Berühmter Pferde-Tierarzt Dr. Hans-Georg Stihl verstorben

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Dr. Hans-Georg Stihl, Hamburg 2016 (© www.galoppfoto.de)

Dr. Hans-Georg Stihl ist tot. Der Schweizer Tierarzt, der als Top-Veterinär galt, aber auch häufig in Dopingfälle verstrickt war, ist im Alter von 83 Jahren verstorben.

Er war der Mann, den jeder kannte, zu dem sich aber nicht immer jeder öffentlich bekannte: Dr. Hans-Georg Stihl, Tierarzt aus der Schweiz, war ein Veterinär, der in den großen Sportställen ein und aus ging. Nicht groß von der Statur und mit der inneren Ruhe und Bedachtsamkeit eines Schweizers betrachtete er Pferde, ließ sie sich vortraben und brachte sie wieder ans Laufen. Genau das war sein Job. Eigentlich der Job eines jeden Tierarztes, aber Stihl war mehr als das. Er hatte nahezu den Nimbus eines Wunderheilers, wenn man die Menschen über „Dr. Stihl“ sprechen hörte. Tatsächlich griff er auch mal zur Hufraspel, nahm Teile des Hufs weg und der Patient, der bereits sechs Monate in Behandlung war, lief plötzlich wieder.

Stihl und die Dopingfälle

Doch Stihl griff nicht immer nur zur Hufraspel. Wer heute seinen Namen googelt, wird zwangsläufig mit zwei Themengebieten konfrontiert: mit dem Begriff Doping und den Big Names des internationalen Sports. In den 1990er und 2000er Jahren gab es mehrere Fälle nicht nur von „verbotener Medikation“, sondern Doping in den Ställen von Spitzenreiterinnen und -reitern. Der Name Stihl fiel beinahe immer, wenn es zu Verhandlungen kam. Sei es beim aberkannten Weltcupsieg von Ulla Salzgeber und Rusty (Testosteron) oder bei dem Fluphenazin-Befund von Isabell Werths Shiverer Whisper, der zu einer langen Sperre der Olympiasiegerin führte. Auch viele Springställe, von Paul Schockemöhle über Otto Becker und Steve Guerdat, vertrauten auf Stihls Expertise.

Hans-Georg Stihl war ein enger Freund von Paul Schockemöhle und Ullrich Kasselmann. Er hatte die P.S.I.-Auktionen als Tierarzt jahrzehntelang begleitet. Im Jahr 2016 wurde er dafür bei der Gala der Auktion 2016 mit dem „Lifetime Achievement Award der PSI“ ausgezeichnet.

So viele Anekdoten es gab über Pferde, die dank Stihl wieder ins Laufen gekommen war, so viele weitere Geschichten gab es auch darüber, dass er in einigen Ländern nicht mehr tätig sein durfte oder dass ihn die französische Gendarmerie einmal mit dem Kofferraum voller verbotener Substanzen auf der Autobahn angehalten haben soll.

Privat war Stihl auch ein großer Freund des Rennsports. In Deutschland hatte er unter anderem Galopper im Stall von Andreas Wöhler im Training. In Stihls schwarz-gelben Rennfarben gewann noch im vergangenen Jahr Plainsman sein Debütrennen in Hannover. Auch der unlängst aus dem Stall Werth in den Söderhof gewechselte Rock of Romance xx gehörte einst Hans-Georg Stihl. Und in diesem Jahr lief am 14. Januar Snag it für Stihl in Lyon siegreich durchs Ziel.

Am 21. Februar, so berichtet Eurodressage, ist Stihl in der Schweiz nach kurzer Krankheit verstorben.

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