Geburtstagskind Felix Vogg siegt im CCI5*-L Luhmühlen

VoggEhrenrunde

Felix Vogg (SUI) und Colero, Sieger CCI5*-L in Luhmühlen 2022 (© Annette Dölger / TGL)

Der Schweizer Felix Vogg hat die 5*-Vielseitigkeit in Luhmühlen gewonnen. Und das an seinem 32. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch! 21 Pferde kamen ins Springen, in dem das Klassement ordentlich durcheinander gewürfelt wurde.

Felix Vogg hat an diesem Sonntag in Luhmühlen gleich mindestens drei Dinge zu feiern. Erstens seinen 32. Geburtstag, zweitens seinen ersten Sieg in einer Fünf-Sterne-Prüfung und drittens, dass er seit 1951 der erste Luhmühlen-Sieger aus der Schweiz ist.

Felix Vogg siegt ohne Fehl und Tadel

Mit seinem Dressurergebnis von 29,0 (Platz vier) hat Felix Vogg diesen besonderen Tag, dieses besondere Wochenende beendet. Sein Westfale Colero, als junges Pferd von Westfalens Vielseitigkeitstrainerin Jutta Briel entdeckt und gefördert, lieferte eine sichere Geländerunde und im Springen zeigte er sich souverän. Selbst als es einmal über die Diagonale im Parcours reichlich groß wurde, sprang der Braune ab und ließ sich in einem großen Satz fliegen. Und auch die anschließende Siegerehrung, nicht gerade die Lieblingsdisziplin des Captain Fire-Sohns, gelang. Als junges Pferd war der Braune nicht ganz einfach, konnte schon einmal umdrehen, wenn ihm Pferde entgegenkamen. Letztendlich war es Dirk Schrade, der Entdeckerin Briel den Tipp gab: „Das ist ein Pferd für Felix.“ Recht gehabt!

Der Braune war in Tokio bei den Olympischen Spielen 2021 in den Top 20. Für die Weltmeisterschaft in Pratoni hat Felix Vogg aber eher seine EM-Stute Cartania auf der Liste. Ob die Schweizer Federation das auch so sieht? Achselzucken. In Tokio waren Felix Vogg und Andrew Nicholson, der Trainer der Schweizer Vielseitigkeitsreiter, aneinandergeraten. Seitdem herrscht Funkstille zwischen Vogg und den Offiziellen aus der Sektion Vielseitigkeit. „Ich kann nur Resultate liefern“, erläutert Vogg sein Konzept. So war er dann auch allein als der „Schweizer Psalm“, die Nationalhymne für den ersten Schweizer Luhmühlen-Sieger seit 1951 über der Heide erklang. Das war damals Alfred Schwarzenbach, der Schwiegervater des Para-Reiters Pepo Puch, der wiederum ja früher auch Vielseitigkeit geritten ist.

Bei der Vorbereitung heute vorm Springen half Marcus Döhring Felix Vogg aus, weil Voggs Heimtrainer „die Sonntage lieber zuhause verbringt“. Dressurmäßig lässt sich der Schweizer von Bettina Hoy helfen, Gelände trainiert er zu Hause am Bodensee zumeist allein. „Ich war ja auch lange Zeit bei Michi (Jung).“

Aus einer Pferdesport-Dynastie aufs Podium

Platz zwei ging an die Britin Kirsty Chabert. Auch sie beendete die Fünf-Sterne-Prüfung mit ihrem Dressurergebnis. Nach der ersten Disziplin war sie noch Elfte (31,1). Chabert ist mit dem französischen Vielseitigkeitsreiter Arthur Chabert verheiratet. Ihr Vater John Johnston ritt selbst Busch, beendete 1984 Badminton. Ihre Mutter Debbie ritt nicht nur Vielseitigkeit, sondern auch international Dressur bis Grand Prix. Die Johnstons sind die Gründer des Gestüts Opposition Stud, das viele international erfolgreiche Pferde hervorgebracht hat.

Annette Dölger / TGL

Kirsty Chabert (GN) und Classic VI, CCI5*-L Luhmühlen 2022 (© Annette Dölger / TGL)

Der zweite Platz mit Classic, „Betty“, in Luhmühlen ist der bislang größte Erfolg der Mutter eines dreijährigen Sohns. „Betty“ hatte 2019 in Pau ihr Fünf-Sterne-Debüt gegeben. Sie sei schon sehr viel eine Stute, die „ihr Team“ um sich herum brauche, sagt Kirsty Chabert. Alle anderen lehne sie kategorisch ab, beispielsweise „Schmiede, Tierärzte und … Männer“. Gezogen hat die Calvaro-Tochter der britische Springreiter Peter Charles.

Ihre Zeitplanung sei im Cross nicht die beste gewesen, resümiert Kirsty Chabert rückblickend. „Aber dann habe ich ein bisschen Bein gegeben“ und Betty legte los und blieb in der Zeit als eines von acht Pferden in der CCI5*-L.

Faerie Dianimo: 4 Starts, dreimal Podium in Luhmühlen

Platz drei hinter Felix Vogg und Kirsty Chabert war einem Pferd vorbehalten, das sich in der Westergellernser Heide besonders wohlfühlt: Faerie Dianimo. Die Schimmelstute der Neuseeländerin Jonelle Price ist mittelweile 17 Jahre alt und hat nun alle Podiumsplätze in Luhmühlen einmal erreicht. 2015 – damals noch im CCI4*, heute CCI5*-L – war sie Zweite hinter Ingrid Klimke und Escada, die ja in Luhmühlen quasi geboren wurde. 2018 gewann das Paar und 2021 gab es einen „blöden Fehler“, wie Jonelle Price sich erinnert.

In der Dressur war es alles andere als gut gelaufen. Die Reiterin verzieht das Gesicht, „sie kann eine 8 oder 9, aber eben schnell auch eine 3 oder 4“. 31,6 – Platz 14, das war nicht der gewünschte Einstieg für die Dimaggio-Tochter. Aber dann: Im Gelände eine Nullrunde, bei der die Stute sich mitunter akrobatisch überm Sprung verdreht. „Dass das anatomisch überhaupt geht“, wundert sich Jonelle Price. „Es fühlt sich manchmal oben drauf etwas wie in im Schleudergang der Waschmaschine an“, so die Neusseländerin.

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Jonelle Price (NZL) und Faerie Dianimo, CCI5*-L in Luhmühlen 2022

Dass die kleine Schimmelstute, „Stockmaß vielleicht 1,60 Meter“, im Springen alles gibt, ist für die 41-Jährige nicht verwunderlich. Es sei schon sehr hoch, was da zu springen ist im Parcoursspringen von Luhmühlen. „Und dann trabe ich da mit meinem Pony zwischen den ganzen großen Pferden, die auf dem Abreiteplatz Riesensätze machen“. Konzentriert und mit 0,4 Zeitfehlern aber ohne Abwurf verließen die beiden das Stadion – Platz drei.

Ein Springergebnis, von dem ihr Mann Tim nur träumen konnte. Mit seinem Olympiapferd Vitali hatte er an zweiter Position gelegen nach dem Gelände. Doch wie schon in Tokio dachte der Holsteiner Contender-Sohn nicht daran, die Füße all zu hoch zu nehmen. Drei Abwürfe, dazu Zeitfehler, mehr als Platz zehn war da nicht mehr drin. Jonelle übt sich aber in Optimismus. Seit Tokio habe Vitali keine Springfehler mehr gemacht. „Hier waren es drei, in Tokio fünf – die Tendenz stimmt“. Mit Spartaco wurde Tim Price dazu noch Neunter (40,6). Damit gehen drei der zwölf Preisgelder in den Haushalt Price. Insgesamt war das CCI5*-L mit 100.000 Euro ausgeschrieben. Der Sieger, Geburtstagskind Felix Vogg, bekam davon 33.000 Euro. Ob eingepackt mit schöner Schleife, ist nicht bekannt.

Die Plätze vier und fünf gingen an die US-Amerikanerinnen Lauren Nicholson/Vermiculus (32,7) und Elisabeth Halliday-Sharp/Cooley Quicksilver (35,1). Der Brite Oliver Townend, mit Dreamliner Dritter (29,6) nach dem Gelände, verlor mit vier Abwürfen alle Chancen aufs Podium (45,6/12.).

Die Ergebnisse finden Sie hier.