VIELSEITIGKEIT – Gold für Sandra Auffarth und das deutsche Team UPDATE – Bilder und Zitate

Weltmeister! Sandra Auffarth und Opgun Louvo

(© Pauline von Hardenberg)

Alle vier deutschen Mannschaftsreiter blieben im abschließenden Springen ohne Abwurf und sicherten sich die Teamgoldmedaille. Neue Weltmeisterin ist Sandra Auffarth auf Opgun Louvo, die Titelverteidiger Michael Jung auf den Silberplatz verwies.

Alle Strapazen des gestrigen Tages schienen vergessen, mit traumhafter Sicherheit absolvierten die vier deutschen Teamreiter Sandra Auffarth auf Opgun Luovo, Michael Jung auf Rocana, Ingrid Klimke auf Escada und Dirk Schrade auf Hop and Skip den Springparcours im Stade Michel d’Ornano in Caen. Die Schützlinge von Bundestrainer Hans Melzer und Honorartrainer Chris Bartel halten somit alle Titel, die der Sport zu vergeben hat: Olympiasieger und Europameister waren sie schon vorher, jetzt wurden sie mit 177,9 Punkten auch Weltmeister vor den Briten (198,8) und den Niederländern (246,8), die erstmals eine Mannschaftsmedaille auf einem Championat gewannen.
Der Abwurf an Sprung zwei des bisher in der Einzelwertung führenden William Fox-Pitt auf dem Brandenburger Hengst Chilli Morning v. Phantomic xx machte schließlich Sandra Auffarth zur neuen Weltmeisterin, Silber ging an Michael Jung, Fox-Pitt musste mit Bronze vorlieb nehmen.
Sandra Auffarth konnte ihr Glück noch nicht so recht fassen, Mannschaftsgold sei das Ziel gewesen, aber Weltmeisterin? Das dauert noch etwas, bis das gesackt ist.

Heute morgen hatten die Pferde um sieben Uhr den Vetcheck noch im Haras du Pin, anschließend wurden sie dann verladen und in zwei großen LKW-Konvois die ca. 100 Kilometer von dem Staatsgestüt nach Caen eskortiert. Die Polizei hatte extra dafür die Autobahn gesperrt. „Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Atmosphäre iom Stadion war fantastisch,“ so die neue Weltmeisterin. 21.000 Zuschauer waren in das Fußballstadion gekommen, die Stimmung war großartig. Viel Applaus für alle Reiter, noch mehr für die Big Names und ohrenbetäubender Lärm, sobald ein französischer Reiter in das Stade d’Ornano hineinkam. Der Vater des Teamreiters Rudolphe Scherrer war Anfang der Woche gestorben, seiner wurde gedacht bevor das Springen begann. Die französische Mannschaft erwischte nicht ihren besten Tag. Allen Reitern außer Maxine Livio, der auf Platz fünf kam (58,5), unterliefen Springfehler. Die Equipe Tricolore (251,5) wurde Vierte und machte den Weg frei für das junge Team aus den Niederlanden, das sich über Bronze freute – die erste Mannschaftsmedaille im Buschlager für Holland (246,8) überhaupt.
Alle deutschen Pferde sahen blendend aus. Sie galoppierten frisch in die Arena, kein Zeichen mehr von dem schweren Cross gestern rund um das Haras du Pin. „Heute morgen hat sich Wolle schon ein bisschen müde angefühlt, aber heute nachmittag beim Abreiten hat er sich super angefühlt“, sagte Sandra Auffarth. Die bekam von ihrem Teamkollegen Michael Jung das größte Lob. Auf die Frage, wie es sich anfühle, nun lediglich Silber gewonnen zu haben und das dann auch nicht mit Sam, holte der Olympiasieger etwas weiter aus: „Es sei schade, dass Sam kurzfristig ausgefallen sei, aber es sei auch toll, was seine Stute Rocana geleistet hätte. Sie hat nicht das letzte Vermögen, nicht die besten Grundgangarten, ist aber immer konzentriert auf die nächste Aufgabe. Jetzt wird sie nie mehr verkauft! Viel entscheidender sei aber die Leistung von Sandra und Opgun Louvo in den vergangenen Jahren gewesen. Sie waren immer gut, auf jedem Turnier. Sandra und ihr Pferd sind ein super Team, sie bilden eine großartige Partnerschaft und sie mussten gestern als letzte auf den schweren Boden. Die beiden sind echte Weltmeister!“ Schon direkt nach dem Ritt hatte Michaels Vater Joachim breit grinsend die Leistung der kleinen Halbblutstute Rocana v. Ituango xx so auf den Punkt gebracht: „Dafür gibt es nur drei Worte: gi – gan – tisch.“

Gefasst reagierte William Fox-Pitt nach dem Abwurf seines Hengstes Chilli Morning, der ihm die Goldmedaille in der Einzelwertung gekostet hatte. Immerhin hatte ich nicht zwei runter, lapidarer britischer Humor. Fox-Pitt, der in seiner Karriere 13 Viersterne-Prüfungen gewonnen hat und in fünf der sechs CCI****-Siegerlisten schon an erster Stelle geführt wird sowie bereits 50 lange CCI*** siegreich beendet hat, muss auch weiter auf seinen ersten großen Einzeltitel warten.

Die beiden anderen Mannschaftsreiter blieben ebenfalls fehlerfrei. Im Fall von Dirk Schrade und Hop and Skip (135,5) war das eher kosmetisch, er wurde nach zwei Verweigerungen auf dem Cross insgesamt 46. Ingrid Klimke, deren Escada v. Embassy nach dem Gehorsamsrückwärtsrichten einen kleinen Freudenbocksprung beim Angaloppieren machte, sprang überragend und arbeitete sich auf Platz 14 (73,6) vor. Noch besser sah es bei den beiden Einzelreitern aus: Peter Thomsen und Barny v. Barnaul xx knüpften an die guten Vorstellungen von Dressur und Gelände an und wurden im Endklassement Siebte (60,3), Andreas Ostholt und So is et v. Sunlight xx wurden nach zwei  Abwürfen Zehnte. Hätte der Westfale diese Springfehler nicht gemacht, wäre der junge Vater aus Warendorf sogar Fünfter geworden (64,7).

Die sechs besten Teams dieser Weltmeisterschaften sind qualifiziert für die Olympischen Spiele in Rio. Neben den Medaillengewinnern sind dies die Mannschaften aus Frankreich, Australien und Irland. Die neuseeländische Equipe war gestern bereits früh geplatzt, auch die US-Amerikaner müssen sich jetzt im nächsten Jahr ihren Startplatz am Zuckerhut sichern.

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