Le Lion d’Angers: Hannoveraner und Französischer Weltmeister der Vielseitigkeitspferde – aber keiner für Deutschland

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Izzy Taylor und der Buschweltmeister, der eigentlich Dressurpferd werden sollte, Monkeying Around. (© WBFSH/Ridehesten.com)

Bei den Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde im französischen Le Lion d’Angers gab es zwei Start-Ziel-Siege. Der Weltmeister der Sechsjährigen stammt aus deutscher Zucht, der bei den Siebenjährigen aus französischer.

Sechsjährige – starker Auftritt von Monkeying Around

Monkeying Around heißt der neue Weltmeister der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde, ein Hannoveraner aus der Zucht von Christian Heinrich in Staffhorst, dem man auf dem Papier eher Eignung fürs Viereck als für den Busch zusprechen würde: Der Vater ist der von Familie Wittig gezüchtete Bertoli W, ein Sohn von Wolfram Wittigs Erfolgspferd Breitling W und Vollbruder zu den so erfolgreichen „W-Pferden“ der Familie Wittig Baldessarini, Biagiotti, Brioni, Balmoral, Baron de Ley usw. Monkeying Arounds Mutter Donnee ist eine direkte Donnerhall-Tochter aus einer Weltmeyer-Lysander-Mutter. Sie brachte aus der Anpaarung mit Bertolis Vater Breitling unter anderem auch die in Prix St. Georges und Intermédiaire I erfolgreiche Boronia.

In der Tat hätte Monkeying Around eigentlich ein Dressurpferd werden sollen, bestätigte Züchter Christian Heinrich im Gespräch mit der Weltzuchtverbandsvereinigung WBFSH. Er sei ein nettes junges Pferd gewesen, habe aber nicht die Spitzenqualität für ein Dressurpferd gehabt. So habe er ihn verkauft. „Ich habe ihn als Dreijährigen nach England verkauft und nie wieder von ihm gehört. Dass er in Le Lion dabei war, habe ich erst vor ein paar Tagen erfahren.“

Tatsächlich war Monkeying Around viel mehr als nur „dabei“. Er wurde Weltmeister. Sein Zuhause ist nun der Stall von Izzy Taylor, die ihn in Le Lion d’Angers auch vorstellte. Das Paar war bereits nach der Dressur in Führung gegangen mit 37,6 Minuspunkten. Und dabei blieb es auch. Weder im Gelände noch im Parcours kam auch nur ein Zeitfehler zu dem makellosen Ergebnis hinzu. Damit war dem Paar die Goldmedaille sicher.

Start-Ziel-Silber

Ebenso super verlief das Turnier für das Paar auf dem Silberrang, Bob Chaplin dem Australier Paul Tapner im Sattel. Auch Bob Chaplin ist ein deutsches Pferd, genauer gesagt, ein Deutsches Sportpferd, das von dem Casall-Sohn Cashell abstammt und mit Maypool Silver Seal v. Silver Jasper eine irische Mutter hat. Züchter ist der in Irland beheimatete Ken Thompson.

Zumindest zu einem Teil gehört Bob Chaplin inzwischen Paul Tapner, der im vergangenen Jahr angekündigt hatte, seine Zeit als Profi im Sattel etwas zu reduzieren, um mehr Zeit für die Event Rider Masters (ERM) zu haben. Das ist jene Vielseitigkeitsserie auf Drei-Sterne-Niveau, die dieses Jahr auch in Wiesbaden Halt gemacht hatte, und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Vielseitigkeitssport einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Tapner ist technischer und digitaler Leiter des Unternehmens. Er hatte allerdings von Anfang an auch gesagt, dass er nicht ganz aufhören würde zu reiten. Und mit Bob Chaplin hat der einstige Badminton-Sieger offensichtlich wieder ein Zukunftspferd im Stall.

Bronze an einen Aufsteiger

Als Fünfter nach der Dressur waren die Selle Francais-Stute Birmane v. Vargas de Ste Hermelle-Diamant de Semilly und Thomas Carlile in den Cross gestartet. Dank zweier fehlerfreier Runden blieb es bei dem Ergebnis und wurde am Ende noch die Bronzemedaille.

Das lag daran, dass die beiden Medaillenanwärter Corouet unter Sarah Bullimore (GBR) und Elizabeth Power mit The Entertainer, die nach dem Gelände noch beide mit 41 Minuspunkten in Treppchengriffnähe lagen, heute jeweils einen Abwurf im Parcours hatten und damit zurückfielen.

Die Deutschen

Das beste deutsche Ergebnis war der 14. Rang von Stephanie Böhe mit dem Trakehner Prince Patmos-Sohn Amazing Prince aus der Zucht der Klaus Dieter, Karen und Gerd Philipp GbR. Sie beendeten die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis von 48,4 Minuspunkten.

Für Rebecca-Juana Gerken und die selbst gezogene Day of Glory v. Connor hatte es nach dem Gelände noch nach einer Top Ten-Platzierung ausgesehen. Aber zwei Abwürfe im Parcours ließen die beiden auf Platz 16 zurückfallen (51,9 Minuspunkte).

Direkt dahinter folgte Marina Köhncke auf dem Holsteiner Bundeschampion Costbar v. Clarimo, bei denen sich ein Abwurf zum Gesamtergebnis gesellte, unter dem Strich 52,4 Minuspunkte.

Siebenjährige – Favoritensturz und französischer Triumph

Nach Dressur und Gelände hatte es eigentlich so ausgesehen, als würde die Weltmeisterschaft der siebenjährigen Vielseitigkeitspferde ebenfalls mit einem Start-Ziel-Sieg enden. Hier war es der von Günther Fielmann gezogene Vitali v. Contender-Noble Lady xx gewesen, der das Feld dominierte. Aber ausgerechnet im Parcours kassierte der Holsteiner zwei Abwürfe sowie einen Zeitfehler. Damit fiel er auf Rang sechs zurück. Sein Reiter James Avery (NZL) mag sich damit trösten, dass er nicht der einzige war, der beim Abschlussspringen noch einmal einige Plätze verschenkte. Andreas Dibowski und Belfast kassierten z.B. 33 Strafpunkte im Parcours. Und so oder ähnlich ging es noch anderen.

Davon profitierten die Paare, die fehlerfrei blieben, so beispielsweise Astier Nicolas auf dem Anglo-Araber Alertamalib’or. Auch sie beendeten ihre Prüfung mit dem Dressurergebnis. In diesem Falle waren das 44,6 Minuspunkte.

Der Wallach ist ein Sohn des selbst im Vier-Sterne-Bereich erfolgreichen Yarlands Summer Song, der unter anderem auch Kai Rüders Erfolgspferd Leprince des Bois brachte. Die Mutter stammt ab von Prince Ig’or x.

Zweite Medaille für Izzy Taylor

Es war das Wochenende der Izzy Taylor. Nach dem Sieg mit Monkeying Around hatte sie bei den Siebenjährigen noch den Iren Direct Cassino am Start, ein Nachkomme des Schweizer Cassini-Sohnes Cassino aus einer Mutter v. Ceredigion xx-King of Diamonds. Nach der Dressur lagen die beiden mit ihren 45,5 Minuspunkten noch an neunter Stelle. Im Gelände kamen noch zwei Zeitfehler hinzu. Aber dabei blieb es dann auch. Silber mit 47,1 Minuspunkten.

Aufholjagd von Andrew Nicholson

Einen noch größeren Sprung aufs Treppchen machten Andrew Nicholson (NZL) und das spanische Sportpferd Yacabo BK. Der Rappe ist ein Sohn des Holsteiners Lacros aus einer Mutter, die auf Hannoveraner Ahnen zurückgeht. Der Vater Histeo ist ein Sohn des Golo. In den Adern der Mutter-Mutter Egora fließt das G-Blut mit Gong, Goetz und Galpha sowie das des großen Almé. Die Anpaarungsidee stammt von Pedro Beca.

Der konnte am Wochenende verfolgen, wie sein Rappe von Rang 14 nach der Dressur immer weiter nach vorne rutschte. Wo andere sich ihre Chancen zunichte machten, kam er fehlerfrei ins Ziel und beendete die Prüfung so mit seinem Dressurergebnis von 47,7 Sekunden.

Die Deutschen

Weit entfernt von den Medaillenrängen endete das Turnier auch bei den Siebenjährigen für die deutschen Teilnehmer. Das beste Gesamtergebnis erzielten Frank Ostholt und der selbst gezogene Westfale Jum Jum v. Jaguar Mail-Papi’s Boy xx: Platz neun, nachdem heute im Parcours noch einmal neun Fehler hinzukamen.

Sophie Leube und Jadore Moi, die in Bayern gezogene DSP-Stute v. Conthargos-Asi aus der Zucht von Freiherr von Hans von Schön, hatten nach dem Gelände noch recht aussichtsreich auf Platz fünf gelegen. Doch im Parcours fielen drei Stangen und es kaum auch noch ein Zeitfehler hinzu – Rang 17 mit 58,4 Minuspunkten.

Heike Jahncke und der Hannoveraner Mighty Spring v. Mighty Magic-Landclassic wurden 26. (66,8). Nach dem Springergebnis von heute (siehe oben) endeten Andreas Dibowski und der in Polen gezogene Belfast v. Moravia-Coevers Diamond Boy an 39. Stelle. Felix Etzel und Quidor kamen mit als Paar Nummer 41 noch in die Wertung. Jörg Kurbel hatte A best Friend vor dem Springen zurückgezogen. Für Stephanie Böhe mit Classic Royetta und Nicolai Aldinger auf Queeny war die Reise bereits gestern im Gelände zu Ende.

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