WM Verden: Dänische Schwestern sorgen für Aufsehen

Fiontini und Severo Jurado Lopez bei der WM in Verden 2015

Fiontini und Severo Jurado Lopez bei der WM in Verden 2015 (© Frieler)

Es könnte ein dänischer Doppelerfolg werden bei den diesjährigen Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde, wenn Sezuan seinen Titel verteidigen kann und das Finale der Fünfjährigen so ausgeht wie die heutige Qualifikation.

Die diesjährige Qualifikation der fünfjährigen Dressurpferde hatte etwas besonderes zu bieten: zwei Vollschwestern, Fiontini und Fiontina v. Fassbinder-Blue Hors Romanov, die von der Zuchtgemeinschaft Lund gezogen wurden, via Embryotransfer zur Welt kamen und dementsprechend beide um den Titel des Weltmeisters der jungen Dressurpferde kämpfen können. Optisch könnten die beiden allerdings verschiedener kaum sein – die eine hochgewachsen, eher hager und in Dunkelfuchsjacke, die andere auch groß, aber sehr kompakt und von satt brauner Farbe. Eine von ihnen nahm die goldene Schleife mit nach Hause: Fiontini, die Braune, die vom Bereiter von Andreas Helgstrand vorgestellt wurde, dem 26-jährigen Spanier Severo Jesus Jurado Lopez.

Fiontini kam auf eine beachtliche Gesamtnote von 9,48. Wobei die 10,0 für den Trab herausstach. Die imposante Stute bewegte sich mit ganz großer Elastizität. Da „schwuppste“ alles. Allerdings hätte man sich das Ganze etwas mehr im Fluss nach vorne gewünscht. Die Stute verlor immer mal wieder das Gleichmaß in der Trabtour, insbesondere in den Wendungen und ganz deutlich beim Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen. Auch pinselte sie immer mal mit dem Schweif und brauchte eine halbe Diagonale, bis sie nach der Trab- in der Schritttour zum losgelassenen Schreiten kam. Die Jury mit Susanne Baarup (DEN), Annette Fransen Iacobaeus (SWE), Andrew Ralph Gardner (GBR) und Liselotte Fore (USA) meinte, besser kann ein Pferd nicht traben: 10,0. Nachdem sie einmal losgelassen hatte, zeigte Fiontini einen geregelten, fleißigen Schritt mit genügend Raumgriff (8,1). An der Grundqualität des Galopps gab es ebenfalls wenig auszusetzen. Positiv fiel vor allem das energische Ab- auf weite Durchspringen auf (9,8). In der Durchlässigkeit gab es eine 9,7, die Tageshöchstnote in diesem Bereich – was etwas verwunderte angesichts dessen, dass einige andere Paare vielleicht nicht ganz so spektakulär, dafür aber während der gesamten Prüfung losgelassen, taktsicher und im Gleichmaß ihre Runden zogen und trotzdem deutlich unter dieser Bewertung blieben.

Fiontinis Schwester Fiontina belegte unter Andreas Helgstrand Platz acht mit der Durchschnittsnote 8,86. Sie steht der Siegerin hinsichtlich der Grundqualität in nichts nach, machte heute aber einen ziemlich unzufriedenen Eindruck mit einigen Spannungstritten zwischendurch und überhaupt fehlendem Gleichmaß. Trotzdem erhielt sie in dem Bereich Durchlässigkeit eine Bewertung zwischen Gut und Sehr gut, die 8,5. Vielleicht haben die Besitzverhältnisse den Ausschlag gegeben für Helgstrands Wahl, Fiorentina zu reiten. An der hält er nämlich 50 Prozent der Anteile, während ihre Schwester noch ganz den Züchtern gehört. Deren Reiter Servero Jurado lobt vor allem die Arbeitseinstellung der Stute: „Es ist ein großartiges Gefühl, auf ihr zu sitzen. Sie hat immer die Ohren vorne und ist einfach easy. Wenn ich es gut mache, macht sie es auch gut.“ Dann darf man gespannt sein, wie der Spanier, der vor einigen Jahren aus Spanien zu Jan Bemelmans wechselte, danach für den Stall van Olst in den Niederlanden ritt und nun seit ziemlich genau zwei Jahren im Stall Helgstrand beschäftigt ist, im Finale drauf ist.

Konkurrenz bekommen er und Fiontini den heutigen Noten nach zu urteilen, vor allem von dem KWPN-Hengst Five Star v. Amazing Star-Jazz (Z.: P.G. Bijvelds, Niederlande). Five Star ist ein wunderschöner Dunkelfuchs, den Kirsten Brouwer präsentierte, die im vergangenen Jahr den heute siebenjährigen Dancer zum Weltmeister machte. Der Elastizität und der Ausstrahlung des gekörten Hengstes standen gelaufene Trabverstärkungen gegenüber, in denen der Hengst eher nach hinten raus arbeitete als unter den Schwerpunkt und zudem deutlich breit wurde. Er bekam trotzdem eine 9,7 für diese Grundgangart. Im Schritt marschierte Five Star ganz groß los mit kaum zu übertreffendem Raumgriff. Allerdings gingen die Bewegungen nicht geschmeidig durch den Körper und über den Rücken, sondern er „stakste“ eher über die Diagonalen. 9,5 gab es von den Richtern. Machte zusammen mit 9,3 im Galopp, 9,2 für die Durchlässigkeit und 9,5 im Gesamteindruck die Endnote 9,44 – 0,04 weniger als Fiontini.

Auch Rang drei war holländisch besetzt, mit dem lackschwarzen Four Legends v. Wynton-Ferro (Z.: J. M. Jansen, Niederlande) unter Marieke van der Putten. Er bewegte sich mit einer konstanten Bergauftendenz, elastisch, fleißig und taktrein, dazu in gleichmäßiger Anlehnung. Sah man bei den Runden auf dem Prüfungsviereck vor dem Klingel zum Einreiten noch gespannte Schwebetritte und energische Paraden seitens der Reiterin, wurde das in der Prüfung deutlich besser. Die Noten: 9,6 für den Trab, 8,5 im Schritt, 9,7 im Galopp, 9,3 für die Durchlässigkeit und 9,5 für den Gesamteindruck. 9,32 lautete das Gesamtergebnis.

Bestes deutsches Pferd und zugleich Vierter der Prüfung wurde der Hannoveraner Prämienhengst Quantensprung v. Quando-Quando-Donnerhall (Z.: Gabriele Berner) unter Vera Nass, der Bereiterin auf dem Klosterhof Medingen, dem der beeindruckende Dunkelfuchs mit dem hell abgesetzten Langhaar gehört. Diesen beiden zuzuschauen, machte richtig Spaß! Ein Pferd, bei dem alles in Fluss und Schwung war – und zwar so, wie man sich das vorstellt, nämlich von hinten nach vorne. Das ging zeitweilig auf Kosten der Leichtigkeit in der Anlehnung. Die war mitunter etwas stramm, so dass der Hengst zwischendurch das Maul öffnete. Dem gegenüber stand allerdings ganz großes Schwingen mit einer natürlichen Kadenz im Bewegungsablauf. Ein wenig abgelenkt war Quantensprung heute noch, weshalb er nach der halben Volte nach links einmal angaloppierte (was aber schnell korrigiert werden konnte) und von Zeit zu Zeit seine Kumpels auf dem Arbeitsplatz rief. Die Durchlässigkeit wurde mit 8,5 bewertet. Ansonsten gab es eine 9,5 im Trab mit herrlichen Verstärkungen, 9,3 für den gelassenen, raumgreifenden Schritt und 9,4 für den bergauf angelegten Galopp mit genügend Fleiß und Durchsprung. 9,4 lautete die Note für den Gesamteindruck, machte unter dem Strich eine 9,18.

Auf Rang fünf steuerte Ann-Christin Wienkamp, Bereiterin im Stall von Nachwuchsbundestrainer Oliver Oelrich, den Oldenburger Hengst Sir Olli v. Sir Donnerhall-Florestan (Z.: Gerd Küst), ein schicker Brauner mit viel Schwung. Allerdings sah die Vorstellung der beiden heute – womöglich aufgrund der Witterung – nach ziemlich viel Arbeit aus. Ihnen unterlief kein grober Fehler, aber es fehlte heute die Energie nach vorne, die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit, die man später im ganz großen Sport braucht. 8,98 lautete die Gesamtnote (Trab: 8,8, Schritt: 9,5, Galopp: 8,8, Durchlässigkeit: 9,0, Gesamteindruck: 8,8).

Die beiden teilten sich übrigens den fünften Platz mit dem besten schwedischen Paar, Grand Prix-Reiterin Jeanna Högberg auf Springbank v. Skovens Rafael-De Niro (Z.: Västra Hoby Stuteri). Springbank ist ein hoch gewachsener langbeiniger Dunkelfuchs, der schon aufgrund seiner Erscheinung die Blicke auf sich zieht. Dazu trabt er beeindruckend kraftvoll daher. Allerdings wirkte er bereits während der Trabtour nicht vollkommen losgelassen, ein Eindruck, der sich im Schritt noch verstärkte. Womöglich kann er im Finale, wenn er das Viereck bereits kennt, eine noch höhere Bewertung erhalten.

Das dritte deutsche Paar unter den Platzierten war die Trakehner Reitpferdebundeschampionesse Zikade v. Singolo-Tambour (Z.: Norbert Timm) unter Dorothee Schneider. Die Stute bot wie von Schneider gewohnt das Bild eines gut gerittenen Pferdes: durchlässig, bei leichter Anlehnung, stets im Takt und mit altersgemäßer Versammlungsbereitschaft. Allerdings wünschte man ihr bei aller Elastizität und Bergauftendenz doch eine etwas aktivere Hinterhand. Für den Trab gab es die 8,7, im Schritt die 8,8, 8,5 für den Galopp, eine voll verdiente 9,0 im Bereich Durchlässigkeit und schließlich 8,7 für den Gesamteindruck, was unter dem Strich eine Endnote von 8,74 und Rang zwölf bedeutete.

„Einen raus“ waren Stefanie Wolf, Haus- und Hofreiterin bei Reitmeister Jo Hinnemann, und der westfälische Hengst Rockmann Royal v. Rock Forever-Show Star (Z.: Herbert Laumann). Mit der Endnote 8,66 belegten sie Rang 13 und haben damit den direkten Einzug ins Finale knapp verpasst. Sie können sich jetzt noch über das kleine Finale qualifizieren. Die besten Drei kommen hier weiter. Dasselbe gilt auch für die von Claudia Rüscher vorgestellte Hannoveraner Stute Florina v. Fürst Romancier-Donnerhall (Z.: Walter P.J. Droege), die mit einer Endnote von 8,52 17. wurde, für die rheinische Don Primus-Wolkentanz II-Tochter Deluxe (Z.: Janet Stratmann) unter Laura Blackert (8,14, Rang 23) und die auffällig schön sitzende Ann-Kathrin Wilting auf Rock Forever II v. Rockwell-Landstreicher aus der Zucht von Heinz Könermann (8,13, Platz 24).

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