Rebecca Gutman vom Gestüt Bonhomme verstorben

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Rebecca Gutman, Gestüt Bonhomme (© tofi-images.de)

Rebecca Gutman lebt nicht mehr. Chefin des Gestüts Bonhomme nach kurzer Krankheit verstorben. Gestüt wird in ihrem Sinne weitergeführt.

Sie war die vielleicht unkonventionellste Hengsthalterin Deutschlands: Die Berlinerin Rebecca Gutman, Chefin des Gestüts Bonhomme bei Potsdam. Dort hatte ihre Mutter Evelyn Gutman „auf der grünen Wiese“ ihren Traum von einer Reitanlage realisiert. Rebecca Gutman, genauso passioniert wie ihre Mutter, hatte es sich zum Ziel gesetzt, den Traum ihrer Mutter fortzuführen. Eine kurze, unheilbare Krankheit hat diese besondere Frau jetzt jäh aus dem Leben gerissen. Mit ihr ist ihr unvergessliches, einzigartiges Lachen verstummt. Niemand konnte so herzlich, so impulsiv und kraftvoll lachen wie Rebecca Gutman. Da brach aus ihr ihre Lebensfreude heraus, getrieben vom Wunsch, Spaß am Leben zu haben. Und an ihren Pferden.

Als Immobilienentwicklerin und Verwalterin von Gewerbeimmobilien in den besten Lagen im Westen Berlins war Rebecca Gutman finanziell unabhängig. Entsprechend wurde die Berlinerin von den Zuchtverbänden hofiert. Sie war eine der wenigen, die in Auktionsduellen gegen die großen global agierenden Hengsthalter im wahrsten Sinne des Wortes gegenhalten konnte. Berühmte Hengste kamen so auf das Gestüt Bonhomme: Der Oldenburger Siegerhengst Morricone als Musterbeispiel eines sporterfolgreichen und züchterisch höchst relevanten Vererbers, beispielsweise.

Rebecca Gutmans Mission

Der Weg, den Morricone oder auch Fiderdance, „Fidel“, der mit Lena Waldmann in den Bundeskader aufstieg, eingeschlagen haben – das war die Vision, die Rebecca Gutman trieb: Sie wollte beweisen, dass Hengsthaltung und Spitzensport, basierend auf einem respektvollen Umgang mit der Kreatur und der entsprechenden Ausbildung, funktioniert. „Unsere Tiere“, sagte sie häufig, wenn sie auf Hengstvorstellungen von ihren Hengsten sprach. Manch einer schmunzelte da auf der Tribüne – „Tier“: Doch die tief empfundene Liebe zu ihren Tieren, den Pferden auf Bonhomme, ihrem Hund und anderen Tieren, war einer ihrer großen Motoren.

Rebecca Gutman wurde auch enttäuscht von Menschen, die ihr Hengste verkauften, die nicht so gesund waren wie erhofft und wie es die Untersuchungsprotokolle zum Zeitpunkt des Einkaufs dokumentiert hatten. Hengste, die zu früh zu viel hatten arbeiten müssen, nur um hohe Summen zu erzielen. Man konnte mit ihr von Box zu Box gehen und die Arztakten sich anhören. Dann guckte sie mit ihren großen, dunklen Augen ihren Hengsten ins Gesicht, streichelte sie, nur um sich schnell selbst aus dem sich anbahnenden Tief herauszuholen. Ein kleiner Spruch, Berliner Schnauze eben, und sie konnte wieder lachen. Auch über sich selbst. Dann warf sie die Haare zurück – „guck mal, ich war beim Friseur, musste mal wat machen. Jetzt ist hinten Lyceum (Gymnasium) und vorne Museum“ – dann setzte das laute Lachen wieder ein. Dieses Lachen, das direkt ins Herz ging, wird einem auf ewig im Ohr bleiben, wenn man Rebecca Gutman so erlebt hat.

In der Mitteilung des Todes zitiert das Gestüt Bonhomme seine Chefin, die niemals von dem Weg abgewichen ist, mittels fairem Umgang Hengste in den internationalen Sport zu bringen: „Nicht selten betitelte sie diesen (Weg) selbst, als ihr persönliches ,gallisches Dorf‘. ,Hier ist eben alles ein wenig anders‘, lachte sie verschmitzt.“

Mit Lena Waldmann erzielte Fiderdance Punkte in Weltcup-Qualifikationen. Morricone und Cadeau Noir waren Finalisten im Nürnberger Burg-Pokal Finale und Louisdor Preis. Rebecca war dort angekommen, wo sie hinwollte. Nicht nur weil sie selbst an diesem – ihrem – Weg festgehalten hatte, sondern auch weil sie denen, die zwar nach vorn nett zu ihr waren, sie aber hinter ihrem Rücken für leicht verrückt erklärten, es gezeigt hatte.

Wie konnte sie sich freuen, wenn Hengste, die als junges Pferd als schwierig in Verruf geraten waren, ohne Sattel Einerwechsel in den Sozialen Medien zeigten. Wieder einmal hatte eines „ihrer Tiere“ sie nicht enttäuscht. Ihre Liebe, ihre Geduld und ihre Philosophie, keinen Erfolgsdruck auf Kosten des Pferdes aufzubauen, hatten sich als erfolgreich herausgestellt.

Rebecca Gutman und die Hengstnamen

Wer nun meinte, Rebecca Gutman sei vor allem eine von Emotionen getriebene Frau mit großen finanziellen Möglichkeiten gewesen, liegt falsch. Sie reflektierte ihre Situation, kaufte teuer aber gezielt ein. Unvergessen das Hickhack um den Zuschlag des Hengstes Confess Color in Verden. Die Gegenbieter „Schockstrand“ haben damals die Niedersachsenhalle bei der Hannoveraner Körung anschließend verlassen. Das Gestüt Bonhomme hatte den Hengst zugeschlagen bekommen und setzte dann mit der besonderen Namensgebung noch einen drauf. „Confess Color“ – ein englischer Muttersprachler kann damit zwar nichts anfangen, aber die Message war klar: Rebecca hatte „Farbe bekannt“, sich als Hengsthalterin gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt. Bestimmt hat sie bei der Namensgebung ihr herzliches, einmaliges Lachen hören lassen.

Wie geht es weiter mit Gestüt Bonhomme?

Als das Gerücht von der unheilbaren Krankheit der Gestütschefin die Runde machte, war für viele klar: Damit ist das Gestüt Bonhomme Geschichte. Diejenigen, die vielleicht sogar spekuliert hatten, einen der Hengste erwerben zu können, sahen sich in ihrer Hoffnung aber getäuscht. Denn auch das macht die heutige Verlautbarung des Gestüts klar: Es geht weiter in Werder, im Sinne von Rebecca Gutman: „Rebeccas Frohsinn, ihre visionäre Kraft, Standhaftigkeit und ihr ganz besonderer Humor werden uns von Herzen fehlen. Dieser Verlust ist unerträglich. Das bereits 1987 durch Evelyn Gutman gegründete Gestüt wird in Rebeccas Sinne weitergeführt. Ihre außergewöhnliche Persönlichkeit wird in ihren Pferden, Gestüt Bonhomme und ihrer besonderen Philosophie zum Umgang mit der Kreatur Pferd weiterleben.“


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