UPDATE: Fall Sara Galotiere – Familie Thijssen meldet sich zu Wort

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Sanne Thijssen (NED), hier im Parcours des Deutschen Spring Derbys 2017 in Hamburg (© Pauline von Hardenberg)

War die tödlich verunglückte Stute Sara Galotiere der Niederländerin Sanne Thijssen

Der Verdacht im Fall Thijssen ist ungeheuerlich: War die Stute Sara Galotiere, die im Stechen eines Springens auf dem internationalen Turnier in Liverpool so unglücklich zu Fall kam, dass sie eingeschläfert werden musste, möglicherweise mit im Wettkmapf nicht erlaubten Medikamenten behandelt worden? Ein Vermerk auf der Internetseite der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) lässt diese Vermutung aufkommen. Dort ist von Narkose- und Schmerzmitteln die Rede. Die Reiterin wurde ein halbes Jahr seitens des Weltreiterverbandes gesperrt, wirksam seit dem 5. Februar.

Vater Leon Thijssen: „schwerwiegende Verfahrensfehler“

Gegenüber dem niederländischen Internetportal Horses.nl meldete sich nun Vater Leon zu Wort. Es sei der Eindruck entstanden, dass die Stute vor ihrem Unfall ein Beruhigungsmittel erhalten hätte und dass diese Droge möglicherweise zu dem tragischen Unfall beigetragen haben könnte. „Das können die Menschen jetzt leicht denken“, zitiert die Webseite Leon Thijssen. „Solcherlei Vermutungen sind besonders schädlich. Wir sprechen mit einem Sponsor für einen Turnierstall für Sanne. Keine Ahnung, ob das jetzt funktioniert“. Thijssen unterstellt der FEI „schwerwiegende Verfahrensfehler“. Die bei der Stute nachgewiesene Substanz Ketamin verschwinde nach 45 Minuten aus dem Blut und es blieben nur noch Stoffwechselprodukte. Seine Tochter sei in ihrer kurzen Karriere zehn Mal in Dopingkontrolle gewesen. Darunter auch mit der Stute Sara Galotière einige Monate vor ihrem Tod. Außerdem, so Thijssen, habe Sanne beim Euthanisieren anwesend sein wollen, was aber nicht erlaubt worden war. Wörtlich sagte er Horses.nl: „Wir wussten nicht einmal, dass ein Dopingtest stattgefunden hat“. Vielmehr habe man von dem ganzen Fall erst gehört, als ein Brief des KNHS (dem niederländischen Pferdesportverband, Anm. d. Red.) ankam, in dem es hieß, Sanne sei mit sofortiger Wirkung für sechs Monate gesperrt worden! Sein Eindruck sei, dass die FEI jetzt den Fall abweisen wolle, „aber der Schaden ist bereits angerichtet.“
Weiter heißt es in der Meldung, dass mehrere Tierärzte bestätigt hätten, dass Ketamin „in neun von zehn Fällen“ das Mittel der Wahl zum Einschläfern sei. Es gäbe allerdings keinen offensichtlich erkennbaren Grund, warum das Mittel einem Springpferd zur Beruhigung verabreicht werden sollte.

Anm. d. Red.: Ketamin wird zur Vorbereitung des Einschläferns verwendet. Das Tötungsmittel T61 darf den Pferden nicht ohne vorherige Narkose verabreicht werden.

Niederländischer Hoffnungsträger

Sanne Thijssen ist einer der Shootingstars des niederländischen Springsports. Im März 2017 hatte sie den Großen der Bundesrepublik Deutschland in der Dortmunder Wetsfalenhalle gewonnen. Auch wenige Wochen später war sie bei der CSI5*-Tour im Rahmen des Deutschen Springderby in Hamburg verschiedentlich weit vorne platziert. Sie brachte Nullfehlerritte für das Team Oranje beim Nationenpreis in Gijon und war in Lummen und La Baule hoch platziert. Mehrfach nahm sie an den Europameisterschaften der Jungen Reiter teil. 2016 wurde sie Vierte in der Einzelwertung und gewann Silber in der Teamwertung. Sie wird im November 20 Jahre alt.

Quelle: www.horses.nl

Statement der FEI

Wir haben die FEI gebeten, zu sagen, wann die Probe genommen wurde, vor oder nach dem Unfall. Daraufhin erhielten wir folgende Antwort:

„Da es sich hier um ein laufendes Verfahren handelt, können wir keinen Kommentar abgeben. Aber zu Ihrer Information, es gibt ein Protokoll, das besagt, dass im Falle eines tödlichen Unfalls Proben von dem betroffenen Pferd genommen werden.“

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