Fahren: Marathonsieg für Christoph Sandmann

Marathon beim CHIO Aachen 2017

Fahren auf dem CHIO Aachen 2017: Marathon (© CHIO Aachen)

Der Deutsche Meister Christoph Sandmann hat dafür gesorgt, dass der Tag der Geländeprüfung für die Fahrer ein richtig guter Tag wurde. Mit seinem Sieg im Marathon sorgte er dafür dass das deutsche Team in der Nationenpreiswertung vom fünften auf den zweiten Platz vorrückte. Und das war nicht alles.

Christoph Sandmann katapultierte sich selbst vom neunten auf den fünften Platz in der Gesamtwertung um die Kombinierte Prüfung. 111, 34 Punkte standen auf seinem Konto nach der Geländefahrt, das bedeutete zusammen mit seinem Dressurergebnis 165,26 Punkte. Damit ist ein Platz auf dem Treppchen durchaus noch in Reichweite, weniger als ein Abwurf im abschließenden Hindernisfahren liegt zwischen ihm und dem an zweiter Stelle rangierenden Niederländer Ijsbrand Chardon (162,48). Wohl nicht mehr zu erreichen ist die Führungsposition des Weltmeisters Boyd Exell (152,70 Punkte), der nach zwei Wertungsprüfungen einen so großen Vorsprung hat, dass ihm wohl sein achter Sieg im Preis der Familie Talbot nicht zu nehmen ist. Im Marathon heute „nur“ als Vierter im Ziel lässt er dennoch seinen Konkurrenten kaum eine Chance auf den Gesamtsieg.

Neues Gesicht beim Fahren aus dem Nachbarland

Auf den Plätzen wird es noch spannend. Erstmalig hat sich der Belgier Edouard Simonet in Aachen mit einem zweiten Platz im Marathon in die Weltspitze gefahren und setzt sich sogar mit dem dritten Platz in der Gesamtwertung zwischen die erfolgsverwöhnten Niederländer. Seine Arabo-Friesen haben zwar nicht die größte Grundschnelligkeit in den Hindernissen, gewinnen aber mit Durchlässigkeit und der Fähigkeit auf kleinstem Raum zu wenden. 164,41 Punkte und damit  eine gute Ausgangsposition vor dem Kegelfahren lassen aufhorchen.  „Für mich ist das keine so große Überraschung“, kommentiert Karl-Heinz Geiger, Bundestrainer der deutschen Fahrer, das gute Ergebnis des Belgiers. „Ich halte Edouard Simonet für einen sehr talentierten Fahrer. Eher überrascht es mich dass seine Pferde das so toll machen, das habe ich bei der Rasse nicht erwartet. Aber er kann eben immer die kürzesten Wege fahren, das bringt ihm am Ende die Zeitersparnis“.

Als 17. von 25 Startern hatte Sandmann lange um seinen Sieg zittern müssen, starteten doch die besten Fahrer allesamt nach ihm. Doch weder die Niederländer Theo Timmermann und Koos de Ronde, kein Boyd Exell oder Chester Weber konnten ihm den Sieg noch streitig machen. Dabei hätte es leicht schiefgehen können, eine unfreiwillig gefahrene Volte in Hindernis acht wäre ihm um ein Haar zum Verhängnis geworden. „Eigentlich habe ich mit meinen vier erfahrenen Pferden ein total eingespieltes Team, wir verstehen uns sehr gut. Aber im letzten Hindernis hat „Wierd“ doch kurz seinen eigenen Kopf durchgesetzt, vielleicht habe ich da auch nicht schnell genug regiert“, erklärt Sandmann die gebrauchte Zeit. Umso größer war das Strahlen des eher wenig emotionalen Emsländers nachdem der Sieg feststand.

Georg von Stein war nicht wirklich zufrieden mit seinem Abschneiden im Gelände. „Meine Vorderpferde waren nicht so auf Zug wie sie sonst sind. Ich hatte zwar keine großen Ausfälle auf der Strecke, aber viele Unregelmäßigkeiten, die sich summierten. Die Strecke hat viel rausgenommen aus den Pferden“, erklärte er seinen achten Platz im Marathon.

Total enttäuscht beendete Michael Brauchle, der dritte deutsche Teamfahrer die Geländefahrt auf dem 13.Platz.  Schon dreimal hat er in Aachen den Marathon gewinnen können, dieses Jahr steht bei ihm unter keinem guten Stern. Auch er bemängelte die Leistung seiner Vorderpferde, die „einfach nicht so durchzogen“. So muss der amtierende Europameister fürchten, Ende August nicht zur Titelverteidigung nach Göteborg fahren zu können. Die Chance besteht stattdessen für Mareike Harm, die zwar zumeist nicht im Gelände glänzt, jedoch mit guten Dressurleistungen punktet und auch im Kegelfahren zuverlässig gute Ergebnisse liefert. „Ich bin immer froh, wenn ich glücklich im Ziel bin“, bekannte sie, das sie auf dem 16. Platz erreichte. „Es war heute mega-anstrengend, bei meinen Pferden ließ die Kraft merkbar nach“.  Rainer Duen als zweiter deutscher Einzelfahrer landete auf dem 19.Platz.

Völlig daneben lag heute Chester Weber. Der US-Amerikaner fand überhaupt keinen Rhythmus in den Hindernissen und beendete den Marathon auf dem 20.Platz. Damit blieb er weit unter den Erwartungen, wird er doch häufig als einziger ernstzunehmender Gegner von Exell genannt.

Alle Fahrer lobten die phantastischen Bedingungen, unter denen sie in Aachen an den Start gehen können. Dazu trugen maßgeblich der gute Boden und die zwar technisch anspruchsvollen, aber fair gebauten Hindernisse bei, für die seit Jahren Dr. Wolfgang Asendorf verantwortlich zeichnet. Anstrengender als sonst war die der eigentlichen Hindernisstrecke vorangehende Wegestrecke, die durch über kurze Anstiege und Gefälle führte und die Pferde schon mal mehr ziehen mussten als sonst in dieser Phase gewohnt. „Im Emsland haben wir keine Berge, das kann ich nicht trainieren“, sagt Sandmann halb scherzhaft, halb ernst. Er plädiert dafür, die Wegestrecke auch international zu streichen. Ungewöhnlich lang waren auch die zu fahrenden Distanzen in den Hindernissen. Das forderte Kondition. Michael Freund, selbst vierfacher Sieger im Aachener Marathon, hatte die Ansprüche im Vorfeld schon so eingeschätzt: „Seit zehn Jahren war es hier nicht so schwer. Das hügelige Gelände und die langen Hindernisse kosten Kraft“. Umso erfreulicher, dass alle Pferde wohlbehalten im Ziel ankamen, deutliche Konditionsrückstände nicht zutage traten.

Bei der Europameisterschaft wird Freund auch aktiv sein, für die Gastegber. Der schwedische Verband hat ihn mit Blick auf die Heim-EM in Göteborg als Coach verpflichtet. Den Ausgang der Kombinierten Prüfung in Aachen sieht er ganz nüchtern so: „Im Nationenpreis werden die Niederlande gewinnen und in der Einzelwertung wird wohl niemand an Boyd Exell vorbeikommen“. Also alles wie gehabt in Aachen.

Christine Meyer zu Hartum