CIC3* Marbach: Julia Krajewski ist Berufsreiterchampionesse


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Julia Krajewski auf Chipmunk (© Hartig/equistock.de)

Sie hat’s geschafft: Julia Krajewski hat die CIC3*-Prüfung in Marbach gewonnen. Zum ersten Mal ließ sie sich zur Championesse der Berufsreiter küren. Hinter ihr folgte eine Schwedin, die sehr gut beritten in die Saison startet.

Schon an Tag eins des Events setzte sich Julia Krajewski an die Spitze des Teilnehmerfeldes. Mit Chipmunk, einem zehnjährigen Hannoveraner v. Contendro I, zeigte sie die beste Runde im Dressurviereck und erhielt 24,4 Minuspunkte. Denen fügte das Paar das ganze Wochenende über nichts mehr hinzu. Im Gelände lieferten die beiden ihre zweite optimale Vorstellung ab: eine Bilderbuch-Runde in exakt der vorgegebenen Zeit. Damit baute Julia Krajewski ihren Vorsprung komfortabel aus auf einen Spring- plus Zeitfehler – nach dem neuen Dressurmodus (siehe unten) eher eine Seltenheit. Den einen Fehler leistete sich das Paar dann auch: Am Einsprung der Dreifachen fiel eine Stange. Der Rest des Parcours gelang aber einwandfrei. Mit 28,4 Minuspunkten war die 29-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin der Sieg sicher. Außerdem gewann sie zum ersten Mal in ihrer Karriere das Berufsreiterchampionat Vielseitigkeit. Und das war noch nicht alles. Julia Krajewski war „hauptberuflich“ in ihrer Funktion als Nachwuchsbundestrainerin in Marbach unterwegs und ihr Juniorenteam machten den Triple-Erfolg perfekt: Brandon Schäfer-Gehrau, Calvin Böckmann, Anna Lena Schaaf und Libussa Lübbeke gewannen den erstmals in Marbach ausgeschriebenen Nationenpreis der Junioren mit deutlichem Abstand (89,0) vor Italien (104,3).

Schwedische Konkurrenz

Auf Platz zwei im CIC3* behauptete sich Louise Svensson Jähde. Die bei Peter Thomsen stationierte Schwedin kann der Saison gelassen entgegen sehen, denn sie hat zwei tolle Pferde im Stall stehen: die zwölfjährige Holsteiner Stute Waikiki v. San Patrignano, die von Hans Thomsen gezogen wurde und im Besitz der Reiterin und des Züchters steht, sowie Utah Sun v. Limbus, ebenfalls eine Holsteiner Stute aus der Zucht von Hans Thomsen, 14 Jahre alt. Mit Waikiki arbeitete sich Louise Svensson Jähde im Gelände von Platz neun nach der Dressur auf den zweiten Platz vor. Im Parcours zeigten die beiden eine harmonische, rhythmische Runde, die 27-Jährige sitzt geschmeidig im Sattel, gibt kaum sichtbare Hilfen. Ohne Fehler kamen sie ins Ziel und brachten 29,3 Minuspunkte nach Hause. Utah Sun ritt Svensson Jähde nach Zeitfehlern im Gelände mit einer fehlerfreien Runde im Parcours und 37,2 Minuspunkten auf Rang neun.

Felix Etzel freute sich auf Bandit über den dritten Platz. Das Paar absolvierte das Springen ebenfalls fehlerfrei. Mit 31,2 Minuspunkten setzten sie sich vor Josefa Sommer und Hamilton (32,1) sowie Andreas Dibowski auf Corrida (34,6), der im Berufsreiterchampionat auf dem Silberrang landete. Für Dibowski ist das der fünfte Vize-Titel seiner Laufbahn, zuletzt stand er 2011 auf dem Treppchen und gewann Bronze. Der Pferdewirtschaftsmeister hat mit der neun Jahre jungen Corrida ein vielversprechendes Pferd für die Zukunft unter dem Sattel, die Bundestrainer Hans Melzer genau im Blick hat. „Das Tolle an der Stute ist, dass sie immer abliefert mit einer Konstanz, die wirklich bemerkenswert ist. Es ist zwei Jahre her, dass sie einen Springfehler im Parcours gemacht hat“, betont Andreas Dibowski. Corrida war 2014 Bundeschampionesse der Fünfjährigen und 2016 Sechste bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde, letztes Jahr siegreich auf Zweisterne-Niveau und in kurzen Dreisterne-Prüfungen am Start. Zuletzt wurde sie zweite im CIC3* in Stzregom.

Sahnestückchen für Ben Leuwer

Platz sechs im Gesamtklassement und der Bronzerang im Berufsreiterchampionat ging an Pferdewirtschaftsmeister Ben Leuwer. Der 26-Jährige, der bei Dirk Schrade angestellt ist, hatte den Iren Urlanmore Prince gesattelt, den er erst seit letzten Herbst reitet. Die beiden legten eine wahre Aufholjagd hin. Nach einer mittelmäßigen Dressur (42.), fegten sie nur so durchs Gelände und kamen vier Sekunden unter der Bestzeit ins Ziel. Von Rang 13 gingen sie in das abschließende Springen. Sie ließen alle Stangen liegen und addierten zu 35,5 Minuspunkten keine weiteren Punkte hinzu. Für Ben Leuwer war es das erste Mal auf dem Treppchen des Berufsreiterchampionats. „Der Prinz ist nicht unbedingt mit einem optimalen Exterieur gesegnet, aber er hat ein irisches Kämpferherz“, so Ben Leuwer. „Da ist so eine tolle Platzierung schon ein Sahnestückchen.“
Nicolai Aldinger, der mit Newell Rang 22 in der Gesamtwertung belegte, wurde mit einem Preis für den stilistisch schönsten Geländeritt geehrt. Diese Auszeichnung hat der 29-Jährige, der selbstständig auf der Anlage von Andreas Dibowski arbeitet, nun zum dritten mal in Folge entgegengenommen.

Diskussionen über neuen Dressurmodus

Am Rande des Wettkampfs gab es das ganze Wochenende lang ein großes Thema: der neue Dressurmodus. Seit diesem Jahr wird das Dressurergebnis nicht mehr mit 1,5 multipliziert, sondern einfach gezählt. Dadurch liegen die Ergebnisse viel dichter beisammen, das Gelände und vor allem das abschließende Springen bekommen mehr Gewicht. Als die neue Regelung beim Weltreiterverband FEI zur Abstimmung stand, waren Deutschland und die Niederlande die einzigen Nationen, die dagegen gestimmt haben. Bei den Reitern und Offiziellen ist die Stimmung gemischt. „Mit dem neuen Modus wird nicht mehr gutes Reiten bewertet“, gibt Bundestrainer Hans Melzer zu Bedenken. „Denn das Problem ist ja auch, dass die Notenskala nicht ausgeschöpft wird. Statt einer neun oder zehn geben die Richter lieber eine 7,5 oder 8,5. Statt auch mal eine Zwei zu geben, gibt es eine Vier. Jetzt liegen die Teams auf einem Championat weniger als einen Springfehler auseinander. Auf der anderen Seite ist das auch eine neue Herausforderung an die mentale Stärke des Reiters.“

Profi Nicolai Aldinger findet, das neue System hat Vor- und Nachteile: „Es wird unheimlich spannend für die Zuschauer, aber auch für uns Reiter. Und jetzt hat man mit einem Pferd, das solide ausgebildet ist und eine 30er-Dressur gehen kann, auch noch gute Chancen in die vordere Platzierung zu reiten – das war vorher oft nicht der Fall. Wir betreiben Vielseitigkeitssport, keinen Dressursport. Auf der anderen Seite hat das Springen jetzt schon sehr viel Gewicht und man muss aufpassen, dass nicht in Zukunft zu risikoreiches Reiten belohnt wird.“ Die Gefahr sieht auch die Siegerin Julia Krajewski: „Es kann sein, dass der neue Modus schnelles Reiten, zu schnelles Reiten fördert, was dann zu Lasten der Grundausbildung geht. Wenn man bedenkt, was Pferd und Reiter schon allein in der Dressur und im Gelände leisten und wieviel dann ein Springfehler ausmacht, bin ich mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist. Aber keine Frage, die Spannung steigt dadurch natürlich. Man muss abwarten, wie sich das entwickelt.“

Die internationale Ponyprüfung hat Lisa Gualtieri mit O ma Doue Kersidal (28,3) gewonnen. Beste Deutsche wurde Emily Roberg mit Sandro auf Platz drei (32,7) hinter Baptist Petillion (BEL)/Hadgar (31,9)  

Alle Ergebnisse vom CIC3* Marbach finden Sie hier.

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