Olympia: Gold für die deutsche Dressur-Mannschaft in Rio

Dorothee Schneider mit Einzelmedaille im Visier

Mit einem grandiosen Ritt setzte sich Dorothee Schneider (über die wir hier einige Fakten zusammengetragen haben) mit dem zehnjährigen Hannoveraner Showtime auf Zwischenrang drei (82,619), hat jetzt auch die Chance auf eine Einzelmedaille. Sie gehörte bereits in London zum Silberteam, musste ihr Pferd Diva Royal sofort nach den Spielen abgeben. Damals flossen Tränen. Diesmal wieder, aber vor Freude. „Wenn man sieben Jahre mit einem Pferd zusammenarbeitet, und es kommt so etwas dabei raus, das ist schon sehr emotional“, sagte die Ausbilderin. Wie mit Siebenmeilenstiefeln durcheilte der mächtige Braune v. Sandro Hit die Diagonalen, paradierte stolz in den Passagen, glitt geschmeidig in die Seitwärtsbewegung bei den Traversalen, erlaubte sich keinen Fehler in den schwierigen Galoppwechseln, nur eine kleine Stockung am Ende der Rechtspirouette, folgte gehorsam den feinfühligen Aufforderungen seiner Reiterin – ein Bild voller Kraft und Energie. 17 Mal zogen die Richter die Traumnote zehn, unter anderem für Sitz und Einwirkung der eleganten Reiterin.

Pauline von Hardenberg

Showtime und Dorothee Schneider (© Pauline von Hardenberg)

Auch Weltranglistenerste Kristina Bröring-Sprehe mit 81,401 Punkten auf Rang vier, kann noch von einer Einzelmedaille träumen. Heute wurde der 15-jährige Hannoveraner Rapphengst Desperados v. De Niro zwischendurch ein wenig stark, machte aber keine Fehler und bot insgesamt ein Bild von leichtfüßiger Eleganz.

Der 21-jährige Sönke Rothenberger setzte als erster deutscher Reiter mit einem sehr guten aber nicht medaillenverdächtigen Ritt seinen gelungenen Olympiaeinstand fort. Cosmo bestach durch schwungvolle Verstärkungen und kraftvolle Passagen. „Jetzt hat alle Welt gesehen, dass Cosmo ein Weltklassepferd ist“, sagte er. Anders als im Grand Prix drückten mehrere Fehler in den fliegenden Galoppwechseln die Wertnoten. „Ich weiß woran ich arbeiten muss“, sagt er.

Pauline von Hardenberg

Olympia Gold mit 21 Jahren: Sein Pferd kann traben wie kaum ein anderer und hat mit neun Jahren noch die Möglichkeit, bei den Olympischen Spielen 2020 und 2024 teilzunehmen: Cosmo unter Sönke Rothenberger, mit 21 Jahren der jüngste im deutschen Dressurteam, der bei der Kür trotz 76,261 Prozent und Platz zehn (!), als viertbester Deutscher nicht im Einzelfinale starten darf. (© Pauline von Hardenberg)

Cosmo ist mit seinen neun Jahren das jüngste Pferd des Feldes und hat noch eine olympische Zukunft vor sich. Mit 76,261 Prozent rangiert er auf Platz zehn, darf aber als Streichergebnis am Montag nicht mehr in der Kür um den Einzeltitel kämpfen, nur drei Reiter pro Nation sind zugelassen. Bei der Siegerehrung sorgte Cosmo noch für Aufregung, trat mit dem Vorderhuf Rothenbergers Pfleger Robby Sanderson an den Kopf. Er blieb eine Weile liegen, aber es sah wohl schlimmer aus, als es war. Nur zum Durchchecken wurde er noch ins Krankenhaus gefahren. „Jetzt hat Robby ein paar Tage eine Indianerfrisur“, sagte Isabell Werth. Auch auf der Ehrenrunde gebärdete er sich etwas wild, als ihm die Schleife um die Augen schlug. Mit vereinten Kräften konnten Isabell Werth und Sönke Rothenberger sie vom Zaumzeug reißen, dann war Ruhe.

Die Briten leben von ihrem Eckpfeiler Carl Hester, der alle drei Pferde und sich selbst mit Nip Tuck v. Don Ruto (76,458, Prozent, 9.) trainiert, außer Dujardin und Valegro auch Fiona Bigwood mit Orthilia v. Gribaldi (74,342 Prozent, 16.) und Spencer Wilton mit Super Nova II v. De Niro (73,613, Prozent, 21.).

Kein anderer Reiter als Carl Hester bekäme wohl mit dem etwas poesielosen, und zudem sehr guckigen Braunen Nip Tuck mehr als 76 Prozent. Mit gleichmäßigen Piaffen und Passagen und einer sicheren Galopptour sammelte er die für die Silbermedaille wichtigen Punkte.

Fiona Bigwood gefiel wie schon mit Grand Prix mit ihrer feinen, leichtfüßigen Totilas-Halbschwester, der Oldenburger Stute Orthilia. Leider gelangen die Piaffen, sonst eine Paradelektion der Rappstute, diesmal nicht. Um Platz drei, Bronze, kämpften vor allem zwei Teams, die Niederländer und die US-Equipe.

Pauline von Hardenberg

Carl Hester und der riesengroße Nip Tuck, Silber mit dem Team Großbritannien. (© Pauline von Hardenberg)

Beste Reiterin im US-Team war Laura Graves auf dem Halbhackney Verdades v. Florett Ass. Er sprühte vor Energie, imponierte in Piaffen und Passagen und mit seinen schnurgerade gesprungenen fliegenden Galoppwechseln. Mit 80,644 Prozent ist das Paar noch nicht außer Reichweite einer Einzelmedaille, vorläufig Platz fünf.

Die Niederländer, früher die stärksten Gegner der Deutschen, landeten auf dem medaillenlosen vierten Platz. Sie traten nach dem Ausfall von Adelinde Cornelissen und Parzival nur noch mit drei Reitern an.

Im Deutschen Haus wurde gestern die Dressur-Goldmedaille Nummer 13 gefeiert. Die erste gab’s vor 88 Jahren, 1928, mit Freiherr von Langen als Einzelsieger, dann ab 1964 regelmäßig in wechselnder Besetzung – mit bisher nur drei Ausnahmen: 1972, ausgerechnet vor eigenem Publikum mussten die Deutschen die Russen vorbeiziehen lassen. 1980 boykottierte das Nationale Olympische Komitee (NOK) die Spiele in Moskau wegen des russischen Einmarschs in Afghanistan und 2012 schließlich waren die Briten in London nicht zu schlagen. Das Siegen ist nicht mehr so selbstverständlich. Und deswegen macht es irgendwie viel mehr Spaß.

 

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