Stellungnahme von NRW-Landwirtschaftsministerium zu Causa Ankerhold wirft Fragen auf

Ministerium-PM-18-Mai-2021

Landgestüt Warendorf (© Frerichs)

Das NRW-Landwirtschaftsministerium hat heute mit einer Pressemitteilung auf die Vorkommnisse im Landgestüt Warendorf reagiert. Die Aussagen mit ministeriellem Zitat lassen die Stellungnahme des Warendorfer Staatsgestüts vom vergangenen Freitag in einem anderen Licht erscheinen.

Heute hat das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium eine Pressemitteilung zu den Vorkommnissen im NRW-Landgestüt Warendorf veröffentlicht. Darin wird die Einsetzung einer Kommission unter Einbindung „externen Sachverstands“ angekündigt. Das Gremium soll herausfinden, wie die Vorkommnisse am 13. April in der Reithalle der Deutschen Reitschule einzuordnen sind. Die zuständige Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser sagt darin: „Das nordrhein-westfälische Landgestüt Warendorf hat eine Vorbildfunktion in allen Fragen um die Themen Zucht, tiergerechte Haltung und Ausbildung von Pferden. Dies ist das Selbstverständnis der Landesregierung und des Landgestüts“.

Hintergrund war ein Video, das Teilnehmer eines Lehrgangs zur Pferdewirtschaftsmeisterprüfung in der Halle aufgenommen hatten. Es zeigt, wie zwei junge Hengste mit zu enger Halseinstellung gearbeitet wurden. Das Video landete bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Thies Kaspareit, bei der FN für Ausbildung verantwortlich, hatte die Bilder als „nicht tiergerechtes Reiten“ bezeichnet und das Gespräch mit der Landstallmeisterin Kristina Ankerhold gesucht. Sie hatte eine Angestellte aufgefordert die Hengste, von denen einer mit Schlaufzügeln geritten wurde, entsprechend zu trainieren.

Widersprüchliche Aussagen in Stellungnahmen von Landgestüt und Ministerium

Das Landgestüt, gegen dessen Leiterin Ankerhold mittlerweile Anzeige wegen des Vorfalls beim Veterinäramt des Landkreises Warendorf erstattet wurde, hatte am 14. Mai eine Stellungnahme auf seiner Webseite veröffentlicht. Sie endet mit dem Absatz:

„Nach Einschätzung des Landgestüts bestand zu keiner Zeit eine tierschutzrechtliche Relevanz. Diese Einschätzung wird nach einem fachlichen Austausch und Prüfung der kurzen Videosequenzen grundsätzlich auch von den Fachleuten des Landwirtschaftsministeriums geteilt.“

Damit schien klar zu sein: Die Videosequenzen sind von der FN an das Ministerium weitergeleitet, dort gesichtet und begutachtet worden. Leserinnen und Leser der Stellungnahme des Landgestüts mussten den Eindruck bekommen, das von Ursula Heinen-Esser geführte Landwirtschaftsministerium stehe hinter dem Agieren der Landstallmeisterin, bzw. sehen sie nicht als tierschutzrelevant an. Das würde sich mit Kaspareits Einschätzung decken, der vorn „nicht tiergerecht“ gesprochen hatte.

Tatsächlich bezieht sich das Ministerium in seiner heutigen Pressemitteilung ausdrücklich auch auf die Stellungnahme des Landgestüts Warendorf vom 14. Mai. Erwähnt werden dabei auch die eingegangenen Anzeigen. Bewerten will man den Vorgang noch nicht: „Die Bewertung des Kreisveterinäramtes gilt es abzuwarten“, schreibt das Ministerium am heutigen 18. Mai. Was anders klingt als der Satz in der Landgestüt-Stellungnahme, „diese Einschätzung wird nach einem fachlichen Austausch und Prüfung der kurzen Videosequenzen grundsätzlich auch von den Fachleuten des Landwirtschaftsministeriums geteilt“. Die Fachleute wiederum scheinen sich, Stand 18. Mai, erst noch zusammensetzen zu wollen. Externer Sachverstand soll eingebunden werden. „Soll“, nicht „ist eingebunden worden“.

„Parallel dazu hat das Ministerium eine interne Kommission zur Überprüfung der Vorgänge um die tierschutzrechtliche Relevanz der in Frage stehenden Trainingssituation eingesetzt. Die Kommission setzt sich zusammen aus dem Leiter des für das Landgestüt zuständigen Fachreferates, der Leiterin des Tierschutzreferates, der Landestierschutzbeauftragten sowie dem Leiter des Justitiariats, auch externer Sachverstand soll eingebunden werden.“

Die Pressemitteilung des Landwirtschaftsministerium können Sie hier im Wortlaut nachlesen.