Holsteiner Körung: Cascadello stellt Siegerhengst aus Debütjahrgang

Charleston v. Cascadello, Siegerhengst der Holsteiner Körung 2015.

(© Charleston v. Cascadello, Siegerhengst der Holsteiner Körung 2015.)

Von 61 Hengsten wurden beim Holsteiner Verband 20 gekört, sechs davon erhielten eine Prämie. Der Siegerhengst, ein langbeiniger Schimmel v. Cascadello-Cantus, wurde für 300.000 Euro an Prof. Bernd Heicke, Gestüt Fohlenhof, verkauft. Er, wie auch die anderen Prämienhengste, unterstrichen die Springpferdequalitäten des Holsteiner Pferdes. Auch der Reservesieger bleibt in Deutschland, sogar in Holstein.

Bestimmender Hengst dieses Jahrgangs war der ehemalige Preisrekordler Cascadello v. Casall. Der Reservesieger der Körung 2011 stellte aus seinem ersten Deckeinsatz fünf Söhne, von denen drei gekört wurden. Neben dem Siegerhengst Charleston, den Heiko Büttner aus Schafstedt aus einer Cantus-Landadel-Mutter gezogen hat (Stamm 7126, aus dem Hengste wie Acord I und II sowie Sportpferde wie Belladonna/Meredith Michaels-Beerbaum hervorgegangen sind), wurde von der Hennings und Hennings GbR gemeinsam mit Dieter Mehrens ausgestellt. Das Konsortium konnte sich über den Zuschlagspreis bei der Auktion von 300.000 Euro freuen. Der typstarke Schimmel, der kraftvoll sprang und viel Übersicht in der Freispringgasse zeigte, wurde von Professor Heicke vom Gestüt Fohlenhof ersteigert. Er hatte auch schon den Vater und dessen Vollbruder Cascadello II zu Spitzenpreisen in Neumünster gekauft. „Ein Spitzenhengst, wie wir ihn lange nicht in Neumünster gesehen haben“, resümierte Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen. „Er zeigte beim Freispringen perfektes Vermögen und eine überragende Manier und konnte sich zusätzlich hervorragend bewegen.“

https://youtu.be/18nHztj9t1U

Dieselbe Besitzerkonstellation, zu der mit Reimer Detlef Hennings, bei dem der prämierte Cascadello-Cassini I-Schimmel Cantessini (Stamm 890) geboren wurde und der auch der Züchter von Cascadello selbst ist, zählt, machte noch einmal Kasse: Cantessini, der sich zunächst sehr beeindruckt von der Atmosphäre in der Holstenhalle gezeigt hatte, machte beim Freispringen zwar einen Vorhandfehler, kam aber darauf zur Konzentration und zeigte dann viel Qualität am Sprung. Er wurde für 75.000 in die Slowakei verkauft. Der dritte Cascadello-Sohn mit positivem Körurteil, Campodello, bei Michael Obieray in Leezen geboren aus einer Diarado-Contender Mutter (Stamm 776, daraus u.a. die Hengste Landos, Lordanos und Acorado), war vielleicht noch nicht das klassische Vatertier mit den großen Partien, die man sich wünscht. Dafür aber war der Braune sicherlich eines der besten Springpferde der Veranstaltung: blitzschnelle Reflexe, immer geschmeidig, und je höher, desto besser. Er fand eine neue Heimat in den USA.

In Deutschland bleibt der Reservesiegerhengst namens Central Park. Ein mittelrahmiger Rappe (Z.: Lothar Steuer, Pansdorf) mit Holsteins Vorzeigehengst, dem WM-Vierten 2014 von Rolf-Göran Bengtsson, Casall, als Vater. Er war der einzige von sechs Casall-Söhnen, dem die Zuchtzulassung ausgesprochen wurde. Central Park, der aus dem Stamm 318D2 hervorgegangen ist (die Familie von Hengsten wie Diarado, Coriano und Corofino), hat eine Vollschwester der Hengste Chello I und II und Halbschwester der Vererber Castellan I und II (v. Casiro) zur Mutter. Er basculierte beispielhaft, war schnell und vorsichtig im Bein und insgesamt souverän im Sprungablauf. Für 100.000 Euro gelangte er über die Auktion auf die Station Maas J. Hell bei Elmshorn. „Central Park sprang hervorragend mit viel Kraft, zudem konnte er sich sehr gut bewegen“, so das Fazit des Zuchtleiters.

https://youtu.be/iGRarXv66xg

 

Zweiter Reservesieger wurde Catch v. Colman. Der formschöne Schimmel aus der Zucht von Hans-Peter Löding-Hasenkamp, Quarnstedt ist aus einer Calido I-Caletto I-Mutter gezogen (Stamm 890, mit Hengsten wie Casall und Eurocemmoerce Berlin (Caspar) und Cesano II und II). Der Hengste sprang beispielhaft und kraftvoll durch den Körper und machte dabei hinten „sehr gut auf“. Er wird zukünftig in den Stallungen des Holsteiner Verbandes beheimatet sein. Seine Mutter Pia ist selbst in S-Springen erfolgreich am Start gewesen. Ein Hengst, der bei der Konkurrenz um den Schönheitspreis ganz vorne stehen muss, ist der Diarado-Con Capitol-Sohn Diamar. Ein herrlicher Dunkelbrauner, der zunehmend konzentrierter sprang, manchmal im Vorderbein noch nicht ganz ausbalanciert war, und in Sachen Vermögen seiner Schönheit in keiner Weise nachstand. Er ist aus dem „Contendro-Stamm“ 104A, zu dem auch Carsten-Otto Nagels  Mannschaftswelt- und Europameisterin und Vize-Europameisterin Corradina zählt, gezogen.  Auch er steht im Besitz des Holsteiner Verbands.

https://youtu.be/0_IGlaiYkdE

Sechster Prämienhengst war ein hübsch aufgemachter, sehr hoch springender Sohn des legendären Caretino, der in diesem Jahr 32 Jahre alt geworden wäre: Caspian aus der Zucht von Dr. Hansjörg Andresen, Simonsberg, stammt aus einer Cassini I-Mutter, die schon den Landeschampion der siebenjährigen Springpferde 2014, Cassio Mellini v. Caretino, einen Vollbruder dieses Prämienhengstes, gefohlt hatte. Der Hengst stand nicht zum Verkauf.

Die gekörten Hengste hatten hatten 16 verschiedene Väter, wobei der Mannesstamm des Cor de la Bryère deutlich überwog. Mehrere Casall-Söhne konnten sich neben Cascadello auf dieser Körung mit ihren Nachkommen gut darstellen. Fremdblut, in Holstein stets ein Diskussionsthema, erhielt viermal ein positives Körurteil: Zwei Springhengste v. Untouchable-Caretino (bleibt beim Holsteiner Verband) und ein Vivant-Cassin-Sohn, dem eine etwas größere Übersetzung zu wünschen gewesen wäre. Außerdem hatten die zwei gekörten Dressurhengste, ein kleiner, wunderschöner Ampere-Sohn (für 55.000 Euro in die USA) und ein schlicht gemachter Totilas-Sohn, niederländische Väter.

Zwölf gekörte Hengste wurden auf der Auktion zu einem Durchschnittspreis von 82.500 Euro verkauft. „Die Preisgestaltung spiegelte die außerordentliche Qualität des diesjährigen Hengstjahrgangs wieder“, so Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen. Teuerster nicht gekörter Hengst (angeboten: 21, Durchschnittspreis 20.023 Euro) war ein Cascadello I-Landos-Sohn für 40.000 Euro. Für 100.000 Euro ersteigerten Italiener einen gekörten Numero Uno-Askari-Sohn, der mehr Applaus bekam als alle anderen Hengste. Der 1,63 Meter große Braune präsentierte sich im Trab mit hoch aufgewölbtem Hals wie ein Karossier und sprang vermögend, vorsichtig und immer so, dass man die Luft anhielt. Er und der gekörte, extrem vermögend aber etwas kopflastig springende Lenett-Sohn Lenair waren die einzigen Vertreter der einst so berühmten Ladykiller xx-Linie, die eine Zuchtzulassung bekamen.

Weitere Infos auf der Homepage des Holsteiner Verbandes: www.holsteiner-verband.de