CHIO Aachen: Laura Graves gewinnt Grand Prix Special, Deutschland den Nationenpreis

World Equestrian Festival CHIO – Aachen 2017

(© Ludwiga v. Korff)

Die US-Amerikanerin Laura Graves hat beim CHIO Aachen mit Verdades den Grand Prix Special gewonnen. Sie profitierte auch von Fehlern, die Isabell Werth und Sönke Rothenberger unterliefen. Selbst wenn diese nicht immer seitens der Richter geahndet wurden. Den Nationenpreis gewann die deutsche Equipe vor den USA und Schweden.

Laura Graves aus den USA hat ihre Kampfansage an Isabell Werth im zweiten Versuch im Dressurstadion in der Aachener Soers verwirklicht: Mit dem KWPN Wallach Verdades siegte sie knapp vor der Weltranglistenersten mit 81,824 Prozent. Das Pferd kam diesmal mit der Stadionatmosphäre besser zurecht. Verdades schien insgesant weniger aufgeladen und gegen die Hand der Reiterin als es in Phasen des Grand Prix am Donnerstag der Fall gewesen war. Nach hochbewerteten Trabtraversalen und Passagen, die mit Neunen beurteilt wurden, kam er in der ersten Piaffe etwas höher im Hals und war kurz vor einer Rückwärtstendenz. Die zweite, dann nicht aus dem versammelten Schritt sondern der Passage heraus geforderte Piaffe gelang besser. Zu den Highlights gehörten die Serienwechsel im Galopp. Sowohl Zweier- als auch Einerwechsel waren flüssig, gerade, dynamisch und wurden im hohen Achter-Bereich bewertet. Graves ritt direkt nach den beiden Deutschen Isabell Werth und Sönke Rothenberger, die beide mehrere Fehler im Programm hatten. Auf der Teilnehmertribüne kam es nach Graves’ Schlussgruß zu einer spontanen Völkerverständigung. Nicht nur die enthusiastischen amerikanischen Fans sprangen auf und applaudierten, sondern auch aus Spanien und Holland kam großer Applaus nach der fehlerfreien Aufgabe. Laura Graves, noch ein Geburtstagskind nach Philipp Weishaupt und Isabell Werth, sie wurde heute 30 Jahre alt, war begeistert. „Heute war einfach unser Tag“. Es war das erste Mal in diesem Jahr, dass sie den Grand Prix Special geritten ist, sonst stand in Vorbereitung auf das Weltcupfinale stets die Kür auf dem Turnierplan. „Beim Abreiten war er deswegen etwas durcheinander. Aber als es dann nach dem Gruß rechts herum weiterging, hat er gesagt, O.K. Mum, es ist wohl der Special.“ Diese Aufgabe liege ihm, so Graves. „Da kann er erstmal seinen Dampf ablassen, ich bin immer froh, wenn der Grand Prix vorbei ist“. Morgen in der Kür wird sie Isabell Werth wieder herausfordern. Beide reiten dieselben Küren wie beim Weltcupfinale in Omaha.

Ludwiga v. KorffDie Aufgabe, die Isabell Werth und Weihegold zeigten, war ein Auf und Ab. Der Auftakt mäßig, mit einem Taktfehler in der ersten Trabdiagonalen, 6,5: Dann die Passagen, die Traumlektion für die Oldenburger Stute. Die Richter zogen im Durchschnitt bis zu 9,3. Dann kam die Don Schufro-Tochter zögerlich in die erste Piaffe, bei der das Anpiaffieren aus dem versammelten Schritt gefordert ist. „Draußen habe ich geübt, dass sie im versammelten Schritt ruhig und entspannt bleibt und nicht zu früh piaffiert, das hat sie verunsichert. Das ist etwas, an dem jetzt gearbeitet werden muss. Sie muss das Vertrauen wieder zurückerlangen. Aber ehrlich gesagt, hat sie das glaube ich schon wieder.“ Die zweite Piaffe, aus der Passage entwickelt, gelang viel besser. Im letzten Drittel der Lektion kam es zu einem leichten Energieverlust. Die Serienwechsel sind bei der 2017er Ausgabe des CHIO Aachen nicht Isabell Werths Lieblingslektion. Emilio unterliefen hier im Grand Prix Fehler, Weihegold wurden heute die Zweierwechsel zum Verhängnis, 4,6, „ein Reiterfehler“, so die Weltranglistenerste.

Ludwiga v. KorffDie gleich auf der nächsten Diagonale geforderten 15 fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung gelangen dann wieder gut. Die Pirouetten und auch die neun Einerwechsel dazwischen auf der Diagonalen gelangen, aber nicht in der Qualität wie man es schon gesehen hat. „Weihe war heute nicht so, Yes, Mum, I know“, erläutete Werth den Vergleich zu Verdades. Zum Schluss ging sie dann aber wieder in Bestform: Bilderbuchpiaffe bei X mit fließendem Übergang in eine kadenzierte, ausdruckstarke Passage. Anne Gribbons, Chefrichterin aus den USA vergab 85 Prozent, recht generös. Die Noten lagen zwischen 85 und 77 Prozent, das Endergebnis belief sich auf 81,059.

Ludwiga v. KorffSönke Rothenberger: „Vielleicht hätte ich feiern sollen“

Sönke Rothenberger und Cosmo setzten eine Duftmarke zum Auftakt: 9,6 im Durchschnitt für den ersten starken Trab! Der Grand Prix Special ist Cosmos Aufgabe, mit dem konstanten Wechsel zwischen Passagen und Reprisen starken Trabs zu Beginn ließen Noten konstant im Bereich um 84 Prozent erscheinen. Aber dann – der starke Schritt: Nach 15 Metern auf der Diagonalen scheute Cosmo kurz, fing sich zwar sofort wieder, aber die Souveränität der ersten Minuten hatte einen Kratzer bekommen. Die erste Piaffe gelang nicht sofort auf den Punkt, Rothenberger neigte sich etwas nasch vorne, der Van Gogh-Sohn wich nach links und rechts etwas aus, in der zweiten fand das Paar wieder zurück zur gewohnten Form, das linke Vorderbein schwang aber manchmal etwas höher aus als das rechte. Fokussiert ritt Sönke Rothenberger weiter. Die Zweierwechsel waren wieder wunderbar gesprungen, 8,8, dann die Einerwechsel – zweiter Fehler! 5,4 die Bewertung im Durchschnitt.

Ludwiga v. Korff

Sönke Rothenbeger und Cosmo landeten auf Platz drei im CDIO5* Grand Prix Special, Teil zwei des Nationenpreis, den Deutschland gewann. Foto: Ludwiga v. Korff (© Ludwiga v. Korff)

Ich ärgere mich nicht über Cosmos Scheuen im Schritt, sondern über meine Unkonzentriertheit im Galopp, in dem wir ja eigentlich immer richtig punkten

… sagte der 23-Jährige. Mit neun guten fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung zwischen den beiden gleichfalls gut gelungenen Pirouetten konnte sich der das Paar dann voll rehabilitieren. Doch zu allem Überfluss unterlief Cosmo dann bei der letzten Trabverstärkung, seiner Paradelektion, noch ein deutlicher Taktfehler Mitte der langen Seite bei B. Mit 78,275 Prozent landete das Paar auf Rang drei. Ob es am Feiern in Aachen gelegen habe, wurde der Student gefragt. „Ich habe am Donnerstag nicht gefeiert, vielleicht hätte ich das tun sollen“, seine Antwort. 78,314 Prozent.

Schönes Reiten, made in Denmark

Mit großer Spannung warteten die Zuschauer auf die dänische Meisterin Catherine Dufour und den in Dänemark geborenen Caprimond-Sohn Cassidy. Der Fuchs ist nicht das spektakuläre Pferd Marke „der tritt die Lampen aus“, aber seine Reiterin ließ keine Chance verstreichen, ihn im Rahmen seiner Möglichkeiten strahlen zu lassen. Geschmeidige Trabtraversalen, in der Passage schwang die Hinterhand etwas hin und her, dafür hielt der Fuchs mustergültig den Takt. Im starken Schritt ging er sofort 100 Prozent losgelassen, piaffierte auf unauffällige Hilfe an, sofort und aktiv am Punkt. Das Angaloppieren gelang nur holperig. Aber der ruhige Sitz und die feine Hand waren einfach schön. Ein Ritt unter dem Motto: Zu jedem Moment geregelt und unter Kontrolle, aber nie unter Kuratel gebracht oder unter Zwang. Es ist die Schönheit ungezwungenen, harmonischen Reitens, das bei dem Ritt begeisterte. Fünf Punkte trennten die Dänin von Sönke Rothenberger (78,118).


CHIO Programm Dressur am Sonntag, 23. Juli 2017

9.30 Uhr: Deutsche Bank Preis, Grand Prix Kür CDIO5*


Fünfte wurde die Irin Judy Reynolds mit Vancouver, 75,784 Prozent, mit der dritten fehlerfreien Runde in der Spitzengruppe. Der Jazz-Sohn ging mit viel Go und unterstrich seine gute Form der vergangenen Monate.

Vom Nobody zum Nationenpreis-Sieger

Dorothee Schneider lobte als erstes ihren Sammy Davis jr. „Vor vier Monaten war er ein internationaler Nobody und heute ist er Sieger im Nationenpreis in Aachen“. Der San Remo-Sohn hatte zu Beginn spontan ein paar Piaffe-Tritte beim ersten Gruß ins Programm genommen, nachdem er zuvor vorbildlich ruhig gestanden hatte. Also startete die Beurteilung erstmal bei nicht mehr als einer 5,1 zum Start dank dieses einzigen richtigen Fehlers, der dem Paar im Verlauf der Prüfung unterlief.

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Vor ein paar Monaten noch ein Nobody, jetzt auf dem Weg gen EM in Göteborg: Sammy Davis jr. unter Dorothee Schneider. Foto: Ludwiga v. Korff (© Ludwiga v. Korff)

Mit seinem Gleichmaß und der Geschmeidigkeit in der gesamten Trabtour kämpfte sich der Louisdor-Sieger der Saison 2016 aber schnell wieder zurück in die 70-Prozent-Region. Sein von Hause aus nur mit knappem Übertritt gesegneter starker Schritt kostete wiederum Punkte und die Galopppirouette nach rechts war groß und wenig gesetzt. 75,176 Prozent gab es für die Vorstellung, Platz sechs mit 75,216 Prozent und bemerkenswert unterschiedlichen Platzziffern von vier (die deutsche Richterin Dr. Evi Eisenhardt bie H) bis zwölf (72,157/Anne Gribbons, USA, bei C) . Ein Höhepunkt: Die Präzision in den Serienwechseln, bei denen jeweils die Einteilung ideal war.

Dorothee Schneider zollte ihrem bayerischen Wallach Respekt, wie gut er sich mit dem Mega-Event Aachen angefreundet hat „Im Grand Prix war er noch etwas verunsichert im Stadion, aber heute war mein wirklich vor den Hilfen und happy“.

Pech hatte der vierte deutsche Reiter, Hubertus Schmidt. Abermals riss der Trakehner Hengst in der ersten Trabverstärkung den Kopf hoch. Die erste Piaffe war die vielleicht beste, die der Hengst bislang auf einem Turnier gezeigt hat. Aber diverse Achten für die Trabverstärkungen konnten die Note nicht retten, zumal sich Schmidt auch noch verritt, 69,451, Platz 19.

Klaus Roeser, Equipechef der deutschen Mannschaft und Vorsitzender des Dressurausschusses des DOKR sprach von einem starken Team, „ein paar Dinge gibt es noch, an denen Jonny (Hilberath) und Monica (Theodorescu) noch arbeiten müssen.“

Platz sieben gab es für Therese Nilshagen und den Oldenburger Hengst Dante Weltino v. Danone. Sie waren mit 74,784 Prozent die besten des drittplatzierten Teams aus Schweden. Die deutsche Richterin Dr. Evi Eisenhardt sah das Paar lediglich bei 72,059 Prozent. Im direkten Vergleich zu Dorothee Schneider vergab die Ärztin aus Hessen 40 Punkte weniger, insgesamt waren es elf Punkte die die 34-jährige Schwedin von Platz sechs trennten. Ihr Landsmann Patrik Kittel landete mit dem Oldenburger Delauny v. Dr. Doolittle mit 74,157 Prozent auf Rang acht vor der zweitbesten Reiterin der US-Equipe, Adrien Lyle mit dem zehnjährigen Hannoveraner Salvino v. Sandro Hit (73,608).

Hier finden Sie alle Ergebnisse.

RangMannschaftGrand Prix

Grand Prix Special

Total
1Deutschland236,457234,589471,046
Dorothee Schneider74,52975,216
Hubertus Schmidt71,37169,451
Sönke Rothenberger78,75778,314
Isabell Werth83,17181,059
2USA222,842227,550450,392
Adrienne Lyle71,81473,608
Kasey Perry-Glass68,92971,608
Olivia Lagoy-Weltz71,51472,118
Laura Graves79,51481,824
3Schweden216,400221,235437,635
Malin Nilsson70,55772,294
Juliette Ramel63,229
Therese Nilshagen71,15774,784
Patrik Kittel74,68674,157
4Dänemark218,457217,726436,183
Daniel Bachmann Andersen68,61468,275
Anders Dahl68,88669,353
Agnete Kirk Thinggaard72,15770,255
Cathrine Dufour

77,414

78,118

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