Blog 1 aus Pratoni del Vivaro – gute und schlechte Nachrichten, Ausblick aufs Gelände

Gabriele Pochhammer_NEU

Moment mal! Der Blog von St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© www.toffi-images.de)

Es ist so weit. Mit der Verfassungsprüfung hat heute die Weltmeisterschaft der Vielseitigkeitsreiter, die WM in Pratoni del Vivaro 2022 begonnen. Gabriele Pochhammer mit einem ersten Bericht zum Stand der Dinge.

Die Sonne knallt, der trockene Boden staubt, die Weltmeisterschaft der Vielseitigkeit hat heute in Pratoni del Vivaro vor den Toren Roms mit der Verfassungsprüfung begonnen. Alle fünf deutschen Pferden passierten den Vetcheck: Amande de B’Neville von Julia Krajewski, Barbados von Einzelreiterin Alina Dibowski, Carjatan von Christoph Wahler, Chipmunk von Michael Jung und Viamant de Matz von Sandra Auffarth. Das war die gute Nachricht.

Die weniger gute: Das Team von Bundestrainer Peter Thomsen hat die Startnummer Eins gezogen. Ein Deutscher muss also als erster Reiter ins Viereck und auch ins Gelände, das allseits als sehr anspruchsvoll angesehen wird. Die Startfolge im Team wird sein: Wahler (Donnerstag, 9.30 Uhr), Auffarth (Donnerstag, 14 Uhr), Krajewski (Freitag, 10.10 Uhr), Jung (Freitag, 14.48 Uhr). Einzelreiterin Alina Dibowski und Barbados gehen ebenfalls am Freitag um 12.48 Uhr aufs Viereck.

Eindrücke vom Gelände

„Angemessen“ findet Jung die Strecke, der mit Frau Faye und Söhnchen Lio angereist ist. „Aber die Zeit wird eine große Rolle spielen.“ Wenn der für die nächsten vier Tage angesagte Regen auf den ausgedörrten Boden niedergeht, kann es schwierig werden.

„Das Gelände ist unheimlich spannend, clever aufgebaut, nicht am oberen Maß, was die Abmessungen angelangt“, sagt Thomsen, der hier sein erstes Championat in neuer Rolle erlebt. „Auch schwächere Nationen können `rüberkommen, und die Topreiter müssen auf dem direkten Weg auch mal eine Viersterne plus-Aufgabe lösen. Ich glaube, diese Weltmeisterschaft wird im Gelände entschieden.“

Als besondere Herausforderung gilt der berüchtigte Hang, bergab zu reiten, mit einem Hindernis am Fuß. „Den haben wir 2007 schon mal reiten dürfen, da hatten viele Reiter Probleme. Es ist alles drin, was an Balance, Rittigkeit, Mut und präzisem guten Reiten, richtiger Einteilung der Kräfte des Pferde, abgefragt werden kann. Das wird der Schlüssel sein, nach dem der Weltmeister gekürt wird“, sagt Thomsen.

Olympiasiegerin Julia Krajewski bleibt gelassen: „Es ist genau so, wie man es erwartet hat, hügelig, anspruchsvoll. Technisch kommt alles vor. Es gibt unheimlich viele Alternativen, oft sogar drei Varianten, wenn man alle nimmt, ist man natürlich sehr lange unterwegs.“ Sie wird den Kurs noch viermal abgehen. „Ziel ist natürlich null und in der Zeit, aber manche Entscheidung wird man erst in der Prüfung vor Ort treffen.“

Nach der Verfassung durften alle nochmal im Stadion trainieren; die Bundestrainer, außer Thomsen auch Geländetrainer Rodolphe Scherrer, gehen je nach Wunsch der Reiter die Strecke in den nächsten Tagen nochmal mit ihnen ab.

Ein Pferd raus

Von den 90 Pferden, die beim Vetcheck vorgestellt wurden, passierten alle bis auf die mexikanische Stute Cecilia, mit 19 Jahren das älteste Pferd des Feldes. Nachdem die Jury die hinten deutlich ungleich gehende Braune in die Holding Box geschickt hatte, wurde sie von ihrer Reiterin Daniela Moguel zurückgezogen. Das schwedische Pferd Joystick von Aminda Ingulfson bekam erst beim zweiten Anlauf nach Beratung durch Tierärzte und Richter das Okay. Das gleiche gilt für Ballypatrick SRS, das Pferd von Brasiliens Ruy Fonseca.

Die Briten und auch die Reiter aus den Commonwealth-Ländern Australien und Neuseeland trugen eine schwarze Armbinde zu Ehren der verstorbenen Queen. Zumindest die Briten werden das auch bei allen Prüfungen in den kommenden Tagen tun.

Die Dressur beginnt morgen um 9.30 Uhr. Am Samstag, dem Geländetag, wird der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Dr. Thomas Bach, erwartet. Es heißt, er wolle sich ein Bild über den Vielseitigkeitssport machen. Sein Besuch wird nicht ohne Bangen erwartet, Unfälle und andere schlechte Bilder wären gar nicht gut für die olympische Zukunft der Vielseitigkeit.

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