CIC3* Marbach: Frauenpower an der Spitze

Julia Krajewski und Chipmunk (© www.st-georg.de)

Nach einem Geländetag mit Bilderbuch-Bedingungen ist in Marbach die zweite Teilprüfung entschieden. An der Spitze haben sich zwei Reiterinnen behauptet, von der eine auch um die Schärpe des Berufsreiterchampions Vielseitigkeit kämpft.

Julia Krajewski, die schon nach der Dressur in Führung gegangen war, hat in der Geländeprüfung nichts anbrennen lassen. Die Nachwuchsbundestrainerin, die zugleich ihr Junioren-Team im Nationenpreis unterstützte, steuerte den Hannoveraner Chipmunk v. Contendro I souverän über den Kurs. Überall der direkte Weg, keine Unsicherheit am Absprung, kraftvolles, aber effektives Galoppieren und eine vorbildlich sitzende Reiterin – es war eine Freude dem Paar zuzuschauen. Im vergangenen Jahr waren die beiden hoch platziert in den langen und kurzen Dreisterne-Prüfungen in Sport (POL), Wiesbaden, Luhmühlen und Blenheim (GBR). Ihre Erfahrung spiegelte sich auch in der Zeit nieder, die das Paar für den Marbacher Geländekurs benötigte.

Viele Teilnehmer haben oft Probleme in dem hügeligen Gelände ohne Zeitfehler ins Ziel zu kommen. Julia Krajewski und Chipmunk absolvierten die Prüfung mit einer Punktlandung. Die Uhr stoppte bei 6.17 Minuten – die vorgegebene Bestzeit. Damit gehen sie mit ihrem Dressurergebnis von 24,4 Minuspunkten in das abschließende Springen morgen und Julia Krajewski peilt nicht nur den Sieg im CIC3* an, sondern auch Platz eins im Championat der Berufsreiter. Und nicht nur das. Auch in ihrer Funktion als Bundestrainerin hat sie allen Grund zur Freude. Ihre Schützlinge liegen im Nationenpreis der Junioren, der in Marbach erstmals ausgeschrieben ist, mit einem komfortablen Abstand von 14,3 Punkten in Führung.

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Schwedin auf Platz zwei

Den zweiten Platz belegt nach wie vor die Schwedin Louise Svensson Jähde, Team-Silbermedaillengewinnerin bei der EM in Strzegom 2017 – allerdings haben ihre beiden Pferde die Plätze getauscht. Utah Sun kam gestern noch auf Platz zwei aus der Dressur. 10,4 Zeitfehler im Gelände ließen den Holsteiner allerdings auf Rang 17 (37,2 Minuspunkte) abrutschen. Dafür hat Svensson Jähdes zweites Pferd Waikiki Plätze gut gemacht: vom neunten Rang hinter die Führende (29,3).

Felix Etzel ging als erster von insgesamt 75 Teilnehmern auf die Strecke und legte gut vor. Er kam ohne Hindernisfehler und zwei Sekunden unter der Bestzeit ins Ziel. Allerdings hatte er mit seinem zehnjährigen Hannoveraner Bandit v. Betel xx ein sehr hohes Tempo gewählt und er hatte Bandit nicht an jedem Sprung vor seinen Hilfen. „Ich habe zwei, drei Sprünge überritten“, resümierte der Reiter im Anschluss selbst. Dafür gab es ein paar mahnende Worte des Bundestrainers Hans Melzer. Etzel und Bandit machten 17 Plätze gut und arbeitete sich von Rang 20 auf den dritten Platz vor. Damit setzten sie sich vor Josefa Sommer und Hamilton (32,1) sowie Pferdewirtschaftsmeister Dirk Schrade mit Unteam de la Cense (32,2), der momentan im Berufsreiterchampionat auf dem Silberrang liegt vor Andreas Dibowski (34,6). Dieser ist mit seiner Nachwuchshoffnung Corrida am Start ist. Die Contendro I-Tochter ist erst neun Jahre alt, hat aber schon viele Fans unter den Reitern, Zuschauern und Offiziellen. Anfang April war Dibowski mit der Stute Zweite beim CIC3* Strzegom (POL). „Corrida ist ein Pferd mit so viel Qualität. Ich kann mir dieses Paar sehr gut im Championatsteam vorstellen“, so Hans Melzer.
Frank Ostholt liegt im Berufsreiterchampionat im Moment auf Platz vier. Er sitzt im Sattel des acht Jahre jungen, selbst gezogenen Jaguar Mail-Sohns Jum Jum (34,7).

www.st-georg.de

Louise Svensson Jähde mit Waikiki (www.st-georg.de) (© www.st-georg.de)

Kursänderung

Das Wetter hätte an einem Geländetag nicht besser sein können: strahlender Sonnenschein den ganzen Tag lang und eine angenehme Brise. Die Geländestrecke war 3456 Meter lang und gesäumt mit 24 liebevoll gestalteten, detailreichen Hindernissen. Vier Reiter blieben in der vorgegebenen Zeit, sieben Teilnehmer schieden insgesamt aus. Kurz nach Beginn der Prüfung gab es eine kurzfristige Änderung des Streckenablaufs.

Der erste Teil des Starterfeldes hatte massive Probleme am Komplex 13 a,b,c mit dem Namen „Downhill ins Schäferdorf“ – ein Tiefsprung, ein schmales Element und ein Schweinerücken in schneller Abfolge. Dort gab es schon unter den ersten sieben Startern zwei Verweigerungen und zwei Stürze. Deshalb wurde das zweite Element, Sprung 13 b, kurzerhand aus dem Kurs genommen, die folgenden Reiter mussten die Alternativ-Linie reiten, die geforderte Zeit wurde um zwölf Sekunden nach oben gesetzt.

Glück für Marina Köhncke. Sie hatte mit Ignatz einen Vorbeiläufer an 13 c gehabt – der wurde am Ende nicht gewertet. Pech für Pauline Knorr, die mit ihrem ersten Pferd Wilbert Bo nach dem Tiefsprung gestürzt war und sich einen Schlüsselbeinbruch zuzog. Mit ihrem zweiten Pferd Starlight konnte sie nicht mehr antreten. Die junge Ausbilderin, die sich dieses Jahr auf der Anlage von Andreas Dibowski selbstständig gemacht hat, hatte sich erst letzten Winter einen Oberschenkelbruch zugezogen und musste pausieren. Seit vier Wochen war sie wieder am Start in Ein- und Zweisterne-Prüfungen.    
Einen weiteren unschönen Zwischenfall gab es bei den Ponyreitern. Marie Schreiber war mit ihrem Pony Diabas im Wasserkomplex unterwegs, als sich ein Hund eines Zuschauers losriss und hinter Diabas herrannte. Das Pony erschrak und Marie Schreiber stürzte. Ob die Reiterin, die glücklicherweise unverletzt blieb, Einspruch einlegen wird oder der Hundehalter mit Konsequenzen rechnen muss, ist noch offen. Der Veranstalter hat kurzfristig für Marie Schreiber einen Sonderehrenpreis ausgelobt. Sie bekommt einen neuen Reithelm.

Im Hinblick auf das anstehende Event in Luhmühlen und die immer wieder auftretenden Probleme mit freilaufenden Hunden während einer Geländeprüfung wird diskutiert, die Hundehalter in solch einem Fall deutlich zur Kasse zu beten.

EM 2023 in Marbach?

Schöne Nachrichten gab es dagegen für die Veranstalter: Marbach ist als EM-Standort 2023 im Gespräch. Bei einem Treffen mit Vertretern aus Politik und Wissenschaft am Rande des Events wurde über eine mögliche Bewerbung diskutiert. Im Sommer soll eine Entscheidung fallen.

Alle Ergebnisse des CIC3* finden Sie hier.
Die Platzierung im Berufsreiterchampionat gibt’s hier.

 

 

Corrida unter Andreas Dibowski (www.st-georg.de)

 

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