Hannoveraner Verband: öffentliche Briefe: „Chaos“, „Schlammschlacht“

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Querelen erschüttern den Hannoveraner Verband (© st-georg.de)

Es kommt keine Ruhe in den Hannoveraner Verband. Während gerichtlich über die Kündigung des Zuchtleiters und Geschäftsführers Dr. Werner Schade gestritten wird, sorgen nun diverse Briefe für weitere Unruhe. Der Verband hat mittlerweile Strafanzeige gegen Dr. Schade erstattet.

Nachdem mittlerweile eine Gruppe von Züchtern Klage gegen den Vorstand des Hannoveraner Verbandes erhoben hat, kommt immer noch keine Ruhe in Deutschlands größtem Warmblutzuchtverband. Drei Schriftstücke zirkulierten in dieser Woche. Ein Schreiben von Herbert Werth, einem Delegierten aus dem Rheinland, hatte den Auftakt gemacht. Seine Forderung in Kürze: Eine weitere außerordentliche Delegiertenversammlung müsse einberufen und ein Interim-Vorstand gewählt werden. Damit greift dieser Vorschlag der Strukturreform vor, die derzeit erarbeitet wird. Im Frühjahr 2020 soll auf Basis dieser dann neuen Satzungskomponente ein deutlich kleinerer Vorstand ins Amt gewählt werden.

„Chaos“, „wirtschaftliches Desaster“ in Hannoveraner Zucht

Werth, im Hauptberuf Pastor und nebenbei auch erfolgreicher Ponyzüchter, möchte nicht so lange warten. Für ihn stellt es sich so dar, „dass der Verband in einem Chaos zu versinken“ drohe. Der Vorstand habe „offenbar eklatante Fehler begangen“ bei der Kündigung von Dr. Werner Schade. Werth sieht dunkle Wolken überm Hannoveraner Verband, was er auch an den Geschäftszahlen festmacht: „Abwanderungen von Züchtern gehen stets mit der Verunsicherung von Auktionskunden einher. Die Juli-Auktion zeigt mit rund 50 Pferden in der Kollektion einen Niedrigstand, der beispiellos für diesen Auktionstyp ist. Normalerweise werden nahezu doppelt so viele Pferde im Sommer angeboten. Wenn das Vertrauen in den Auktionsplatz Verden weiter verspielt wird, steht der Verband im Herbst vor einem wirtschaftlichen Desaster. Besonders der ökonomisch wichtige Hengstmarkt ist gefährdet, wenn gute Hengste auf anderen Körplätzen erscheinen.“ Schließlich kommt er zu Fazit, wonach der aktuelle Vorstand, seine „seit Jahren bestehende Handlungsunfähigkeit“ (…) nicht verändert, sondern zementiert“ habe. Mit dem dramatischen Satz „Es geht um den Fortbestand unseres Verbandes!“ endet der Brief.

Hannoveraner Promis: Unterschriften im Dutzend

Dieses Schreiben hat den Unmut von einigen Züchtern hervorgerufen, die Schades Kündigung positiv gegenüber stehen. Unterschrieben haben viele Big Names aus der hannoverschen Züchterschaft. Neben sieben Pferdezuchtvereinen zählen zu den Unterzeichnern u.a. der Weltmeyer-Züchter Hermann Meyer, der langjährige Verbandsmitarbeiter Hartmut Kettelhodt, der über Jahrzehnte die Verdener Auktionen begleitet hat, Hannes und Philipp Baumgart, Hengstaufzüchter Jan Crome-Sperling oder Johann von der Decken, der Cousin zweiten Grades von Verbandspräsident Hans-Henning von der Decken. „Der demokratisch legitimierte Vorstand kam unter anwaltlicher Fachberatung zu dem Schluss, Dr. Schade außerordentlich fristlos zu kündigen. Ob dieses faktisch richtig oder falsch durchgeführt wurde, haben Gerichte zu entscheiden“, steht in dem Schreiben. Die zentrale Forderung auch hier: grundlegende Änderungen! Und zwar inhaltlich: „Dieses bezieht sich nicht nur auf Namen sondern auch auf die Struktur. Die notwendige Neugestaltung ist nun der Vorstand mit breiter Unterstützung durch die Delegiertenversammlung angegangen, eine Strukturreform ist in Arbeit, so dass der Vorstand nach Plan ohnehin in neun Monaten zurücktritt.“

Sinngemäß heißt es in dem Schreiben weiter, man könne, das sei der Wesen der Demokratie, es nicht jedem Recht machen. „Wir stehen aber zu dem eingeschlagenen demokratischen Weg, den Verband bis zu dem nächsten Jahr zu reorganisieren um dann Neuwahlen zu generieren. (…) Wir lehnen es entschieden ab, dass diese öffentliche Schlammschlacht weiterhin auf dem Rücken der Züchter und der Verbandsangestellten ausgetragen wird.“

Strafanzeige gegen Dr. Werner Schade

Auf die beiden Briefe hat nun der Vorstand reagiert. Mittels einer engagierten PR-Beraterin wird Stellung bezogen. „Aufgrund der aktuellen Berichterstattungen sieht sich der Verband allerdings nun in der Pflicht den Delegierten und Mitgliedern gegenüber, zu den vorliegenden Anschuldigungen Stellung zu beziehen“, heißt es einleitend. In dem Schreiben wird der Darstellung, der Verband habe eine deutlichen Mitgliederrückgang zu verzeichnen, widersprochen. Was die juristischen Aktivitäten anbelangt, wird auf das laufende Verfahren wegen der am 13. Mai ausgesprochenen Kündigung eingegangen. In diesem Kontext heißt es außerdem: „Die Streitigkeit um den zugrunde liegenden Sachverhalt ist aktuell Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Zusätzlich wurde aufgrund der Annahme von strafrechtlich relevanten Handlungen Strafanzeige gegen Dr. Schade erstattet.

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Mit einem positiv nach vorne gerichteten Statement des Verbandsvorsitzenden endet diese Pressemitteilung: „Selbstverständlich ist es unser Anliegen, den Verband im besten Sinne zu leiten, ihn am Markt zu präsentieren und zukunftsfähig zu positionieren. Deshalb blicken wir als geschäftsführender Vorstand einer positiven Entwicklung entgegen – sei es durch die ernannte Strukturkommission oder die kommenden Veranstaltungen und Auktionen“, wird Hans-Henning von der Decken zitiert.

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