Bonhomme zahlt 1,89 Millionen Euro für Hannoveraner Hengst, Helgstrand-Team verlässt Halle

Kšrung 2019, Foto T. Ernst

Verdener Hengstmarkt 2019: Teuerster Hannoveraner Hengst: Für 1,89 Millionen Euro von Gestüt Bonhomme ersteigert. (© Hannoveraner Verband/Tammo Ernst)

Bei der Hannoveraner Körung hat das Gestüt Bonhomme den teuersten Hengst für 1,89 Millionen Euro ersteigert. Aussteller ist Hannovers Präsident Hans-Henning von der Decken. Die Einkaufsgemeinschaft Helgstrand/Schockemöhle ging leer aus – reklamierte aber, noch auf den Cadeau Noir-Sohn vorm Zuschlag geboten zu haben. Die Situation war unklar, die Großeinkäufer aus Dänemark verließen verstimmt die Halle.

Diese Auktion beim Hannoveraner Hengstmarkt 2019 in Verden wird man nicht so schnell vergessen. Einmal, weil mit 1,89 Millionen Euro der nach 2018 zweite unglaubliche Spitzenpreis für einen gekörten Hannoveraner erzielt wurde. Und zweitens, weil es nach dem Zuschlag des Hengstes Momente der Unsicherheit gab: Hätte die Versteigerung wieder aufgenommen werden müssen, weil Auktionator Bernd Hickert vorm Zuschlag ein weiteres Gebot übersehen hatte? Am Ende blieb der Zuschlag gültig. Damit war besiegelt, dass der braune Hengst v. Cadeau Noir-Licosto (Z.: Walter Wöhlke, Geestland) zukünftig im Gestüt Bonhomme bei Berlin stehen wird. Dort ist auch sein Vater beheimatet, der sich in diesem Jahr für das Finale im Nürnberger Burg-Pokal hat qualifizieren können. Aussteller des Hengstes ist Hannovers Präsident Hans-Henning von der Decken. Hannovers erster Mann kann sich nun über einen satten siebenstelligen Betrag freuen. Und das Gestüt über einen Dressurhengst mit drei Spitzen-Grundgangarten. (Die Beschreibung der Prämienhengste finden Sie hier.)

Alle wollten den Cadeau Noir-Sohn des Hannoveraner Präsidenten

Der Braune stand im Zentrum des Käuferinteresses. Die Gebote erreichten schon bald die eine Million Euro-Grenze. Trotzdem boten noch diverse Kaufinteressenten auf den Hannoveraner. Kurz vorm Zuschlag verließ Auktionator Bernd Hickert sein Pult und begab sich zwischen die Bietenden auf der Ehrengasttribüne. Als Rebecca Gutman vom Gestüt Bonhomme 1,89 Millionen Euro bot, griff die resolute Berlinerin beherzt zu Hickerts Auktionshammer und schlug den Hengst auf einem Handlauf zu. Hickert zögerte nur kurz und nahm die Geste der Berliner Immobilien-Entwicklerin auf. Zack, knallte der Hammer auf das Metallgestänge – verkauft!

Dr. Ulf Möller diskutiert emotional nach Zuschlag

Doch nahezu zeitgleich reklamierte Dr. Ulf Möller von Helgstrand Dressage, der in der ersten Reihe saß, dass es noch ein weiteres Gebot gegeben hätte, per Telefon. Letztendlich blieb es aber beim Zuschlag für das Gestüt bei Werder. Daraufhin verließen die Mitarbeiter von „Schockestrand“ (den beiden kooperierenden Hengststationen Helgstrand Dressage und Paul Schockemöhle) die Halle. Im vergangenen Jahr hatten die beiden weltweit agierenden Pferdehändler mit ihren Millionen-Einkäufen beim Hannoveraner Hengstmarkt für Schlagzeilen gesorgt.

Glock kauft zweitteuersten Hengst für 720.000 Euro

Den zweithöchsten Zuschlagpreis bei der Auktion erzielte ein brauner Vitalis-Bon Bravour-Sohn. Der mit viel Knieaktion ausgestattete Hengst (Z.: Katrin Lüder-Kratzberg, Hildesheim) war dem österreichischen Waffenhändler Gaston Glock 720.000 Euro wert. Er wird im Stall von Edward Gal und Hans Peter Minderhoud in den Niederlanden Boxennachbar von beispielsweise Toto jr. v. Totilas.

63 Hengste waren gekört worden. 15 Hannoveraner dürfen sich nun als „Prämienhengst“ bezeichnen. Die gekörten Hengste erzielten nach Veranstalterangaben durchschnittlich 91.632 Euro. Die Zweieinhalbjährigen, denen die Deckerlaubnis versagt wurde, kosteten im Schnitt 23.414 Euro. Der günstigste gekörte Dressurhengst, ein Farell-Sohn, kostete 17.000 Euro.

Zwei Dressurspitzen für das Landgestüt Celle

Nachdem das Landgestüt Celle im Vorfeld einen der Publikumslieblinge, einen Dunkelfuchs v. Vitalis-Floriscount (Z.: Christa und Ludwig Welling, Wiethmarschen), erworben hatte, schlug Landstallmeister Dr. Axel Brockmann noch einmal spektakulär zu: Für 240.000 Euro wechselte ein großrahmiger For Romance II-Davignon-Sohn (Z.: Wilfried Grabow, Oerel) in das niedersächsische Staatsgestüt. Apropos Staatsgestüte: Das Haupt- und Landgestüt Marbach meldete auf seiner Facebook-Seite den Ankauf von zwei Hannoveranern: Ein Morricone-Fürstenball-Sohn und der jüngste aller angebotenen Hengste v. Vitalis-Sir Savoy, der wegen noch nicht ausreichend entwickelter Hoden noch nicht gekört wurde. Zuchtleiter Ulrich Hahne betonte aber, dass der schmucke Braune gekört sei, sobald die Hoden die richtige Größe haben.

Auch interessant

Den vierthöchsten Preis, 160.000 Euro, erreichten gleich zwei Hengste: ein Schwarzgold-Sohn, der in die Niederlande verkauft wurde und ein Fürstenball-Sohn, das vielleicht schönste Pferd der Gesamtveranstaltung.

Ins Ammerland gelangte für 100.000 Euro ein dynamisch trabender Benicio-De Niro-Fuchs. Ihn erwarb Bernadette Brune für ihr Gestüt.

„Es war ein sehr typvoller Jahrgang mit zehn Prämienhengsten, der sich vor allem beim Longieren sehr gut gezeigt hat“ – so bilanzierte sagte Heike Kemmer, die einzige Frau in der Hannoveraner Körkommission, das Wochenende in Verden.

Günstige Hannoveraner Springhengste

Deutlich günstiger waren die Springhengste im Vergleich zu ihren dressurbetont gezogenen Kameraden. Hier waren fünf prämiert worden. Am höchsten in der Käufergunst stand aber ein nicht prämierter Schimmel v. Chaccoon Blue-Winningmood, der sehr gut sprang (Z. u. Ausst.: Bernhard Rensen, Werlte). Er steht in der Verkaufsstatistik mit 60.000 Euro. Auch der zweitteuerste war ein Schimmel, der prämierte Calido-Sohn kostete 52.000 Euro (hier finden Sie die Beschreibung der Springkörung).

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.