaterkankung sein.

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Eine falsche Fütterung begünstigt schon im Fohlenalter die Entwicklung von Spat. (© www.slawik.com)

Diagnose von Arthrose im Sprunggelenk – Mittels Spatprobe

Die einfachste Methode einen Verdacht auf Spat zu bestätigen, ist die Spatprobe. Das Sprunggelenkt wird dabei stark gebeugt, woraufhin das Pferd ohne Schritt-Zwischentritt antraben muss. Geht es dabei die ersten Tritte lahm, ist das ein Indiz für Spat. ,,Röntgenologisch ist der Beginn der Spaterkrankung nicht immer eindeutig nachweisbar“, warnt Dr. Genn und rät: „Zur eindeutigen Diagnose gehört die Anästhesie des Gelenks!“ Geht das Pferd nach der Betäubung lahmfrei, hat man die Wurzel des Übels gefunden. Doch Vorsicht: Sprunggelenkskrankheiten können sich auch in Rückenproblemen bemerkbar machen!

Spat bei Pferden – die richtige Behandlung

Anfangs müssen die Gelenkentzündung und der Schmerz der Entzündung bekämpft werden. Danach soll sich das Gelenk versteifen, wodurch die Pferde in der Regel trotz Spat lahmfrei werden. ,,Die Behandlung kann auf Hyaluronsäure, Kortison oder PRP setzen. Auch die Stoßwelle kann helfen, scharfe Einreibungen fördern die Durchblutung“, so Dr. Genn. Es können knorpelaufbauende Substrate, z. B. unter Wasserdampf aufgeschlossene Gelatine, gefüttert werden.

Im Winter kann eine Sprungelenksgamasche Erleichterung durch Wärme bringen.
Auch homöopathische Mittel und Kräuter wie Teufels­kralle, Beinwell-Umschläge oder Heilerdepackungen mit Bach­blüten wie Crab Apple können helfen. Wichtig ist es, die Therapie auf das jeweilige Pferd abzustimmen und mit dem behandelnden Tierarzt abzusprechen.

Orthopädische Beschlag fürs Pferd – der Spatbeschlag

Wenn Hufschmied Dieter Kröhnert vom Tierarzt hört, dass ein Pferd unter Spat leidet, wählt er ein Eisen, dessen äußerer Schenkel breiter und dessen innerer Schenkel schmaler ist. Dadurch kann der Huf an der Innenseite etwas einsinken. Eine Erleichterung für das Gelenk, da die schmerzhaften Gelenkspalten im Sprunggelenk so nicht gegeneinanderdrücken. Zusätzlich achtet der Schmied auch auf eine gute Zehenrichtung, damit der Huf in der Bewegung schnell abrollen kann.

Darf man ein Pferd mit Spat reiten?

Die Antwort ist ein eindeutiges Ja! Das ist in der Regel sogar ein Muss. Für Spatpferde ist die Bewegung sehr wichtig, da der Knorpel in den Gelenken sonst nicht mit Nährstoffen versorgt werden kann. Die Bewegung muss nur schonender und vollkommen auf das Pferd abgestimmt werden. Harte Böden und enge Wendungen sollten vermieden werden, da diese für die schmerzenden Gelenke des Pferdes sehr unangenehm sein können. Des Weiteren ist eine lange und gründliche Aufwärmphase für Spatpferde essenziell, da sie länger brauchen um richtig warm zu werden.

Solange das Pferd schmerz und lahmfrei läuft, ist Reiten aber durchaus möglich. Jedoch rät Dr. Genn: „Stark belastende Arbeit wie hohe Sprünge oder Traversalen sollten jedoch unterbleiben.“ Zur Sicherheit sollte das Individuelle Training mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden, um ganz im Sinne des Pferdes zu handeln.

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Pferde mit Spat sollten nicht mehr im Leistungssport eingesetzt werden, können aber noch lange Jahre tolle Freizeitpartner sein. (© www.toffiimages.de)

Spat-Prophylaxe – Richtig vorbeugen!

Die richtige Prophylaxe beginnt schon im Fohlenalter. Ausreichend Mineralstoffzufuhr, die richtige Fütterung und Bewegung sind wichtig für die Entwicklung der Gelenke. Aber auch für erwachsene Pferd sind ausreichende Bewegung und Fütterung unersetzlich für gesunde Knochen und Gelenke. Eine reine Boxenhaltung ist kontraproduktiv für eine gesunde Entwicklung und sollte deshalb immer durch tägliche ausgedehnte Paddock- oder Weidegänge ergänzt werden.

Des Weiteren sollte auch immer auf das Gewicht des Pferdes geachtet werden, damit die Gelenke nicht durch Übergewicht überlastet werden. Fehlstellungen der Beine sollten ebenfalls so früh es geht korrigiert werden, um eine falsche und schädliche Belastung der Gelenke zu vermeiden.

Pferd sollten allgemein immer langsam an neue Aufgaben und die damit verbundene Belastung herangeführt werden. Benötigte Ruhepausen sollten immer eingebaut werden, damit sich das Pferd wieder regenerieren kann. Gerade nach Verletzungen ist es wichtig, diese vollständig auskurieren zu lassen, bevor das Pferd wieder antrainiert wird – auch, aber nicht nur, um Spat vorzubeugen.

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