Spaniens Dressurteam für Olympia mit einem Neu-Vater

Da tobte Deodoro – als Severo Jurado Lopez und Lorenzo zum letzten Mal auf die Richter zu passagierten und aus den Lautsprechern Bon Jovis Rebellenhymne It’s my life ertönte, konnten die Zuschauer nicht mehr an sich halten und klatschten begeistert im Takt mit. Am Ende wurde der Spanier Fünfter. Am Einritt stand schon Chef Andreas Helgstrand bereit und riss seinen Stalljockey geradezu vom Pferd.

Severo Jurado Lopez auf Lorenzo bei den Olympischen Spielen in Rio. (© Pauline von Hardenberg)

Das nennt man eine Punktlandung, die Paula Jurado Lopez da hingelegt hat! Pünktlich ehe Papa Severo zusammen mit dem spanischen Dressurteam in Richtung Tokio aufbricht, hat sie beschlossen, da muss sie auch bei sein.

Ende vergangener Woche hat Severo Jurado Lopez‚ dänische Lebensgefährtin Annika Damrau eine kleine Tochter zur Welt gebracht, die den Namen Paula bekommen hat. Das war allerhöchste Eisenbahn, denn inzwischen ist ihr Vater bereits mit seinem Fendi auf dem Gelände des CHIO Aachen in Quarantäne, ehe es in Richtung Tokio geht. Aber so konnte er sie noch kennenlernen.

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Für Severo Jurado Lopez werden dies die zweiten Olympischen Spiele sein und die ersten, seitdem er Helgstrand Dressage verlassen und sich selbstständig gemacht hat. Den elfjährigen Negro-Sohn Fenti T reitet er noch nicht allzu lange. Er steht noch immer im Mitbesitz von Van Olst Horses und es war Van Olsts Stallreiterin Charlotte Fry (GBR), die Fendi bis dato ausgebildet und in der kleinen Tour vorgestellt hatte.

Die ersten internationalen Grand Prix-Einsätze hatte Fendi erst unter Severo. Viele waren es nicht. In Hagen bewegten die beiden sich noch im 68 Prozent-Bereich eher unter „ferner liefen“. Beim CDI Compiègne konnten sie sich schon auf gut 71 Prozent in Grand Prix und Special verbessern. Und bei der Generalprobe im Rahmen des CDI Grote Bogel waren es 72,478 Prozent im Grand Prix und 72,724 Prozent im Special.

Mit ihm im Team ist zum einen José Antonio Garcia Mena auf dem 14-jährigen Westfalen Sorento v. Sandro Bedo-Florestan. Den Fuchs kannte man früher unter Isabell Werth, mit der Garcia Mena zusammen arbeitet. Letztes Jahr hatte das Paar die ersten Turniereinsätze und war stets im 70 Prozent-Bereich unterwegs. Dieses Jahr hatten sie nur einen einzigen Turnierauftritt bei der Sichtung der Spanier in Grote Bogel, wo sie Vierte im Grand Prix (72,239) und Dritte in der Kür wurden (71,610).

Ein weiteres neues Pferd stellt Beatriz Ferrer-Salat vor, nämlich die zwölfjährige KWPN-Stute Elegance v. Negro, gezogen im Stall Van Olst. Sie ging schon als Youngster nach Spanien und hat 2019 ihr Grand Prix-Debüt gegeben. Auch bei ihr gilt in Sachen Ergebnisse: Tendenz steugend. Beim CDI Grote Bogel gewann sie beide Prüfungen, den Grand Prix mit 73,695 Prozent, den Special mit 75,489 Prozent. Damit ist das Paar zumindest auf dem Papier das stärkste der Mannschaft.

Das erfahrenste ist allerdings die Kombination Claudio Castilla Ruiz auf Alcaide. Der 16-jährige Lusitano-Hengst und sein Reiter waren unter Spanischer Flagge bei den Europameisterschaften 2017 und 2019 am Start, den Weltreiterspielen in Tryon und den Olympischen Spielen in Rio.

Welche drei Paare von diesen vieren nun die Mannschaft in Tokio bilden werden und wer die Reservebank drücken muss, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Die anderen Disziplinen

Weder im Springen noch in der Vielseitigkeit konnte Spanien eine Mannschaft qualifizieren. Als Einzelreiter wurde im Springen Eduardo Àlvarez Aznar mit Legend und in der Vielseitigkeit Francisco Gaviño Gonzalez auf Source de la Faye benannt.

Der 24-jährige Gaviño Gonzalez und die 15-jährige Anglo-Araber Stute Source de la Faye haben schon reichlich Championatserfahrung. Sie waren bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter 2015, 2017 und 2018 am Start. 2019 hatten sie ihren ersten Vier-Sterne-Einsatz in Barocca d’Alva und waren auf Anhieb siegreich.

Eduardo Alvarez Aznar kannte man vor allem mit Rokfeller de Pleville Bois Margot, mit dem er bei drei Europa- und zwei Weltmeisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio und zwei Weltcup-Finals. Sein jetziges Olympiapferd Legend ist ein zehnjähriger BWP-Wallach v. Ogano Sitte, der seit Mitte 2019 mit Alvarez Aznar im Einsatz ist. Dieses Jahr verging kein Turnier, bei dem die beiden nicht gut platziert gewesen wären. Zum Beispiel war das Paar Anfang Mai siegreich im Großen Preis des CSI4* St. Tropez. Eine Woche später waren sie an derselben Stelle Zweite im CSI5*-Grand Prix.

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