Hannoveraner Körung: 21 Springhengste gekört, fünf Prämien

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Schrittring der Springhengste auf der Hannoveraner Körung 2019 in Verden (© www.-st-georg.de)

In der Decksaison 2020 dürfen 21 Springhengste Hannoveraner Stuten decken. Beim Hengstmarkt in Verden wurden nach dem Freispringen fünf Hengste prämiert. Nicht alle Körurteile ließ das Publikum unkommentiert.

Es ist ein Marathon – Hengstkörungen, nicht nur die Hannoveraner Körung im Herbst, verlangen mindestens so viel Passion von den Zuschauern vor Ort wie Sitzfleisch. Um acht Uhr morgens hatte das Freilaufen der Dressurhengste begonnen. Ab 14.45 Uhr gehörte die Niedersachsenhalle in Verden den Springhengsten. 21 wurden gekört. Über unterschiedlichste Linien, vor allem aber Cornet Obolensky, war Cor de la Bryère der Stammvater der meisten (neun) frisch für die Zucht zugelassenen Hengste bei der Hannoveraner Körung 2019.

Bei der Entscheidungsfindung mussten zwei der (Dressur-)Körkommissare des Vormittags ihre Plätze räumen. Ulrich Hahne, Hannovers Zuchtleiter seit Mitte des Jahres, und auch sein Kollege unter den Körkommissaren, Martin Klintworth, durften nicht mitentscheiden. Sie hatten Hengste aus eigener Zucht vor Ort, die um eine Zuchtzulassung antraten. Klintworth konnte sich am Ende des Tages über einen prämierten Grey Top-Sohn freuen (Beschreibung der Prämienhengste am Ende dieses Artikels). Zuchtleiter Ulrich Hahne hatte einen genetisch interessanten Hengst ins Rennen geschickt, einen Halbblüter v. Qualito-Medicus xx-San Vincente xx, der schließlich überm Oxer in Maximalhöhe ein gutes Bild abgab.

Springhengste mit starkem Auftakt

In Abwesenheit von Ulrich Hahne übernahm Martin Spoo, der „rheinische“ Gesandte in der Körkommission, nach der Mittagspause den Job des Kommentators. Wie bei den Dressurhengsten wurde auch bei den 34 Kandidaten für den Einsatz im Parcours eine Kurzcharakteristik zu jedem positiven Körurteil den zweieinhalbjährigen Hengsten mit auf den Weg gegeben.

Nicht nur die zwei zuchtaktiven Körkommissare verließen ihre (Podiums-)Plätze. Auch viele Zuschauer hatten längst den Verdener Hengstmarkt verlassen, als die letzten Springhengste sich in der Niedersachsenhalle präsentierten. Sie verpassten dabei beispielsweise das Freispringen eines auffälligen Stolzenberg-Sohns, der Bascule, Reflexe und Vermögen wunderbar vereinbarte – um 20.32 Uhr! Gekört wurde er nicht, so dass es um 20.58 Uhr sogar noch zum Abschluss ein paar Pfiffe gab. Übrigens auch das positive Körurteil für den Halbblüter des Zuchtleiters Hahne, laut Spoo „ein ansprechender Hengst“ mit „passendem Springen“ erzeugte Unmutsbekundungen von der wenn auch nur noch spärlich besetzten Tribüne.


Hannoveraner Körung 2019 in der Übersicht

Insgesamt wurden beim Verdener Hengstmarkt 62 Hengste gekört. 41 Dressur- und 21 Springhengste. Angetreten waren 63 Hannoveraner mit Dressurveranlagung und 33 Springhengste. Im Dressurbereich (den Text dazu finden Sie hier) wurden zehn Prämien vergeben. Das Freispringen verließen fünf Hannoveraner Junghengste mit einer Prämie.

Am Samstag, 26. Oktober, beginnt das Programm in der Niedersachsenhalle um 10 Uhr. Die Versteigerung startet um 14 Uhr. Zunächst kommen die Prämienhengste unter den Hammer. Dann folgen die weiteren gekörten Hengste in der Reihenfolge des Katalogs.

Weiter Infos finden Sie auf der Homepage des Hannoveraner Verbandes, www.hannoveraner.com


Die gekörten Hengste kamen aus neun verschiedenen Vaterlinien. Sieben der Springhengste im Katalog hatten zwar den hannoverschen Fohlenbrand auf dem linken Hinterschenkel, verfügten aber weder mütterlicher- noch väterlicherseits über ein Hannoveraner Elternteil. Vor ein paar Jahren wäre das auf einem Verdener Hengstmarkt noch undenkbar gewesen. Die Grenzen öffnen sich.

Zu diesen Hengsten zählte beispielsweise ein rein holsteinisch gezogener Canoso-Sohn. Oder auch ein am Niederrhein geborener Schimmel v. Cornet’s Boy-Arpeggio-Corofino (Z.: Günther Mulder, Goch). Der noch fast schwarze Hengst sprang mit viel Übersicht. Eine Souveränität, die man sich noch von manch anderem Hengst gewünscht hätte. Der ohnehin nicht gerade kurze Tag wurde in die Länge gezogen, weil einige Springhengste einen recht unroutinierten Eindruck machten. Sie ließen sich nicht einfangen, entfleuchten ihren Vorführern oder sprangen über Dinge, die nicht wirklich zum Überspringen gedacht waren.

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Die prämierten Springhengste der Hannoveraner Körung 2019 in der Kurzvorstellung (in Reihenfolge des Katalogs)

Schimmel v. Calido-Silvio-Calypso II
(Z.: Pferdezucht Dr. Jacobs &Gail Dady, Hohenhameln)

Wohl dem, der eine große Schwester hat! In Falle dieses drahtigen Schimmels, der mit schnellem Vorderbein souverän die geforderten Sprünge überwand, ist das die bis S-Springen erfolgreiche Cashmere PJ. Und dieser Calido-Sohn war nicht nur vorsichtig und schnell unterwegs, sondern auch noch ein wunderschön gemachtes Pferd. Kommentator Martin Spoo: „Ein typvoller Hengst mit exzellenter Übersicht am Sprung.“

Schimmel v. Chacoon Blue-Spartacus-Calido
(Z.: Johann von der Decken, Krummendeich)

Paul Schockemöhle sagt, dass unter den Söhnen des Chacco Blue der Schimmel Chacoon Blue züchterisch einer der besten sei. Warum PS das meint, unterstrich der prämierte Schimmel aus einer Mutter v. Spartacus (v. Stakkato-Grannus) mit jedem Sprung: Der jugendlich drahtige Hengst konnte viele Tugenden seines Vaters zeigen. Schnelle Reflexe und vor allem schier grenzenloses Vermögen! Ein echter Eyecatcher! Wenn auch nicht so aufgemästet wie manch einer seiner Dressurkollegen vom Vormittag. Der hochbeinige Chacoon Blue-Sohn wurde auch von Körkommissar Spoo gelobt: Er springe in „hochklassiger Art“, so der Rheinländer, der auch das Vermögen noch einmal besonders hervorhob.

Dunkelbrauner v. Diamant de Semilly-Sandro-Ramiro
(Z.: Dr. Hilmer Meyer-Kulenkampff, Bruchhausen-Vilsen)

Manchmal muss man auch noch die vierte Generation eines Junghengstes erwähnen. In diesem Fall steht dort Almé und komplettiert damit eine Ahnengalerie, die tatsächlich ausnahmslos Legenden und Linienbegründer aufweist. Im selben Züchterstall geboren wie Michael Jungs Chipmunk, dem besten Vielseitigkeitspferd der Saison 2019, musste dieser Braune in große Hufspuren treten. Das gelang ihm. Am Anfang wollte er wohl noch nicht alles offenbaren, „was er drin hatte“. Doch als die Sprünge höher und die Anforderungen ernstzunehmender wurden, da zeigte er seine Klasse. Motto: Je höher, desto besser. „Ein gut modelliertes Pferd, sehr schön, immer aus der Ruhe springend. Eine Klasse für sich am Sprung“, so Martin Spoo als Sprachrohr der Körkommission.

Brauner v. Grey Top-Contendro-Grömitz
(Z.: Martin Klintworth, Bargstedt)

Der Celler Landbeschäler Grey Top zählte zu den Hengsten mit den meisten Nachkommen im Reigen der Springhengste. Zwei wurden gekört. Der drahtige Braune aus dem Stamm von Goya v. Gotthard, einem Hannoveraner Springcrack aus den 1970er-Jahren, sprang zunächst reichlich unausgegoren und brauchte etwas, bis er zur Konzentration fand. Seine letzten Sprünge waren dann aber richtig gut. Martin Spoo befand: „sportlicher Ausdruck, überragendes Vermögen.“

Schimmel v. Cornet’s Boy-Polytraum-Lancer II
(Z.: Levinius Weber, Weeze)

Auch hier kann man die Betrachtung des Hengstes einmal mit einem Blick in die vierte Generation der Abstammung beginnen: Corrado, Heartbreaker, Contender, Grannus, Pilatus, Frühlingstraum II, Landgraf und Polydor – springendes Tafelsilber aus fünf (!) Springpopulationen. Das sagt schon beinahe alles über diesen Schimmel. Anfangs sprang er auffallend hoch und vorsichtig, ließ sich dann aber von Sprung zu Sprung mehr los, ohne an Explosivität zu verlieren. Er sei „perfekt herausgebracht“, lobte Martin Spoo. Der Hengst zeige „exzellentes Vermögen“.

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