Moment mal! Sophie Leube und Jadore Moi – Paar mit Zukunft

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Moment mal! Die Kolumne von St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer (© Foto Bugtrup/Montage: www.st-georg.de)

Vier-Sterne-Sieg in Boekelo: Das war der internationale Durchbruch für Sophie Leube und ihre ehrgeizige Stute Jadore Moi.

Es war ein goldener Oktobertag. Im niederländischen Boekelo, nicht weit von der deutschen Grenze entfernt, schoben sich 55.000 Menschen die topfebenen Geländestrecke entlang, was es immer schwierig macht, Pferd und Reiter zu entdecken, wenn man in Reihe sieben steht. Aber alle waren bester Stimmung. Die gute alte Vor-Corona-Zeit war zurück. Die Briten hatten wieder andere Reiter und Pferde mitgebracht, mit denen sie genauso mühelos gewannen wie zuvor alle Mannschaftsgroßereignisse der Saison. Und wie schon so oft, nutzte eine Reiterin den Termin, nachdem alle Championate vorbei sind, um auf sich aufmerksam zu machen. Diesmal war es die 34-jährige Sophie Leube, keine Unbekannte, gewiss nicht, aber doch noch nie so im Rampenlicht, wie nach dem Vier-Sterne-Sieg in Boekelo am vergangenen Wochenende.

Liebe auf den ersten Blick

Sie und ihr Pferd, die elfjährige in Bayern gezogene Stute Jadore Moi sind ein eingespieltes Paar, das gemeinsam den Weg nach oben galoppiert ist. „Wir kennen uns jetzt wirklich ganz genau“, sagt die 34-jährige Pferdewirtin. „Und die Stute hat sich in den letzten beiden Jahren nochmal mental und körperlich weiterentwickelt.“ Will heißen: Ihr ungezügelter Ehrgeiz ist jetzt kontrollierbar und auch bei der Siegerehrung kann sie inzwischen stillstehen. Wie fast alle Buschpferde, das Herumgezappel kennen wir doch nur von Dressurpferden.

Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. „Schon als ich das erste Mal mit Jadore Moi in eine Geländeprüfung gegangen bin, wusste ich, auf einem so qualitätsvollen Pferd habe ich noch nie gesessen“. Da war die Stute fünf Jahre alt, ihr Züchter Hans Frh. v. Schoen aus dem bayerischen Irschenberg hatte sie nach Warendorf gegeben, mit dem Ziel, sie zu verkaufen, am liebsten an Ingrid Klimke. Aber die beiden verstanden sich nicht so richtig, kommt ja vor. So kam die Conthargos-Tocher zu Ingrids Schülerin Sophie Leube, die einen Ausbildungsbetrieb in der Nähe von Hamm führte. Die Karriere ließ sich gut an. Beim Bundeschampionat der Geländepferde in Warendorf im selben Jahr machte Jadore Moi in der Qualifikationsrunde mit der sensationellen Wertnote von 9,5 auf sich aufmerksam.

BuCha-Teilnahme wegen Weideunfall vereitelt

Dann allerdings kam das dicke Ende: Weil die Stute nicht in Turnierpferde Liste I, sondern in Liste II eingetragen ist, war sie laut Ausschreibung beim Bundeschampionat gar nicht startberechtigt. Das ist nur für Liste I-Pferde offen. Das war nicht nur der Reiterin nicht klar, sondern offenbar auch nicht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Veranstalter des Bundeschampionats. Denn Sophie Leube hatte einen freundlichen Brief aus Warendorf bekommen, in dem man ihr die Bundeschampionats-Qualifikation mitteilte. Jetzt also April, April, durfte sie die Heimreise antreten. Nach langen Beratungen sei man in der FN zu dem Schluss gekommen, dass Jadore Moi nicht starten dürfe. „So sind die Regeln“, sagt FN-Zuchtchef Dr. Klaus Miesner, „ich hatte den Eindruck, dass das zumindest den Besitzern des Pferdes klar war.“

Da fragt man sich natürlich, wie kommt die Stute auf Liste II? Normalerweise wird ein Pferd mit einem ordentlichen deutschen Abstammungspapier automatisch in Liste I geführt. Zwar ist das Pedigree von Jadore Moi bis ins 19. Jahrhundert nachzuweisen, aber Großvater Asih war nicht gekört. „Es war ein Weideunfall“, sagte Züchter Hans v. Schoen, das heißt, der Nimmerdor-Enkel hatte seiner Weidenachbarin Joya einen ungenehmigten Besuch abgestattet, der nicht ohne Folgen geblieben war. Heraus kam die Mutter zu Jadore Moi, Juanita. Zwar war Großvater Asih selbst ein erfolgreiches Vielseitigkeitspferd gewesen, war ohne Hindernisfehler über den Olympiakurs von London 2012 und den WM-Kurs in Caen 2018 marschiert, was wohl kein anderer gekörter Hengst in Deutschland von sich behaupten kann, aber das zählte jetzt wenig bis nichts?

Krone richten und weiter geht‘s

Sophie Leube hakte die Erfahrung ab und es ging weiter, sehr gut sogar mit Auftritten bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde als Sechs- und Siebenjährige im französischen Le Lion d’Angers. Sophie Leube konnte zunächst die eine Hälfte der Stute kaufen, ein Jahr später gründeten Freunde eine Besitzergemeinschaft und kauften auch die andere Hälfte. Dazwischen lag eine kurzzeitige Rückkehr ins Heimatgestüt, und als die Stute zu Sophie Leube zurückkam, war sie tragend. Von ihrem Halbbruder. „Ein Weideunfall“, musste Hans v. Schoen erneut zugeben. Irgendetwas an der Irschenberger Luft muss anders sein als anderswo. Nun hatte Sophie Leube also zwei Pferde gekauft, ihre Begeisterung hielt sich dennoch in Grenzen. Die kleine Bankert, eine Stute, ist jetzt drei Jahre alt. „Man muss sehen, was draus wird.“ sagt Sophie Leube. „Sie ist jedenfalls sehr hübsch.“ Und wenn sie mehr ist als nur hübsch, ist sie ja auch bereits in den richtigen Händen.

Jadore Moi arbeitete sich weiter nach oben, 2019 gab es Drei-Sterne-Erfolge, seit 2020 auch gute Platzierungen in Vier-Sterne-Events. Vor Tokio stand sie auf der Longlist für die Olympischen Spiele. Wie es weiter geht mit Jadore Moi und ihrer Reiterin wird man sehen. „Erstmal hat sie jetzt Pause“, sagt Sophie. Einen richtigen Plan für die nächste Saison hat sie noch nicht. Aber vielleicht der Bundestrainer, der dann Peter Thomsen heißt. Denn im September 2022 geht es nach Pratoni del Vivaro zur Weltmeisterschaft…

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