Bye, bye Rotterdam! Und welcome back! Springreiter, die zurück zur EM kommen

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EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer nimmt Abschied von Rotterdam. Einige Springreiter hatten das bereits getan und wurden auf der Autobahn angerufen und zum Umdrehen bewegt. Damit das finale Starterfeld nicht zu dünn wird.

Die Abreise aus Rotterdam naht, dann waren wir eine sonnige Woche hier, jetzt freut man sich auf Zuhause. Gerade kriegen wir die Nachricht, dass das W-Lan auf der Pressetribüne um 18 Uhr abgeschaltet wird, im Hauptpresseraum um 19 Uhr. Na dann müssen wir ja in die Tasten hauen, um alles fertig zu kriegen, alle Bilder ins Netz und, und, und.

Manchmal hat man das Gefühl, dass wir als für Printmedien aber auch fürs Internet schreibende Presse in den Planungen der Organisatoren nicht mehr wirklich vorkommen. Stundenlang werden die Reiter nach jedem Ritt von den Reportern der verschiedenen Fernsehanstalten interviewt, je prominenter und je weiter vorne, umso länger. Bis sie zu uns in die Mixed Zone kommen, kann es dauern. Wenn sie überhaupt kommen und nicht schon zur Siegerehrung müssen. Übrigens war auch das ZDF zu uns in die Mixed Zone verbannt, weil sie nicht zu den zahlenden Sendern gehört haben. Überschrift: Presse- und Informationsfreiheit.

Im Parcours werden die Hindernisse für die letzten beiden Parcours vorbereitet, das Finale um die Einzel-Europameisterschaft, wieder vorwiegend in schlichten niederländischen Landesfarben orange, blau, weiß, plus das kecke Aubergine des Sponsors Qatar Airways.

Am Ende hatten die Veranstalter Mühe, das Feld der 25 Finalstarter zusammen zu bekommen. Sieben Reiter, die keine Chance auf Medaille und/oder Geld mehr sahen, sind abgereist, darunter auch Christian Ahlmann, dessen Clintrexo mit einer sauberen Nullrunde abschloss und das Teamsilber zu sichern half. Er hat genug getan bei seinem ersten Championat, fand nicht nur sein Reiter. Erster Starter ist der Däne Sören Moeller-Rohde, der am Freitag auf Rang 36 abschloss. Auch der Franzose Kevin Staut, 31. ist noch dabei, angeblich war er schon auf der Autobahn in Richtung Heimat unterwegs und musste zur Umkehr bewegt werden. Ich habe Verständnis für die Entscheidung der Reiter, ihren Pferden nicht zwei sehr schwere Parcours zuzumuten, wenn keine oder nur sehr geringe Erfolgsaussichten bestehen. Es sei denn, sie verbuchen es unter Erfahrung sammeln, wie etliche Starter aus den hinteren Rängen der Weltrangliste.

Gestern bei der Dressurkür gab es hohen Besuch, Prinzessin Beatrix, die abgedankte Königin, kam zum Zuschauen. Die niederländische Königsfamilie ist sehr perdefreundlich, Beatrix und ihre Schwestern haben als junge Mädchen eifrig geritten. Zur Feier des Tages hatte sich Frank Kemperman, Aachens Turnierchef und Chairman des Dressurkomitees der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI), seinen von der Königin verliehenen Orden ans Revers geheftet.

Übrigens zeigten sich auch die belgischen Royals hoch erfreut über den Sieg ihrer Equipe in der Mannschafts-Europameisterschaft. Es gab einen Glückwunsch per Twitter – die Zeiten der Glückwunschtelegramme sind vorbei, selbst in königlichen Palästen.

Gestern waren wir nochmal auf dem Boulevard, am Seeufer gelegen. Dort tobt der Bär, mehr Leute als auf den Tribünen, die bei keinem einzigen Event hier wirklich gefüllt waren. Das hätte man in Holland nicht erwartet, aber vielleicht war das Wetter einfach zu schön.

Wenn morgen alles weggeräumt ist, was sich wegräumen lässt, kann hier bis zum nächsten CHIO 2020 wieder die Reitschule ihren normalen Betrieb aufnehmen. Jetzt sind die Ställe gesperrt, die Reithalle ist leer. Nur der Schimmel Oskar schaut aus seiner Boxe, lässt sich herzen und hört ansonsten aufmerksam zu, zu, was in der Mixed Zone geredet wird. Er gehört unserer Pressechefin Anita Lussenburg, die dann ab morgen wieder die Spazierritte im herrlichen Park Kralingse Bos genießen kann. Der steht natürlich unter Naturschutz und die Rotterdamer sind sehr eigen mit ihren Bäumen. Die Trecker, die regelmäßig den Boden bearbeiten, dürfen nicht unter einer der alten Eichen geparkt werden, die Wurzeln könnten geschädigt werden.

Die Dressurreiter sind gestern schon nach Hause gefahren, ohne große Party. Gefeiert wurde ja schon am Donnerstag nach dem Mannschaftssieg. Die Hotelzimmer waren schon weg, das Gepäck in Autos und LKW verstaut. Nach dem Komplett-Sieg am Samstag, als die drei deutschen Damen Isabell Werth, Dorothee Schneider und Jessica von Bredow-Werndl das Podium besetzten, war es an der Europameisterin, das letzte Wort zu sprechen. Ihren EM-Medaillen fügte sie hier in Rotterdam drei weitere Titel hinzu. „Ich reite nicht auf Statistiken, ich stehe jeden Morgen auf, um meine Pferde zu reiten. Ich tue das, was mir am meisten Spaß macht. “ Und möchten wir das nicht alle von uns sagen können?


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