Marbacher Landbeschäler Ituango xx ist gestorben

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Mit Ituango xx ist ein weiterer großer Vererber in der Vielseitigkeit gestorben. (© Boiselle)

Als Vererber leistete er große Dienste, seine vielversprechende Karriere im Galopprennsport musste der Hengst jedoch schon früh beenden. Nun verstarb Ituango xx altersbedingt im Alter von 23 Jahren, wie das Haupt- und Landgestüt Marbach mitteilt.

Im Vollblut-Gestüt Fährhof in Niedersachsen erblickte Ituango xx im Jahre 1996 das Licht der Welt. Sein Vater Acatenango xx war einst Derbysieger und stammt aus der bedeutenden Birkhahn xx-Hengstlinie. Auch mütterlicherseits tauchen im Pedigree des Hengstes einige namhafte Vererber der Warmblutzucht auf. Mutter Iringa xx stammt aus der Vollblutfamilie 2, die mit den Derbysiegern Lagunas xx und Windwurf xx ihre Vererbungskraft demonstriert. Ein Nachkömmling aus der W-Familie, zu der auch ebenjener Windwurf xx gehört, siegte erst kürzlich beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris Longchamp: der deutsche Fuchshengst Waldgeist.

Auch die Karriere von Ituango xx begann einst sehr aussichtsreich: Bereits in seinen ersten zwei Rennjahren als Zwei- und Dreijähriger konnte der mittelrahmige Hengst eine Gewinnsumme von 168.000 DM verbuchen. Ituango xx konnte zwei Derby-Qualifikationen für sich entscheiden und wurde daraufhin als Favorit gehandelt. Dann jedoch der Dämpfer: Ituango xx brach sich ein Bein, weshalb seine sportliche Karriere vorzeitig beendet werden musste.

Ein Hengst mit Persönlichkeit

Bis zum Jahr 2011 deckte er im Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse in Brandenburg, ab der Decksaison 2012 stand Ituango xx im Besitz des Haupt- und Landgestüts Marbach in Baden-Württemberg. Er deckte in den Zuchtprogrammen Deutsches Sportpferd (DSP), Trakehner und Deutsches Reitpony – und zwar ausnahmslos im Natursprung. Denn mit dem Phantom konnte die Hengstpersönlichkeit so gar nichts anfangen. „Wir haben es uns in Marbach zur besonderen Aufgabe gemacht, die Blutlinienvielfalt zu erhalten und der Landespferdezucht gute Veredlerhengste zur Verfügung zu stellen“, betont Landoberstallmeisterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck. Sie ist stetig auf der Suche nach geeigneten Veredlerhengsten. Über die Liaison zwischen Vollblut- und Warmblutzucht, die mittlerweile droht, auseinander zu brechen, können Sie in der aktuellen Ausgabe des St.GEORG mehr lesen.

Umso mehr bedaure die Landoberstallmeisterin nun den Verlust des Hengstes, der  „einen sehr guten Veredler für die Sportpferdezucht“ darstellte. Aber über die Jahre haben sich noch andere Eigenschaften des Rapphengstes in die Köpfe der Gestüter eingebrannt, wie Dr. Astrid von Velsen-Zerweck feststellt: „Ituango war eine ganz besondere Hengstpersönlichkeit, die allen Gestütern sehr ans Herz gewachsen war. Er wird uns sehr fehlen, nicht nur als Vererber.“

Prominente Tochter

Obwohl er ausnahmslos im Natursprung deckte, hat Ituango xx bisher 150 Nachkommen. Darunter befinden sich ein gekörter Sohn, sechs Staatsprämienstuten und 42 Nachkommen im Sport.

Am bekanntesten davon ist sicher seine Tochter Rocana FST, die von Mirco Glotz in Schönberg gezüchtet wurde. Michael Jung reitet die 14-jährige Stute aus einer Carismo-Mutter. Er war es auch, der in Rocanas Sattel saß, als die Stute 2011 Weltmeisterin und Bundeschampionesse der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde wurde. Seitdem hat sie viele Siege auf internationalem Niveau errungen. 2014 trug sie Michael Jung zur Silbermedaille bei den Weltreiterspielen im französischen Caen, wo die deutsche Equipe Gold holte. 2017 wurde Jung mit Rocana Vizeeuropameister in Strzegom. Bis heute hat Rocana bereits eine Lebensgewinnsumme von über einer halben Million Euro.

Weitere Nachkommen sind in allen Disziplinen bis zur schweren Klasse erfolgreich und haben sich als Zuchtstuten bewährt.