Hannoveraner Körung: 41 Dressurhengste gekört, Prämienhengst vorab für Landgestüt Celle

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Hannoveraner Hengstkörung 2019 (© www.st-georg.de)

Beim Hannoveraner Hengstmarkt sind in Verden die ersten Körurteile gesprochen. Im Jahr 2019 wurden 41 Dressurhengste gekört. Zehn davon erhielten eine Prämie. Wie 2018 stand auch dieser Hengstmarkt im Zeichen von Vivaldi und Vitalis. Der Publikumsliebling v. Vitalis wird Landbeschäler im niedersächsischen Landgestüt Celle. Das wurde schon vorab bekannt.

Bei der Hannoveraner Körung sind die ersten Körurteile ausgesprochen worden. Es wurde 41 Dressurhengsten die Zuchtzulassung ausgesprochen. Zehn Hengste wurden zu Prämienhengsten ernannt. Erstmals fungierte Ulrich Hahne als Zuchtleiter beim Verdener Hengstmarkt. In ein bis zwei knackig formulierten Sätzen begründete er jedes Körurteil.

Publikumsliebling von Vitalis zur Hälfte an Landgestüt Celle

Auch wenn erst morgen die Hengste versteigert werden, steht schon fest, dass der absolute Publikumsliebling in Deutschland wirken wird. Wie schon im Vorjahr, bei dem „Hengstmarkt der Millionen 2018“, war es die Linie des Niederländers Vivaldi und seines Sohns Vitalis, die das Geschehen in der Niedersachsenhalle prägte: Ein knappes Viertel aller Dressurhengste führt im Vaterstamm Vivaldi in erster, zweiter oder schon dritter Generation. So wurden drei Söhne aus dem ersten Jahrgang von Asgard’s Ibiza gekört. Der Fuchs ist ein Sohn von Emmelie Scholtens (NED) EM-Pferd Desperado. Die Ibiza-Nachkommen waren recht einheitlich, mittelrahmig und im Schritt klar im Takt, aber weit weg von großzügigem, ergiebigem Schreiten.

Gefeiert wurde ein Prämienhengst v. Vitalis-Floriscount-Santino (Z.: Christa und Ludwig Welling, Wiethmarschen). Der Dunkelfuchs, klar geprägt von seinem Vater, ist laut Zuchtleiter Hahne ein „ganz großartiges Pferd“. Punkt. Und so sah es auch das Publikum. Der Hengst war einer der wenigen potenziellen Vererber, der nicht zum Verkauf stand. Thomas Berger, Hambühren, war als Aussteller verzeichnet. Per Mikrofon wurde aber anlässlich der Prämierung verkündet, dass ein 50-Prozent-Anteil des Dunkelfuchses mittlerweile dem niedersächsischen Landgestüt Celle gehört. Der Mutterstamm des Hengstes vertritt einen Zweig der Familie, zu der auch Pferde wie Foundation/Matthias Rath, Don’t forget und Chrystal Friendship/Anabel Balkenhol oder Queeny/Victoria Michalke zählen.

Mit 27 Monaten zur Körung

Neun Vivaldi-Hengste wurden gekört. Ein weiterer wurde als körfähig bezeichnet, konnte aber aufgrund der Entwicklung seiner Hoden vorläufig noch nicht das gewünschte Urteil erhalten. Ein Blick in den Katalog zeigt: Dieser Braune v. Vitalis-Sir Savoy (Z.: Theresa Bahlsen, Kirchwalsede) ist am 13. Juli 2017 zur Welt gekommen. Er ist also ziemlich genau 27 Monate und 14 Tage alt. Dass er in Sachen Männlichkeit ein wenig hinter seinen Kollegen zurücksteht, erscheint da wenig verwunderlich. Sollten die Leitlinien „Tierschutz im Pferdesport“, die im Frühjahr diskutiert wurden, umgesetzt, ist so etwas zukünftig nicht mehr möglich. In diesen Ausarbeitungen steht, dass Pferde erst mit 30 Monaten in Arbeit genommen werden sollen.

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Blutvielfalt: 12 Hengstlinien als Väter der neu-gekörten Hengste

Die 41 Hannoveraner, die 2020 nach dem Veranlagungstest in den Deckeinsatz gehen dürfen, vertraten ein Dutzend Hengstlinien. Siebenmal führte die väterliche Linie auf Florestan zurück. Sechsmal war es das Donnerhall-Blut – vor allem über De Niro. Darunter ein Rappe, der den legendären Hengst noch direkt zum Vater hatte. Dancier kann sich posthum über drei weitere gekörte Hannoveraner Söhne freien. Fünfmal war Bolero als Stammvater im Mannesstamm auszumachen, über Benicio und und Bon Coeur

Die zehn Hannoveraner Prämienhengste 2019 in der Kurzdarstellung

Zehn Hengste wurden von der Hannoveraner Körkommission besonders herausgestellt. Die Entscheidungen treffen in der Niedersachsenhalle: Zuchtleiter Ulrich Hahne, Heike Kemmer, Martin Klintworth, Hans Heinrich Meyer zu Strohen, Jörg Münzner, Martin Spoo und Hartmut Wilking. Wobei Martin Klintworth und Ulrich Hahne bei den Springhengsten am Nachmittag nicht zu den Entscheidern zählten, weil Hengste aus ihren Zuchten mit von der Partie waren.

Die Prämienhengste (in der Reihenfolge des Katalogs):

Brauner v. Benicio-Lauries Crusador xx-Frenchman
(Z.: Thomas Wendelken, Schwanewede)

Ein kompakter Sohn des ehemaligen Bundeschampions Benicio, der sehr schwungvoll auftrat. Sicher im Takt lobte Zuchtleiter Hahne die „kraftvollen Bewegung und den starken Rücken“.

Rappe v. Bon Coeur-Licosto-De Niro
(Z.: Julia und Tim Karrasch, Langenhagen)

Dieser 1,66 Meter große Rappe steht noch in der Entwicklung. Insgesamt muss er noch etwas mehr „Reck“ bekommen, großliniger werden. Will sagen – dieser Hengst sieht sicher in einem Jahr ganz anders aus als derzeit. Im Schritt ging er stets in geregeltem Takt, man wünschte ihm für die Zukunft aber noch etwas mehr Raumgewinn. Trab und Galopp zeichneten sich durch viel Mechanik aus. Zuchtleiter Hahne attestierte dem Rappen „viel Energie“.

Brauner v. Cadeau Noir-Licosto-Damsey
(Z.: Walter Wöhlke, Geestland)

Sein Vater Cadeau Noir hat sich in diesem Jahr für das Finale im Nürnberger Burg-Pokal qualifiziert. Sein Zuchtdebüt in Verden sorgte das erste Mal für Szenenapplaus. Der Braune trabt und galoppiert aus kraftvoll abfußendem Hinterbein und bewegte sich zu jedem Zeitpunkt bei Freilaufen gut durch den Körper. Der Schritt zählte zu den besten des Jahrgangs. Hahne brachte es kurz und prägnant auf den Punkt: „Ein typvoller Hengst mit drei überragenden Grundgangarten“. Besitzer dieses Braunen ist übrigens Hans-Henning von der Decken, der Präsident des Hannoveraner Verbandes.

Dunkelbrauner v. For Romance II-Davignon-Cavalier
(Z.: Wilfried Grabow, Oerel)

Ein Pferd, an dem man schon aufgrund seiner Größe nicht vorbeisehen kann: 1,72 Meter groß ist der Hannoveraner. Sein Vater For Romance II aus der Zucht und dem Besitz von Paul Schockemöhle wird übrigens im Dezember auf der P.S.I.-Auktion versteigert werden. Aber in diesem Prämienhengst konnte man auch den Muttervater Davignon wiedererkennen. Dieser Hengst war bereits als Fohlen in der Niedersachsenhalle. Damals wurde er zu einem Spitzenpreis versteigert. Der elastisch trabende Hengst ging auch einen guten Schritt. „Kraftvoll wie das mütterliche Pedigree“, sei dieser Hengst, erläuterte Zuchtleiter Hahne in seiner Kurzkritik.

Dunkelbrauner v. Fürstenball-Weltmeyer-Shogun xx
(Z.: Elke und Claudia Tegtmeyer, Norderney)

Auf der Insel Norderney ist der vielleicht schönste der besonders Schönen aus dem diesjährigen Hannoveraner Kontingent zur Welt gekommen. Seeluft macht hübsch, muss man attestieren. Wie in einem englischen Stich nicht schöner zu malen zeigte sich dieser Fürstenball-Sohn. Er ging souveränen Schritt und seine elastische Art sich zu bewegen wurde mit Szenenapplaus quittiert. Hahne erinnerte an Hans-Joachim Köhler. Der Erfinder der Verdener Auktionen war ein Fan edler Pferde. Und ein Riesenfan des Vollblüters Shogun xx (Vollblut ist übrigens gerade ein großes Zucht-Thema in der November 2019-Ausgabe des St.GEORG). „Er sieht aus wie Shogun xx“, unterstrich Ulrich Hahne.

Dunkelfuchs v. Londontime-De Niro-Weltmeyer
(Z.: Thorsten Hogrefe, Rethem/Aller)

„Kraft, Korrektheit, Substanz, Pedigree, Einstellung, Farbe – alles, was wir in Hannover lieben“, fasste Ulrich Hahne diesen Hengst im Telegramm-Stil zusammen. Der Dunkelfuchs galoppierte ausbalanciert. Im Trab hätte man sich gewünscht, dass er den Schweif einmal etwas weniger „auf Spannung“ gehalten hätte. Angesichts der Atmosphäre in der Niedersachsenhalle ist das aber kein ganz einfaches Unterfangen, zumal 14 Personen in der Arena als Hannoveraner Wegweiser fungieren.

Braun v. Quantensprung-Sandro Hit-Airport
(Z.: Elke und Dr. Klaus Herrmann, Otterndorf)

Dieser dunkelbraune Hengst mit keckem Gesicht trabte mit viel Ausdruck und konnte auch im Galopp punkten. Zuchtleiter Hahne sah in ihm ein „gutes Paket“, der Hengst sei „gut aufgeteilt“, verfüge über ein „korrektes Fundament“ und gute Grundgangarten.

Rappe v. Schwarzgold-Don Frederico-Bergkristall
(Z.: Carla Beckmann-Ihnen, Emden)

Trakehner Vater (Schwarzgold, ein Sohn von Hubertus Schmidts Imperio) trifft auf Muttervater mit Trakehner Blutanteil (Don Frederico, aus einer Consul-Mutter) – da denkt man zunächst einmal, dass diese Mischung an einem besonders edlen Kopf zu erkennen sein müsste. Das war bei diesem Hannoveraner Prämienhengst aber nicht der Fall. Dafür zählte er zu den Hengsten mit der größten Mechanik in Trab- und Galoppablauf. Auch im Schritt musste sich der Rappe nicht verstecken. „Er gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und Ausstrahlung, sobald er sich in Bewegung setzt“, kommentierte Zuchtleiter Hahne. Stimmt!

Brauner v. Vitalis-Bon Bravour-Rosario
(Z.: Katrin Lüder-Kratzberg, Hildesheim)

Mutter Black Baccara war Siegerstute der renommierten Herwart von der Decken-Schau 2016 und sein Vater Vitalis stellte die meisten gekörten Söhne dieses Jahr in Verden. Der 1,72 Meter große Braune trabte mit viel Knieaktion, wusste dieses Mechanik aber immer auch über einen schwingenden Rücken umzusetzen. „Kraft gepaart mit Elastizität“, so die Zuchtleiter-Bilanz.

Dunkelfuchs v. Vitalis-Floriscount-Santino
(Z.: Christa und Ludwig Welling, Wiethmarschen)

Der schon erwähnte Publikumsliebling, in vielem stark an seinen Vater und auch an den Großvater Vivaldi erinnernd. Ein Hengst von der Sorte, die nicht in eine Halle hineinkommt, sondern erscheint. Der kompakte Dunkelfuchs ist das, was man gerne als „modern“ beschreibt. Die richtige Mischung von Knieaktion mit ausreichend Raumgewinn. Er wird im niedersächsischen Landgestüt Celle decken.

Morgen werden die Hannoveraner Hengste in Verden versteigert.

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